Flug MH17 80 Leichen noch nicht geborgen

Kein Durchkommen: Prorussische Separatisten verwehren internationalen Ermittlern den Zugang zur Absturzstelle von Flug MH17.

(Foto: dpa)

+++ Internationale Ermittler können immer noch nicht zur Absturzstelle von Flug MH17 vordringen +++ Kiew wirft den Rebellen vor, das Gebiet vermint zu haben +++ Noch immer liegen Dutzende Leichen unter den Trümmern +++ Die australische Außenministerin vermutet dahinter Kalkül +++

  • Prorussische Separatisten verwehren internationalen Ermittlern nach wie vor den Zugang zur Absturzstelle des Fluges MH17. Bis zu 80 Leichen sind noch nicht geborgen.
  • Die australische Außenministerin Julie Bishop vermutet Russland hinter den Raketenlieferungen an prorussische Separatisten.
  • Russland kündigt angesichts der Wirtschaftssanktionen des Westens höhere Energiepreise für Europa an.
  • G-7-Staaten drohen Moskau mit weiteren Sanktionen.
  • Die EU setzt weitere Putin-Vertraute auf die Sanktionsliste.

Bis zu 80 Leichen liegen noch an der Absturzstelle

An der Absturzstelle des malaysischen Flugzeugs in der Ostukraine sind nach Angaben der australischen Außenministerin bis zu 80 Leichen noch nicht geborgen. Julie Bishop sprach im australischen Rundfunk von großer Frustration, weil die Ermittler wegen der anhaltenden Kämpfe nicht zur Absturzstelle vordringen können. Sie erhob neue Vorwürfe gegen Russland: "Meine große Sorge ist, dass Russland den Prozess aktiv untergräbt." Die Separatisten seien schwer bewaffnet, so Bishop weiter. "Sie haben Artillerie, sie haben Raketen. So etwas kauft man nicht im Laden an der Ecke." Vielmehr legten Geheimdienstinformationen nahe, dass Russland die Separatisten mit Waffen versorge.

Die ukrainische Regierung wirft den Rebellen vor, die Absturzstelle vermint zu haben. Andrej Lysenko, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine, erklärte, die Rebellen hätten schwere Artillerie in das Gebiet geschafft und die Zugänge vermint. Dies mache die Arbeit internationaler Experten, die Ursachen des Absturzes zu untersuchen, unmöglich. Eine unabhängige Bestätigung der Vorwürfe gibt es nicht.

Russland droht mit höheren Energiepreisen in Europa

Die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland werden nach Darstellung des Außenministeriums in Moskau zu höheren Energiepreisen in Europa führen. "Indem man sich in eine Sanktionsorgie begibt, stellt Brüssel nach eigenem Willen Hürden für weitere Kooperationen in einem so wichtigen Feld wie der Energie auf", hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Durch diesen verantwortungslosen Schritt würden die Energiepreise in Europa unweigerlich steigen.

Die EU und Deutschland decken rund ein Drittel ihres Energiebedarfs aus Russland. Am Dienstag hatte die EU im Zuge der Ukraine-Krise härtere Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen.

Offiziell aus Gesundheitsgründen kündigte Russland zudem an, dass es den größten Teil der Obst- und Gemüse-Importe aus Polen stoppen wolle. Grund sei die mangelnde Kennzeichnung von unter Quarantäne stehenden Produkten, teilte die russische Aufsichtsbehörde VPSS mit. Vorwürfe, die Importverbote seien eine Antwort auf die EU-Strafmaßnahmen, wies Moskau zurück.

G-7-Staaten verstärken Druck auf Moskau

Die sieben führenden Industriestaaten (G 7) drohen Russland mit weiteren Sanktionen. "Russland hat immer noch die Möglichkeit, den Weg der Deeskalation einzuschlagen, was zu einer Aufhebung der Sanktionen führen würde", hieß es in einer vom Weißen Haus in Washington verbreiteten Erklärung der G 7. Sollte Russland seinen Kurs nicht ändern, werde der von Moskau zu zahlende Preis weiter steigen.

EU belegt enge Putin-Vertraute mit Einreiseverboten

Die Europäische Union hat drei enge Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Einreiseverboten und Kontensperrungen bestraft. Dabei handelt es sich um die beiden Hauptanteilseigner der Bank Rossija sowie um einen früheren Judo-Partner Putins. Auf der im Amtsblatt der EU veröffentlichten Sanktionsliste stehen insgesamt acht Einzelpersonen und drei Unternehmen. Juri Kowaltschuk wird im Amtsblatt als langjähriger Vertrauter und größter Teilhaber der Bank Rossija genannt. Diese habe von der Annexion der Krim stark profitiert. Auch der zweitgrößte Teilhaber der Bank, Nikolai Schamalow, wurde auf die Sanktionsliste gesetzt. Putins früherer Judo-Partner, Arkadi Rotenberg, ist den EU-Angaben zufolge ein Unternehmer, der sein Vermögen in der Amtszeit Putins aufgebaut und von hochprofitablen Staatsaufträgen zur Vorbereitung der Olympischen Winterspiele in Sotschi profitiert habe. Rotenberg steht bereits auf der Sanktionsliste der USA.

Kämpfe im Osten gehen weiter

Die Kämpfe in der Ostukraine zwischen Regierungseinheiten und prorussischen Separatisten gehen unterdessen unvermindert weiter. Im Raum Donezk seien innerhalb von 24 Stunden mindestens 19 Zivilisten getötet und 31 Menschen verletzt worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Zudem seien bei der Explosion einer Mine zwei Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Kinder mussten mit Verletzungen in eine Klinik gebracht werden. Armee und Aufständische gaben sich gegenseitig die Schuld an den Opfern. Infolge der wochenlangen Gefechte seien rund 50 000 Haushalte ohne Strom und mehrere Tausend zudem ohne Wasser und Gas.

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