Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Tunesiens sind mindestens 17 Flüchtlinge ertrunken. Unterdessen hat sich die Hilsorganisation Cap Anamur von ihrem Vorsitzenden Elias Bierdel getrennt. Ihm war vorgeworfen worden, eine Rettungsaktion für Bootsflüchtlinge im Mittelmeer für die Medien ausgeschlachtet zu haben.

Das Flüchtlingsschiff war mit 75 Einwanderern aus Marokko und Tunesien gekentert. 47 Passagiere würden vermisst, elf seien gerettet worden, berichtete die tunesische Nachrichtenagentur.

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Das Boot sei bereits in der Nacht zum Sonntag gesunken. Das Unglück geschah demnach vor der Küste des Bezirks Sousse rund 120 Kilometer südlich von Tunis. Die Flüchtlinge hätten zu einer Gruppe von insgesamt rund 280 Menschen gehört, die illegal nach Italien gelangen wollten. Das überfüllte Boot der 70 Marokkaner und fünf Tunesier brach laut Augenzeugen nur eine Stunde, nachdem die Flüchtlinge in See gestochen waren, auseinander.

Italien fliegt Einwanderer aus

Italien hat damit begonnen, Flüchtlinge aus Afrika von der Mittelmeerinsel Lampedusa aus wieder nach Libyen zu fliegen. Seit Freitag waren mehr als 1.100 Menschen auf der Insel gestrandet, die auf halbem Weg zwischen der afrikanischen und der europäischen Mittelmeerküste vor Sizilien liegt.

Tausende Flüchtlinge versuchen jährlich, von Afrika aus auf illegalem Wege Europa zu erreichen. Immer wieder ertrinken dabei Menschen. Viele steuern von der nordafrikanischen Küste aus Italien oder eine dem Land vorgelagerte Insel an.

Cap Anamur trennt sich von Bierdel

Unterdessen hat die Hilfsorganisation Cap Anamur sich von ihrem Vorsitzenden Elias Bierdel getrennt. Der Schritt folgte drei Monate nach der Flüchtlingsaffäre vor der italienischen Küste. Bierdel war wegen einer Rettungsaktion für afrikanische Flüchtlinge im Mittelmeer in die Kritik geraten. Das Schiff der Organisation brachte die Menschen damals nach Italien. Die Behörden werfen Bierdel Beihilfe zur illegalen Einreise vor. Zudem wurde Bierdel vorgeworfen, er habe nach der Rettung der Flüchtlinge die Aktion als Medeinspektakel inszeniert. Neue Vorsitzende ist Edith Fischnaller, die bisherige medizinische Koordinatorin.

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(sueddeutsche.de/AFP/dpa)