Flüchtlinge auf der Balkanroute Trampelpfade nach Norden

Noch harren die meisten Flüchtlinge an der Grenze zu Mazedonien aus. Doch einige suchen bereits nach anderen Wegen, auch über Albanien.

Von Nadia Pantel

Babar Baloch sendet ausdauernd Neuigkeiten vom Chaos in die Welt. Der Sprecher des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat sein mobiles Büro zwischen den Zelten der Wartenden an der griechisch-mazedonischen Grenze eröffnet. Eine Grenze, die "weder komplett geschlossen noch offen" ist, sagt Baloch.

Mehrmals täglich schickt er Fotos von Kindern, die mal im Schlamm, mal im Staub hocken. Am Montag dann die Zahlen zu den Bildern: Mehr als die Hälfte der Ankommenden auf den griechischen Inseln seien Syrer, sagt die griechische Polizei, 40 Prozent der Flüchtenden seien Kinder.

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Etwa 2000 Menschen kamen in der vergangenen Woche täglich auf Griechenlands Inseln an. Ihr Ziel: der Nordwesten der EU, meist Deutschland. Die nächste Etappe ihrer Flucht wäre Mazedonien, doch das Land hat seine Grenze in Absprache mit den nördlichen Nachbarn beinahe vollständig für Asylsuchende geschlossen. Passieren dürfen nur noch Menschen, die aus syrischen Städten stammen, die derzeit bombardiert werden.

An manchen Tagen kommen 30 Menschen nach Mazedonien, an anderen zählt das UNHCR 177. Auch in den übrigen Ländern der sogenannten Westbalkan-Route hat sich die Zahl der Durchreisenden extrem verringert. Noch im Januar betraten und verließen täglich mehr als 2000 Geflüchtete Serbien, Anfang März waren es im Schnitt um die 300 Menschen pro Tag. Zahlen, die verdeutlichen: In Griechenland wird es voll. Was die politische Reaktion darauf ist, ist die eine Frage. Was die direkte Reaktion der Gestrandeten ist, ist die andere Frage.

Was machen die Gestrandeten?

Noch wartet die Mehrheit. Am sichtbarsten in Idomeni, gleich vor der mazedonischen Grenze. Andere gehen freiwillig in die griechischen "Unterbringungszentren", von denen aus eine Verteilung auf den Rest der Europäischen Union erfolgen soll. Doch einige suchen bereits nach anderen Wegen Richtung Deutschland. Zum Beispiel durch Albanien.

130 Kilometer ist die albanische Hafenstadt Vlorë vom italienischen Brindisi entfernt. Dass eine Überfahrt auch in kleinen oder überfüllten Booten möglich ist, wenn die Not nur groß genug wird, zeigten Anfang der 1990er-Jahre 200 000 Albaner. Sie flohen aus ihrem von der Diktatur zerstörten Land in die Europäische Union, vor allem nach Italien. So kamen zum Beispiel am 8. August 1991 im Hafen von Bari Schiffe mit 10 000 Albanern an. Die Geldüberweisungen der Exil-Albaner sind heute eine der zentralen Stützen der albanischen Wirtschaft.