Flüchtlinge Schäuble: Europa als Festung wäre eine Schande

Der Bundesfinanzminister auf der Bühne in Davos

(Foto: REUTERS)
  • Europa müsse wegen der Flüchtlinge deutlich mehr Geld ausgeben als gedacht, sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble.
  • Milliarden Euro müssten in die Herkunftsregionen der Asylsuchenden fließen, um den Druck auf die EU-Außengrenze zu senken, fordert er.
Von Bastian Brinkmann, Davos

Wolfgang Schäuble will eine Koalition der Willigen. Das habe er den anderen Finanzministern Europas auch schon öfter vorgeschlagen: Loslegen, Geld ausgeben, schnell. "Wir werden Milliarden in die Regionen der Flüchtlinge investieren müssen, um den Wanderungsdruck zu reduzieren", sagt der Bundesfinanzminister auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Das Wort Marshallplan mag Schäuble dafür eigentlich nicht benutzen. "Aber von mir aus nennen wir es so." Deutschland sei in der Lage, mehr Geld auszugeben. "Wir haben mehr finanziellen Spielraum als die anderen, das ist wahr."

Weil noch immer zu viele Flüchtlinge nach Deutschland kämen, müsse der Druck auf die Außengrenzen der Europäischen Union sinken, so Schäuble. Für syrische Flüchtlinge müsse es deshalb attraktiver werden, beispielsweise in Camps im Libanon zu bleiben. Abschreckung dagegen sei nicht der richtige Weg: "Europa als Festung ist keine Lösung. Das ist eine Schande." Zudem brauche es "Solidarität mit denjenigen Ländern, die Außengrenzen haben".

Europa gebe es nicht "à la carte"

Alexis Tsipras repräsentiert auf dem Podium in Davos die Außengrenze der Europäischen Union. Im vergangenen Sommer stritt seine Regierung vehement mit Deutschland über das weitere Vorgehen in der Euro-Krise. In der Flüchtlingsfrage nähern sich Athen und Berlin nun rhetorisch an. Wie der deutsche Finanzminister spricht auch Tsipras von mehr Solidarität und nennt die gefährliche Flüchtlingsroute über das Mittelmeer eine Schande.

Die EU müsse endlich ein funktionierendes Verteilungssystem für Asylsuchende aufsetzen, sagt Tsipras. Er fordert weniger Egoismus in Europa. Die Länder dürften sich nicht nur darum kümmern, was in ihrem eigenen Hinterhof passiert. Denn Europa gebe es nicht "à la carte".