Flüchtlinge Griechenland: Flugblatt sorgte für Flucht Hunderter Menschen aus Idomeni

Der Regierung in Athen zufolge zeigt ein unter den Flüchtlingen verteiltes Papier Wege, um den Grenzzaun zu Mazedonien zu umgehen. Die Verfasser geben sich als "Kommando Norbert Blüm" aus.

Der Exodus Hunderter Migranten aus Griechenland nach Mazedonien vom Montag ist nach Ansicht der Regierung in Athen durch die Verteilung eines Flugblatts in arabischer Sprache ausgelöst worden. Darin soll den Migranten, die seit Wochen im Camp von Idomeni ausharren, gezeigt worden sein, wie sie den mazedonischen Zaun umgehen können.

Zudem sollen mit diesen Flyern falsche Informationen über die Absichten Athens verbreitet worden sein, hieß es vom griechischen Krisenstab für die Flüchtlingskrise. Wer dahinterstecken soll, sagte Athen nicht. In der griechischen Presse wurde eine Übersetzung des Textes der Flugblätter aus dem Arabischen veröffentlicht.

Was auf den Flugblättern stehen soll

"1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist und wird zubleiben.

2. Es gibt keine Busse oder Züge, die Sie nach Deutschland bringen werden.

3. Es ist sehr gut möglich, dass, wer in Griechenland bleibt, (am Ende) in die Türkei abgeschoben wird.

4. Wer es schafft, illegal in einen anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge.

5. Es ist möglich, dass das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird. Möglicherweise werden Sie dann in andere Lager gebracht und danach in die Türkei ausgewiesen.

Hunderte Flüchtlinge verlassen Idomeni Richtung Norden

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Die Lösung:

1. Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen. Der Zaun endet fünf Kilometer von hier entfernt. Danach gibt es keinen Zaun, der Sie daran hindern könnte, nach Mazedonien zu reisen. Sie können hier rübergehen (schauen Sie auf die Karte).

2. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen bewegen, werden Sie von der mazedonischen Polizei oder der Armee festgenommen und nach Griechenland zurückgebracht.

3. Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können.

Lasst uns alle um 14 Uhr im Camp (von Idomeni) treffen. Bitte schauen Sie auf die Karte, um den Weg zum Treffpunkt zu sehen."

Dieses Flugbatt soll in Idomeni verteilt worden sein. (Quelle: http://www.protothema.gr)

(Foto: oh)

"Kommando Norbert Blüm"

Auf einer Fotografie des Flugblattes, das die griechische Zeitung To Proto Thema in ihrer Online-Ausgabe zeigt, ist in der unteren rechten Ecke "Kommando Norbert Blüm" zu lesen. Der ehemalige CDU-Politiker und Bundesarbeitsminister hatte am Wochenende mit einer Übernachtung in einem Zelt im Flüchtlingscamp von Idomeni für Aufsehen gesorgt. Blüm bestritt, etwas mit der Aktion zu tun zu haben. "Ich habe erst im Nachhinein von diesem Flugblatt erfahren", sagte Blüm der Bild-Zeitung. "Die Aktion habe ich nicht initiiert." Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras verurteilte die Flugblatt-Aktion scharf. Er bezeichnete sie als "gefährliches Verhalten zu Lasten der Flüchtlinge".

Unterdessen kursieren Berichte, wonach die mazedonische Polizei offenbar gezielt etwa 70 Journalisten und freiwillige Helfer festgesetzt habe. Sie hätten den Flüchtlingsmarsch aus Idomeni über die mazedonische Grenze begleitet. Begründet worden sei die Festsetzung mit illegalem Grenzübertritt.

Am Dienstag gab die mazedonische Regierung bekannt, etwa 600 Migranten nach Griechenland geschickt zu haben, die sich über die Grenze durchgeschlagen hatten. Die meisten der Flüchtlinge seien noch am Montag oder in der Nacht mit Lastwagen zurück nach Griechenland gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher. Von der griechischen Regierung hieß es, sie könne dies weder bestätigen noch dementieren.