Fleischkonsum und Klima CSU-Ministerin Aigner grünt ein bisschen

Agrarministerin Aigner plädiert indirekt dafür, weniger Fleisch zu essen, auch als Beitrag zum Klimaschutz - bislang eine Position der Grünen.

Von Oliver Das Gupta

Am Dienstagmorgen sorgte Ilse Aigner für eine Überraschung. Es liefen Meldungen über ein Gespräch der Agrarministerin mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, die aufhorchen ließen.

"Aigner: Weniger Fleisch essen heißt Klima schützen", titelte die Nachrichtenagentur ddp. Die Kollegen von AP bericheten: "Aigner empfiehlt Einschränkung beim Fleischverzehr zum Klimaschutz".

Weniger Fleisch, um den Ausstoß von Treibhausgas zu drosseln - das war bislang eine Forderung, auf die allenfalls besorgte Klimaschützer, das Bundesumweltamt oder die Grünen pochten.

Tenor: Die Fütterung und Haltung des Schlachtviehs nehme gewaltige Flächen und Futtermengen in Anspruch, außerdem entweiche aus Rinder-Därmen das Gas Methan und heize den Treibhauseffekt mit an. Die Nutztierhaltung ist ein Hauptverursacher von Treibhausgasen, bestätigt die Welternährungsorganisation Fao.

Doch gerade die Konservativen wollten bislang wenig von einem Zusammenhang zwischen Fleischproduktion und Klimaerwärmung wissen. Beispielhaft ist die Reaktion von CDU und CSU auf Fragen der Albert-Schweitzer-Stiftung vom vergangenen Sommer.

Damals, wenige Wochen vor der Bundestagswahl, fragte die Stiftung die großen Parteien mit Blick auf die Causa: "Setzt sich Ihre Partei (...) für eine Verringerung des Fleischkonsums ein. Falls ja: wie?"

Gesteltzt formulieren Union, aber auch SPD, FDP und Linke allerlei - an der eigentlichen Fragestellung vorbei. CDU und CSU antworten, man plädiere für "freiwillige Siegel, die internationale Sozial- und Nachhaltigkeitsstandards wiedergeben" sowie für die "Entwicklung glaubwürdiger Kennzeichnungen für umwelt- und klimafreundliche Produkte".

Umso überraschender nun die Schlagzeilen der Agrarministerin zu dem Fleisch-Thema. Ilse Aigner schien eine Wende zu vollziehen - wohl zum Graus etlicher CSU-Parteifreunde und Bauernfunktionäre.

Offenbar aber hatte es jemand eilig, die Nachricht zu relativieren: Am frühen Nachmittag meldeten die Agenturen Korrekturen an: AP stellte "durchgehend Aigner-Zitate richtig", AFP schrieb: "Die Aussage Aigners zum Klimaschutz bezieht sich nur auf gesunde Ernährung, nicht auf einen Verzicht von Fleisch."

Es stimmt: Die Christdemokratin redete in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung von "gesünderer Ernährung" und "klimaverträglichen Produktionsweisen", davon, wie man bei der Fütterung Klimagase reduzieren könnte. Auf eine entsprechende Frage äußerte sie sich nicht explizit zum Thema Fleischkonsum. Neue Fenster, vernünftiges Lüften und ab und an der Verzicht aufs Auto gehörten ebenfalls zum Klimaschutz, sagte sie.

Beim Bayerischen Bauernverband liegt man mit der Ministerin voll auf einer Linie.

Eine Sprecherin der Organisation erklärte sueddeutsche.de, man stimme Aigner zu, dass gesunde und ausgewogene Ernährung mit heimischen Lebensmitteln ein Beitrag zum Klimaschutz sei - und betont die Wichtigkeit von "Fleisch aufgrund seiner wichtigen Inhaltsstoffe".

Die Landwirte hätten Emissionen in den vergangenen 20 Jahren bereits um 20 Prozent gesenkt, lobt sich der Verband, im Vergleich zu fossilen Energieträgern seien die Agrar-Abgase minimal.

Indirekt riet die Ministerin Aigner allerdings tatsächlich zum gedrosselten Fleischverzehr. Die CSU-Politikerin erklärte wörtlich: "Wenn wir uns alle gesund und ausgewogen ernähren würden, so wie es zum Beispiel mit der Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird, wäre das bereits ein erheblicher Beitrag zum Klimaschutz."

Diese Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sehen allerdings nur einen Pro-Kopf-Fleischkonsum von 300 bis 600 Gramm je Woche vor. Das ist annähernd halb so viel, wie das Volk der Schnitzel-, Steak- und Bratwurstesser tatsächlich verbraucht.

Die Christsoziale Aigner grünt also ein bisschen. Das ist ein Risiko. Dass das Thema Fleisch bei den Konservativen für die Polit-Karriere gefährlich sein kann, zeigt das Beispiel von Barbara Stamm (CSU). Die heutige Präsidentin des Bayerischen Landtags war einst Gesundheitsministerin im Freistaat und stürzte im Januar 2001 über BSE- und Schweinemast-Skandale.

"So, wie es bisher war, geht es nicht weiter", erklärte Stamm damals zu ihrem Rücktritt: "Der Fleischkonsum muss runter."