Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger spricht sich für Musterklagen gegen Bankmanager aus - und vermisst bei Kanzlerin Merkel ein klares Wirtschaftsprofil.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger will ehemalige Bankvorstände auf der Anklagebank sehen.
Günther Oettinger (© Foto: dpa)
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"Ich halte einige Vorgänge bei den Banken für Untreue", sagte Günther Oettinger gestern in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Da wurden Produkte gekauft, wo die Risiken erkennbar waren, wo die Kontrolle nicht funktioniert", sagte Oettinger.
Wenn der Bund "in diesen Tagen bei Banken einsteigt und Garantien gibt oder gar Anteile übernimmt", solle er sich "die möglichen Schadenersatzforderungen gegen Ex-Vorstände abtreten lassen". Musterklagen auf der Grundlage des geltenden Strafrechts wären hilfreich, glaubt der CDU-Politiker.
Zudem übte Oettinger im ZDF Kritik am unscharfen Profil der CDU. Die Parteivorsitzende Angela Merkel solle endlich aufzeigen, "was Union pur sein soll".
Dem Hamburger Abendblatt sagte Oettinger, seine Parteichefin "muss irgendwann die Uniform der Kanzlerin in den Schrank hängen und die Uniform der Kanzlerkandidatin und Parteivorsitzenden anziehen". Als geeigneten Zeitpunkt für den Wahlkampfstart nannte er Mitte August.
Oettinger verlangte von Merkel zugleich, auch dem wirtschaftsliberalen und dem konservative Flügel gerecht zu werden. "Wenn wir ein gut vorbereitetes Wahlprogramm haben, das auch die Vorstellungen des wirtschaftlichen und konservativen Flügels berücksichtigt, haben wir beste Chancen", sagte er.
Dann werde auch das Bild Merkels ein anderes sein. "Niemand wird sie als Kompromisskanzlerin der Großen Koalition wahrnehmen", so Oettinger.
Sein stellvertretender Landesparteichef Stefan Mappus haute in die selbe Kerbe: Er beklagte im Reutlinger General-Anzeiger, viele Menschen wüssten nicht, wofür die CDU stehe.
"Und dass dann die Akzeptanz eher sinkt als steigt, ist eine konsequente Folge." Mappus sagte, er vermisse neben stärkerer Führung innerhalb der CDU vor allem einen klaren wirtschaftspolitischen Kurs seiner Partei.
"Die CDU muss runter von der SPD-Rutschbahn in den Staatskapitalismus", forderte Michelbach. "Wir brauchen eine Rückbesinnung auf den vielfach in Vergessenheit geratenen Leistungsgedanken."
Ähnliche Kritik kam vom Wirtschaftsflügel der CSU: "Die Union muss ihr Profil wieder erkennbar machen", sagte der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach, der Internetausgabe des Handelsblatts.
Im ARD-Deutschlandtrend vom Donnerstag fiel die Union um zwei Punkte auf 32 Prozent, während die SPD zwei Punkte auf 27 Prozent zulegte. Die FDP ist mit 17 Prozent weiter im Höhenflug.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Große Koalition Den Göttern dämmert was 05.03.2009
(sueddeutsche.de/dpa/AP/liv)
Müll an der Isar
Wie ist denn das bei der LBBW. Da sind doch der Herr Oettinger und/oder sein Finanzminister bestimmt mit im Vorstand. Hat die LBBW sich an diesem Spiel nun nicht beteiligt oder warum wirft der Mann so forsch den ersten Stein?
gestern bei M.B.Illner wieder zu beobachten. Frech werden Positionen der Linken übernommen. Aber mit keinem Gedanken wird an die Realisierung gedacht.
Lafontaine hat schüchtern darauf hingewiesen:"Sie müssen nur die Vorschläge im Bundestag einbringen und bekommen eine Mehrheit."
Ähh - welchen Bundestag?
@ : sajoh: Sie haben ja recht. Andererseits ärgert mich immer wieder die Chuzpe, mit der ausgerechnet Hüther immer wieder die gleichen Thesen vertritt, zumindest in den letzten Wochen. Vorher hat er es als Teufelszeug betrachtet, wenn irgend Jemand von staatlichen Regulierungen gesprochen hat. Wie der Wind geht, so dreht sich mein Hut. Sie haben auch recht, wenn sie die bemängeln, dass bei Illner nur ab und zu die Verbandszugehörigkeit erwähnt wird.
@ fair-play: ich gebe Ihnen Punkt für Punkt recht, das Schlimme ist nur, dass diese Figuren über jeder Kritik stehen.
Anmerkung: Oettinger steht bekanntlich der INSM sehr nahe. Und das umso mehr, weil der Präsident der Robert Bosch-Stiftung Tietmeyer zugleich auch Vorsitzender der INSM ist. Hinzu kommt dass er ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzender der Hypo-Real-Estate ist. Tietmeyer war Anfang der 90er Jahre Bundesbank-Präsident und hat damals schon sehr gekonnt einen beginnenden Wirtschaftsaufschwung abgewürgt. ZUM Glück für uns alle hat er vor ein paar Wochen den Vorsitz der Suffin abgelehnt.Im Klartext heißt das, dass ein Banker nicht in der Lage ist mit klarem Verstand pragmatisch vorzugehen, sondern rein Ideologie - bezogen.
Ihr Kommentar von 13Uhr31! Respekt! Trifft hundert Prozent zu.
Lohnt sich also doch, abends noch durch ältere Kommentare zu lesen.
Voll Grün!
Hätte das dem Oettinger garnicht zugetraut! Klar, alle gehören auf die Anklagebank, die sich hohe Renditen ausgerechnet haben mit einem gigantischen Schneeballsystem ohne jede Substanz. Allerdings dürfte es auch ein paar seiner politischen Konkurrenten und auch seiner Freunde gleichermaßen erwischen! Da bin ich aber gespannt!!!
Paging