Präsident Obama hat im US-Senat eine satte Mehrheit, seine Reformen können trotzdem scheitern - an störenden Dauerreden der Opposition. Demokratisch ist das nicht.
Nach der verlorenen Wahl von Massachusetts hat US-Präsident Barack Obama noch 59 von 100 Senatoren auf seiner Seite - eigentlich immer noch eine satte Mehrheit. Doch sie wird den Demokraten nicht reichen, um die ambitionierten Ziele in der Gesundheits-, Klima- und Finanzpolitik durchzubringen.
Senator Strom Thurmond 1957 nach seiner 24-stündigen Filibuster-Rede (© Foto: AP)
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Schuld daran ist ein winziger Passus in der Geschäftsordnung des Senates. Er erlaubt jedem einzelnen Senator, mit einer Rede die Tagesordnung über den Haufen zu werfen. Für die Länge dieser Rede gibt es keine Begrenzung. Mit einem sogenannten Filibuster kann jegliches Gesetzesvorhaben der Regierung auf unbestimmte Zeit blockiert werden - es sei denn, diese hat eine Mehrheit von 60 Stimmen. Nur mit dieser Supermehrheit kann ein Filibuster verhindert werden.
Zu dieser fehlt Obama nun eine Stimme. Das bringt seine komplette Agenda ins Wanken. Dass jedoch eine Regierung, die über eine Mehrheit von 59 Prozent verfügt, ihre Gesetze nicht durchbringen kann, widerspricht demokratischen Grundprinzipien.
Die Filibuster-Praxis führt dazu, dass die Minderheit die Mehrheit erpresst, heutzutage mehr als jemals zuvor. Während 1960 nur acht Prozent aller Gesetze von einem Filibuster bedroht wurden, waren es 1980 schon 27 Prozent. Aktuell reicht für mehr als zwei Drittel aller Abstimmungen die normale Mehrheit nicht aus, weil die Opposition einen Filibuster androht.
Der Aufwand dafür ist gering. Nur noch selten muss ein Senator tatsächlich aufs Rednerpult steigen und 24 Stunden lang Kochrezepte vorlesen, wie es Senator Strom Thurmond 1957 tat, um die Gleichberechtigung von schwarzen Amerikanern zu verhindern. Seine Rede ging als der längste Filibuster in die Geschichte der USA ein.
Heute ist es in der Praxis üblich, dass die Minderheit den Filibuster lediglich ankündigt - und die Regierung versucht, 60 Stimmen zusammenzukratzen, um die noch gar nicht begonnene Dauerrede zu verhindern.
Optimistische Zeitgenossen glauben, dass die Inflation der Filibuster die beiden US-Parteien zu mehr Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft zwingt. Doch wer realistisch ist, weiß: Sie führt zu zunehmender Polarisierung. Der Gesetzgebungsprozess dauert wegen der Blockaden immer länger, und die Regierung muss sich immer öfter die Zustimmung einzelner Senatoren mit teuren Sonderzuwendungen für deren Bundesstaaten erkaufen.
Dass eine Minderheit von 41 Prozent auf diese Weise die Ziele einer durch Wahl legitimierten Mehrheit torpediert, ist zutiefst undemokratisch. Amerika sollte den Filibuster abschaffen.
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(sueddeutsche.de/gba/jja)
Protest gegen dritte Startbahn
@Wertprogressiv:
Nun ja, den Kommentar als "falsch" einzustufen halte ich schon fuer sehr vermessen.
Richtig ist, dass viele (bei weitem nicht alle) "Schuldemokratien" der Welt Minderheitenschutz in ihre Verfassungen installiert haben. Man kann aber eben nicht alle dieser Demokratien beliebig in einen Topf werden. Und insofern ist der Masstab dessen, ob etwas fuer das Volk gut, schlecht oder "falsch" ist, sehr unterschiedlich - von Land zu Land.
In den USA herrscht ein extrem ausgepraegter Foederalismus, der seine Ursachen - teilweise - in der Weite des Landes und den von Landstrich zu Landstrich (oder von Bundesstaat zu Bundesstaat) voellig unterschiedlichen politischen Grundinteressen hat. Ich gebe Ihnen ein Beispiel:
Texas foerdert Oel. Dort gibt es ein grosses Interesse daran, den Oelpreis hoch zu halten, den Individualverkehr zu beguenstigen. Kalifornien erstickt im Individualverkehr, und die Bewohner dort, ans Auto gebunden, wollen einen moeglichst niedrigen Oelpreis.
In Washington sitzen Senatoren beider Staaten und muessen nun irgendwie gemeinsam Politik machen. Das Problem der beiden interessiert uebrigens in, sagen wir mal New Hampshire, niemanden.
Es ist durch diesen Foederalismus nahezu unmoeglich, eine fuer das Land einheitliche politische Linie zu finden. Man koennte es auch anders formulieren: Es gibt viele kleine Minderheiten in den USA - oder sind es manchmal Mehrheiten? Geben Sie mir den Beweis, dass die Durchsetzung des Minderheiteninteresses der Allgemeinen Mehrheit nutzt - und Ihre Aussage, dass der Kommentar "falsch" war, koennte einen Sinn ergeben. Bin gespannt.
Die Überschrift suggeriert, kurze rede -z.B. Obmas, trügen hohen Sinngehalt.
Die Tatsache, dass im bundestag seit etwa zwi Jahrzehnten die Praxis einzog, reden zu Protokoll zu gben, dass kaum noch jemand im Sal ist und wohl die wenigsten MdBler in ihren Büros das proceder verfolgen, zeugt vom Niedergng des Parlments. natürlich - die Ausschüsse, die bekannte Entschuldigung. Dort werde geredet und zugehört. Quatsch. Wir werden bei jedem U-Ausschuss darüber belehrt, ie die Bürokratisierung des geschehens Erkenntnisgewinn verhindert.
Eine Parlamenstreform, die die sog. "Fraktionen" zerschlägt und dem GG wieder raum gibt, ist wie so viele reformen dringend notwendig.
Sonst ... es gibt einen schönen Film mit James Stewart über den Sin des Filibusterns ...
der Gedanke allein, in diesem Parlament - auch Bundestag genannt - wäre es möglich oder gar an der Tagesordnung einen derartigen Schwachsinn wie "Filibustern" aufführen zu dürfen, läßt mich erschaudern.
Gerade am heutigen Tage durften die Bundesbürger wieder die Qualität, das Niveau der Volksvertreter, ihrer Volksvertreter, und deren Reden oder Redebeiträge oder Absonderungen hören, besichtigen, erleiden.
Fast wäre man geneigt zu behaupten FOLTER hätte was mit mit WELLNESS zu tun.
Aber nein. Wir können wenigstens abschalten, zappen.
mit Cato.
Dieses "Problem" wurde auf einfache Weise gelöst.
Ein Korb voll mit SZ-Schnipseln wäre adäquat.
ist aufgrund seiner Stimmverteilung in Wirklichkeit ein Garant des Föderalismus und damit eine der Grundsäulen der Vereinigten Staaten.
Es ist in Deutschland übrigens zwar nicht gleich, aber ähnlich: auch hier gibt es bei der Sitzverteilung im Bundesrat nur eine kleine Streuung: mindestens 3, maximal 6 Sitze. Ginge es proportional zur Bevölkerung, müssten die Unterschiede viel grösser sein.
Paging