Fifa-Skandal Warum Weltpolizist USA beim Fußball richtig liegt

US-Justizministerin Loretta Lynch, hier mit Kollegen, hat der Fifa-Korruption den Kampf angesagt.

(Foto: dpa)

Es ist schon ironisch: Ausgerechnet die Justiz eines Landes, das sich eher wenig für Fußball interessiert, bekämpft nun die Korruption beim Weltverband Fifa. Das liegt an der US-Gesetzgebung und einer mutigen Politikerin.

Kommentar von Hubert Wetzel

Die Vereinigten Staaten sind für ihr Auftreten als "Weltpolizist" immer wieder gescholten worden, mal zu Unrecht, oft zu Recht. An dieser Stelle ein Lob für die Weltpolizistin Loretta Lynch: Es ist gut, dass es wenigstens in einem Land der Erde eine Justizministerin gibt, die den Mumm, die Hartnäckigkeit und die Entschlossenheit hat, es endlich mit dem Weltfußball-Kartell aufzunehmen.

Dass die Fifa und viele ihre Mitgliedsverbände korrupt sind, dass ihre Funktionäre sich die Taschen füllen, ist ja seit jeher bekannt. Dass nun immerhin ein paar dieser Leute vor Gericht - vielleicht ins Gefängnis - müssen, ist freilich nur Ministerin Lynch, dem FBI und der New Yorker Staatsanwaltschaft zu verdanken.

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Auch andere Länder haben Gesetze gegen Korruption und Geldwäsche. Auch anderswo hätte man sich die Geschäfte mit den hohen Gewinnmargen, die Fifa-Vertreter machen, zumindest näher ansehen können; man denkt an die Schweiz, wo die Fifa residiert, oder an Deutschland, wo mal eine Fußball-Weltmeisterschaft stattfand. Dass nicht ermittelt wurde, lag wohl weniger an mangelnden juristischen Möglichkeiten als an der fehlenden politischen Bereitschaft, die gierigen Granden des Fußballs zu vergrätzen. Amerika ist dazu bereit.

US-Gesetze lassen den Behörden großen Spielraum zuzupacken

Die USA haben sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als harte Kämpfer gegen Korruption und Betrug aller Art im internationalen Geschäftsleben erarbeitet. Das hat damit zu tun, dass die US-Gesetze den Behörden großen Spielraum für Ermittlungen lassen: Egal wo ein dunkles Geschäft abgewickelt wird - sobald irgendwie die USA tangiert sind, darf das FBI zupacken. Europäische Konzerne, die das Schmiergeld für einen afrikanischen Beamten über ein Konto in Amerika bezahlen, müssen daher ebenso damit rechnen, von US-Ermittlern verfolgt zu werden, wie jüngst verschiedene internationale Großbanken, die Kunden getäuscht, betrogen oder zur Steuerflucht angestiftet haben.

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Das hat zu dem Vorwurf geführt, die US-Regierung gehe unter dem Deckmäntelchen der Rechtsstaatlichkeit gegen die ausländische Konkurrenz der amerikanischen Unternehmen vor. Das mag sogar in einigen Fällen so sein. Allerdings: Rechtsstaatlichkeit ist nicht der schlechteste Deckmantel bei der Jagd auf Betrüger.

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US-Staatsanwälte nutzen ihr Amt gerne als Sprungbrett in die Politik, spektakuläre Anklagen können durchaus davon motiviert sein. Im Falle der Fifa spricht aber nichts dafür. Fußball begeistert die Amerikaner kaum, auch wenn das Interesse steigt; ein Witzbold hielt es sogar für nötig, in der Anklageschrift zu erklären, dass jener Sport, den die Welt "Football" nennt, in Amerika "Soccer" heißt. Wer den New Yorkern imponieren will, der verklagt Banker, nicht die Funktionäre einer Randsportart.

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Insofern steckt in dem Fall eine ordentliche Portion Ironie: Ausgerechnet die Fußball-Ignoranten aus Amerika versuchen, den Weltfußball auszumisten. Denn da, wo man diesen Sport angeblich so liebt, wurde immer nur zugeschaut und gejubelt, wenn der Ball rollte und das Geld floss.

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