Festnahmen in Rom Neonazis feiern 100. Geburtstag von Altnazi

Reue hat der NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke nie gezeigt, bis zu seinem 100. Geburtstag nicht. Als Neonazis ihn vor seinem Haus in Rom feiern wollen, kommt es zu Zusammenstößen mit jüdischen Demonstranten und der Polizei.

Am 100. Geburtstag des unter Hausarrest stehenden NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke ist es zu Zusammenstößen vor seinem Haus in Rom gekommen. Sieben Neonazis wurden am Montag in der italienischen Hauptstadt festgenommen, als sie den Geburtstag Priebkes feiern wollten. Den Aktivisten der Gruppe "Militia" werde Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration vorgeworfen, hieß es. Sie hatten unter anderem ein langes Spruchband bei sich, auf dem sie Priebke "weitere 100 Jahre" wünschten.

Die Polizei hatte die Sicherheitsvorkehrungen rund um Priebkes Haus verschärft. Mehrere Dutzend Demonstranten der jüdischen Organisation "Projekt Dreyfus" hatten sich vor dem Gebäude versammelt, als ein Verwandter des ehemaligen SS-Mannes mit einer Champagnerflasche in der Hand auftauchte. Daraufhin gab es ein Gerangel, der junge Mann wurde in einem Polizeiauto weggebracht.

Priebke hatte bis 1994 unbescholten unter seinem echten Namen in einem Badeort in Argentinien gelebt. Dann entdeckte ihn ein nach Nazis recherchierender US-Journalist und Priebke wurde nach Italien ausgeliefert. Dort wurde er wegen des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom vor Gericht gestellt. 1998 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch nur ein Jahr später kam er wegen seines schlechten Gesundheitszustands und seines Alters wieder aus dem Militärgefängnis frei und in Hausarrest.

Am 23. März 1944 hatten italienische Partisanen mit Bomben mindestens 33 Männer einer Südtiroler Polizeieinheit getötet. Angeblich auf direkten Befehl Adolf Hitlers sollten für jeden toten Deutschen zehn Italiener sterben. Nur einen Tag nach dem Anschlag führten SS-Truppen insgesamt 335 ahnungslose Männer - der jüngste ein Jugendlicher von 15 Jahren - in die Höhlen, um sie zu erschießen. Priebke soll als Hauptsturmführer die Namensliste der Opfer, unter ihnen 75 Juden, geführt haben. Er gestand außerdem, zwei Gefangene selbst erschossen zu haben. Er zeigte nie Reue.