Drei Jahre nach seiner Freilassung aus afghanischer Gefangenschaft ist das CIA-Entführungsopfer Masri in die Psychiatrie eingewiesen worden. Am frühen Donnerstagmorgen hatte Masri versucht, eine Filiale der Großhandelskette Metro in Neu-Ulm in Brand zu setzen.
Der Deutsch-Libanese Khaled el-Masri ist am Donnerstag in Neu-Ulm wegen des dringenden Verdachts der Brandstiftung festgenommen worden. Nach Polizeiangaben verursachten Ruß und Löschwasser in einer Filiale der Großhandelskette Metro einen Sachschaden in Höhe von 500.000 Euro.
Wegen dringenden Tatverdachts verhaftet: Khaled el Masri (© Foto: dpa)
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Masri hatte sich im April mit der Metro-Filiale wegen eines defekten Elektrogeräts gestritten, das er dort erworben hatte. Nach der Brandstiftung am Donnerstagmorgen wurde er noch in der Nähe des Tatorts festgenommen.
Ein Richter in Memmingen befand, dass Masri womöglich nicht schuldfähig war und erließ einen Unterbringungsbefehl für ein Bezirkskrankenhaus, in dem Masri nun psychiatrisch betreut werden soll. Sein Rechtsanwalt Manfred Gnjidic sagte: "Er musste Straftäter werden, um die Therapie zu bekommen, die ihm als Opfer seit Jahren zustand."
Gnjidic hatte sich seit geraumer Zeit um eine Psychotherapie für Masri bemüht, der Anfang 2004 als Unschuldiger von der CIA nach Afghanistan entführt und dort monatelang verhört worden war. Ende April bat Gnjidic sogar Bundeskanzlerin Merkel darum, eine Therapie für Masri zu veranlassen, "da andernfalls die Angelegenheit nicht mehr zu kontrollieren sein wird".
Das Kanzleramt forderte daraufhin die Bayerische Staatsregierung vor einer Woche dazu auf, Masri zu helfen. Der Brief des Anwalts lese sich wie ein "verzweifelter und dringlicher Hilferuf".
Das Bundesverfassungsgericht hat die Telefonüberwachung des Anwalts Gnjidic unterdessen für unverhältnismäßig und rechtswidrig erklärt. Die Abhöraktion verletze sowohl das Fernmeldegeheimnis als auch die Berufsausübungsfreiheit des Rechtsanwalts, entschied eine Kammer des Zweiten Senats.
Im Januar 2006 ordnete das Amtsgericht München eine später vom Landgericht bestätigte Überwachung von Telefon, Fax und zwei Handys des El-Masri-Anwalts an. In der Begründung hieß es, wegen der verstärkten Medienberichterstattung über den Fall müsse damit gerechnet werden, dass sich die Entführer telefonisch bei el-Masri oder seinem Anwalt meldeten.
Diesem Argument vermochte das Bundesverfassungsgericht nichts abzugewinnen. Die Abhöraktion habe zwar dem legitimen Zweck der Aufklärung und Verfolgung einer schweren Straftat gedient, hieß es in dem Beschluss. Die Verfassungsbeschwerde sei aber schon deshalb begründet, weil die Wahrscheinlichkeit äußerst gering gewesen sei, dass sich der oder die Entführer so lange nach der Tat bei dem Anwalt meldeten. Wegen mangelnder Erfolgsaussichten sei ein so schwerwiegender Grundrechtseingriff nicht gerechtfertigt gewesen.
Es sei "nicht ersichtlich, weshalb eine Kontaktaufnahme durch die Täter erst und gerade ab Januar 2006 zu erwarten gewesen wäre". Darüber hinaus betonte Karlsruhe die herausgehobene Bedeutung der unkontrollierten Berufsausübung eines Rechtsanwalts zum Schutz des Vertrauensverhältnisses zwischen Anwalt und Mandant. Deshalb hätten hier die Eingriffsvoraussetzungen besonders sorgfältig beachtet werden müssen (Az: 2 BvR 2151/06).
Das Bayerische Justizministerium hatte die Verfassungsbeschwerde in einer Stellungnahme als unbegründet bezeichnet.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 18.5.2007)
Stockender Kita-Ausbau
Den von Dir zitierten Artikel in der SZ hatte ich nicht gelesen. El Masri hatte also schon eine oder mehrere Therapien. Diese war(en) aber scheinbar nicht so erfolgreich. Wenn die Chemie zwischen Therapeut(in) und Patient(in) nicht stimmt, oder der Patient blockiert, der Therapieansatz nichts taugt, oder der Patient an einen der vielen mäßig fähigen Therapeuten gerät, ist kein Erfolg möglich. Eine nicht durchgeführte Therapie soll besser als eine besonders schlechte sein.
Ob El Masri evtl. ein Querulant oder so traumatisiert ist, dass er jetzt keinem mehr traut, auch keiner Therapeutin, ist möglich. Dann würde eine ambulante Therapie wahrscheinlich nicht mehr helfen.
Hallo,
unsäglich die Hetzerei der Bild "Zeitung".
Aber auch laut SZ ( 18.05.2007, 16:49 Uhr) "Trennlinie, Der Fall Khaled el-Masri
Gegenseitige Vorwürfe..." nahm El Masri seiner Therapeutin zufolge ca. alle 2 Wochen (von mir umgerechnet) einen Termin beim Zentrum für Folteropfer war. Die Therapien seien von der Krankenkasse gezahlt worden. Therapeutin und Anwalt waren aber unterschiedlicher Meinung über die Gestaltung der Therapie. Inzwischen hat sich auch sein Betreuer geäußert. Gruß, S.
Noch mal an Stoppelhopser: Mir geht es nicht primär um die Anzahl von Therapien, die E.M. gemacht oder nicht gemacht hat. Der ist für mich nach wie vor ein armes Sch..., der nun of-fenbar ziemlich neben der Rolle ist. Die Geheimdienste der USA haben "Herrn" Innenminis-ter Schilly die Entführung bekannt gegeben und eine Verwechslung eingeräumt. Aber BILD schreibt heute
Folteropfer?
in Gänsefüßchen und mit Fragezeichen. Die USA foltern also nicht. Oder was bringt man da unters Volk?
Was E.M. passiert ist, kann jeder Studentin und jedem Geschäftsmann auf Auslandsreise pas-sieren. Einmal Abgegriffen und verschleppt ist man schon auf Grund dessen verdächtig und wird "befragt". Die Geheimdienste fürchten sich 100mal mehr davor, einen potentiellen Ter-roristen freigelassen zu haben, als einen unschuldigen Bürger 1000mal unter Wasser zu tun-ken oder ihn ein paar Monate in der Hocke in einen kleinen Hundzwinger zu sperren.
Was veranlasst BILD, über El Masri herzufallen und Gewalttaten von enthirnten BILD-Konsumenten geradezu zu provozieren? Darüber sollte man sich mal Gedanken machen.
Jetzt bin ich etwas enttäuscht. Wirklich. Der Link führ zu einem Hetzartikel der BILD mit der Headline
"Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?"
Daneben ein großes Bild von "so einem". Und die Zusatz-"Info" von BILD, ganz am Schluss der Volksverhetzung ist sogar relativiert.:
"Und die verweigerte Psycho-Hilfe für das Folteropfer? Nach Informationen von BILD wurde al-Masri innerhalb der letzten 12 Monate von der zuständigen Krankenkasse gleich viermal eine Therapie bewilligt und bezahlt. "
Nach "Informationen" von BILD, heißt im Klartext, Info aus dritter oder vierter Hand oder direkt vom Redakteur erdacht. Die "zuständige Krankenkasse" wird nicht genannt. Dies ist für BILD unüblich und wird regelmäßig so gemacht, wenn keine nennbare Quelle existiert.
Wenn El Masri Sozialhilfeempfänger sein sollte hat er sowieso keine Krankenkasse. Es zahlt in solchen Fällen direkt das Sozialamt an den Arzt, wie bei Privatpatienten. Wer's nicht glaubt, sollte sich mal kundig machen. (Ist auch unglaublich!)
Wir sollten uns darauf verständigen, keine BILD-Zitate als Beweise anzuführen. Lieber gleich selbst etwas erfinden.
masters: OK! Freue mich, wenn ich mich diesbezüglich bei Dir getäuscht habe.
Grüße
Paging