Festgehaltener Regimekritiker Spanien liefert Doğan Akhanlı nicht an die Türkei aus

Der in der Türkei geborene deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli bei einer Pressekonferenz in Madrid im August.

(Foto: dpa)
  • Der türkischstämmige Schriftsteller Doğan Akhanlı aus Köln wird nicht von Spanien der türkischen Justiz übergeben.
  • Er durfte sich in Spanien, wohin er im Urlaub gereist war, frei bewegen, darf aber erst jetzt das Land wieder verlassen.
  • Sein Anwalt kritisiert trotzdem, dass Akhanlı überhaupt über Interpol gesucht und im Spanienurlaub festgenommen worden war.

Der türkischstämmige Schriftsteller Doğan Akhanlı aus Köln wird von Spanien nicht an die Türkei ausgeliefert. Das teilte das spanische Justizministerium am Freitag in Madrid mit.

Er war im August während eines Spanien-Urlaubs auf Betreiben der Türkei vorübergehend festgenommen worden. Akhanlı kam zwar wieder auf freien Fuß, muss sich aber weiter in Spanien aufhalten und einmal wöchentlich bei den Behörden melden. Sein Pass wurde eingezogen.

Madrids Entscheidung, das Auslieferungsverfahren zu stoppen, bedeutet, dass Akhanlı Spanien verlassen darf. Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte er, er werde am kommenden Mittwoch in seine Heimatstadt Köln zurückkehren. ""Ich bin natürlich erleichtert. Ich habe aber auch nichts anderes erwartet", sagte er der Zeitung zufolge.

Akhanlı ist 60 Jahre alt und seit 2001 deutscher Staatsbürger. Die Türkei hatte ihn über Interpol mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Er steht der Regierung in Ankara kritisch gegenüber. Die Türkei wirft ihm Beteiligung an einem Raubmord vor. Akhanlı bestreitet das und sieht politische Motive hinter dem Auslieferungsantrag.

Bundesaußenminister Gabriel: "sehr erleichtert"

Akhanlıs Anwalt Ilias Uyar schrieb auf Facebook, die Entscheidung sei zwar zu begrüßen, doch sie komme "viel zu spät, um sie als selbstbewussten Widerspruch gegen die Anmaßung der türkischen Regierung zu bewerten". Nach Akhanlıs "Zwangsaufenthalt" in einem fremden Land könne "nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden". Stattdessen müssten die Verfolgung von Kritikern der türkischen Regierung und die Arbeit von Interpol geprüft werden.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte der dpa, er sei "sehr erleichtert" über die Entscheidung. Damit Akhanlı ausreisen könne, müsse jetzt das zuständige Gericht die bisherigen Auflagen noch aufheben. "Ich hoffe, dass dies nun schnell und unkompliziert passiert, sodass Herr Akhanlı nach Deutschland zurückkehren kann."

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