Ferda Ataman "Ich fühle mich ihm verbunden, weil wir eine Heimat teilen"

Ferda Ataman: "Über Integration wird eigentlich nur noch im Zusammenhang mit geflüchteten Menschen gesprochen."

(Foto: imago/photothek)

Wegen eines Artikels von Ferda Ataman nimmt Horst Seehofer nicht am Integrationsgipfel teil. Im Gespräch erklärt die Journalistin, warum er sich nicht ärgern muss und was in der deutschen Heimatdebatte falsch läuft.

Interview von Dominik Fürst

Horst Seehofer nimmt heute nicht am Integrationsgipfel im Kanzleramt teil, zum ersten Mal findet die Veranstaltung ohne den Innenminister statt. Als Grund für seine Absage nennt er einen Artikel von Ferda Ataman, einer Journalistin und Sprecherin der "Neuen Deutschen Organisationen", einem Netzwerk für Vielfalt und Gleichberechtigung von Menschen aus Einwandererfamilien. Seehofer fühlte sich dem Vernehmen nach von Ataman in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt, weil sie schreibt, dass es in der deutschen Heimatdebatte "um Blut und Boden geht".

"Das Heimatministerium ist vor allem Symbolpolitik für potenzielle rechte Wähler", schreibt Ataman, Jahrgang 1979, in dem Text, der in einer Beilage der Amadeu-Antonio-Stiftung in der taz erschienen ist. Sie fordert ein "positives Selbstbild" für Deutschland, das sich bislang vor allem über Abgrenzung definiere. Ataman tritt heute auf der Abschlusspressekonferenz des Integrationsgipfels zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel auf.

SZ: Was halten Sie davon, dass der Innenminister nicht am Integrationsgipfel teilnimmt?

Ferda Ataman: Ich finde es sehr schade. Es nehmen 50 Migrantenorganisationen teil, insgesamt sind da einhundert Leute, und das Thema lautet "Werte, Heimat und Gesellschaft". Wir hätten uns total gefreut, dazu die Ansichten des Heimatministers zu hören und mit ihm zu diskutieren.

Hatten Sie schon einmal persönlich Kontakt zu Horst Seehofer?

Das ist eine gute Frage. Es fühlt sich so an, aber ich glaube nein.

Wie meinen Sie das?

Ich bin ja aus Franken, aus Bayern. Ich begleite ihn sozusagen schon seit Jahren und er ist ja jetzt auch - wie ich - nach Berlin gekommen. Ich empfinde ihn eigentlich schon immer als mir recht nahestehende Person. Aber ich weiß nicht, ob wir uns irgendwann schon einmal in die Augen geguckt haben. Also lautet meine Antwort: Nein, ich glaube nicht. Aber ich fühle mich ihm verbunden, weil wir eine Heimat teilen.

Können Sie Seehofers Ärger über Ihren "Blut und Boden"-Vergleich verstehen?

Kann ich nicht, weil es da keinen "Blut und Boden"-Vergleich gibt, den er persönlich nehmen könnte.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel "Deutschland, Heimat der Weltoffenheit" lässt sich hier in Gänze nachlesen.

Was läuft falsch in der derzeitigen Debatte über Heimat und Integration in Deutschland?

Über Integration wird eigentlich nur noch im Zusammenhang mit geflüchteten Menschen gesprochen. Dabei gab es schon vor 2015 viele Fragen und Themen in dem Bereich. Und ich fände es schade, wenn der Heimatbegriff jetzt als Antwort auf den gefühlten Rechtsruck in der Gesellschaft verstanden wird. Es ist immer ein guter Zeitpunkt über Heimat zu reden. Aber der Begriff hat einen ganz anderen Bezugsrahmen, wenn man jetzt darüber spricht, da die AfD in den Bundestag gewählt wurde.

Was müsste die Kanzlerin tun?

Wir brauchen ein klares Bekenntnis dazu, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, dass es eine vielfältige Gesellschaft hat und dass diese Vielfalt nicht verhandelbar ist. Wir waren übrigens schon immer ein Einwanderungsland. Das ist kein neues Phänomen. Deutschland war schon immer, auch vor dem Krieg, von Migration geprägt. Das ist der Normalzustand und keine neue Ausnahmesituation.

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