FDP: Westerwelle nach dem Wahldebakel Hoffen auf den liberalen Altmeister

Mitglieder des Parteivorstandes planen schon ohne Westerwelle. Ihnen würde eine Rochade im Bundeskabinett auf keinen Fall reichen. Die Überlegung: Brüderle geht, wird ersetzt durch Philipp Rösler, der schon in Niedersachen Wirtschaftsminister war. Als Gesundheitsminister rückt sein Staatssekretär Daniel Bahr nach, der als Landeschef der wichtigen FDP in Nordrhein-Westfalen dringend eine größere Bühne braucht.

Dazu soll Westerwelle angeblich bereit sein. Doch Parteivorstandsmitglieder wie der Baden-Württemberger und Europaabgeordnete Michael Theurer wollen mehr. Er habe Westerwelle gestern empfohlen, "sich auf das Außenamt zu konzentrieren", sagt er zu sueddeutsche.de.

Parteivorstandsmitglied Alexander Pokorny geht weiter. Er hat Westerwelle in der Sitzung gesagt, er glaube nicht, dass der noch die Kraft habe, das Ruder für die FDP herumzureißen. Die inhaltliche Aufstellung der Partei sei das Eine. Glaubwürdigkeit aber sei eine Frage der Personen. Er hat Westerwelle deshalb gebeten, sich genau zu überlegen, ob er im Mai noch einmal antreten wolle. Danach habe ein große Stille im Rund geherrscht.

Nur: Wer könnte den Bundesvorsitz von ihm übernehmen? Brüderle, bis vor einigen Wochen noch heißester Kandidat für eine Übergangslösung, hat sich selbst mit seiner erbarmungslosen Ehrlichkeit in Sachen Atom-Moratorium ins Abseits gestellt. Christian Lindner, 32, ist jetzt nicht viel älter als vor vier Monaten, als er zuletzt genannt und für zu jung befunden wurde. Von Rösler ist bekannt, dass er es zwar könnte, es aber nicht will. Ihm war es schon schwergefallen, überhaupt nach Berlin zu kommen. Und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger würde zwar können und vielleicht auch wollen, gilt aber in der Partei nicht als mehrheitsfähig.

Zudem müsste jemand mit dem nötigen politischen Gewicht gefunden werden, der mit offenem Visier auf Westerwelle zugeht und damit riskiert, sich selbst politisch zu schaden. Königsmörder hatten noch nie einen guten Stand - in keiner Partei.

Jüngere leisten Trauerarbeit

Hinzu kommt: Viele in der Partei sind unter Westerwelle großgeworden. Sie haben ihm einiges zu verdanken. Manch Jüngerer ist wegen Westerwelle überhaupt erst in die Partei eingetreten. "Die Leute müssen erst noch etwas Trauerarbeit leisten", sagt einer aus dem Parteivorstand. Erst dann werden sie erkennen, dass es für die FDP nur eine Zukunft ohne Westerwelle geben kann.

Ohne Königsmörder aber wird es nicht gehen. Zumindest nicht, solange Westerwelle glaubt, es besser zu machen als alle anderen. Davon scheint er nach wie vor überzeugt.

Manche hoffen da auf den liberalen Altmeister Hans-Dietrich Genscher. Genscher gilt als die graue Eminenz der Partei. Ohne ihn wäre Westerwelle nicht Parteichef. Kürzlich erst hat Genscher ihm attestiert, im Außenamt angekommen zu sein.

Das war allerdings vor der Entscheidung Westerwelles, sich im UN-Sicherheitsrat zu enthalten, als es um die Libyen-Resolution ging. Manche werten schon Genschers Schweigen zu diesem Vorgang als einen Affront gegen Westerwelle. Sollte Genscher öffentlich gegen seinen Ziehsohn vorgehen, wäre dies das sichere Ende der Ära Westerwelle. Doch so einfach wird es wohl auch Genscher den Westerwelle-Gegnern nicht machen.