sueddeutsche.de: Zu diesen ordnungspolitischen Grundsätzen scheint zu gehören, dass die FDP mitten in der schwersten Wirtschaftskrise mal wieder den Kündigungsschutz aufweichen will. Passt das in die Zeit?

Anzeige

Rösler: Den Kündigungsschutz zu lockern, passt immer in die Zeit. Es rächt sich in schwierigen Zeiten nur das, was man in guten Zeiten nicht getan hat. Es werden ja auch in der Krise Leute eingestellt. Nur sind es wegen des Kündigungsschutzes viel weniger als möglich wären.

sueddeutsche.de: Wer jetzt einen Job hat, ist froh, dass es den Kündigungsschutz gibt.

Rösler: Die Menschen, die heute keinen Job haben, hätten im letzten Aufschwung auch gerne einen bekommen. Denen hätte ein gelockerter Kündigungsschutz geholfen. Stattdessen wird den Arbeitnehmern eine Sicherheit vorgegaukelt, die es nicht gibt.

sueddeutsche.de: Vielleicht sind es solche Debatten, die es der FDP so schwermachen, ernsthaft über den Wert der Solidarität zu diskutieren, wie sie es vor einem Jahr gefordert haben. Geschweige denn, ihn für sich zu besetzen.

Rösler: Sie widersprechen sich. In diesem Interview haben wir bisher großteils über den Begriff Solidarität gesprochen. Und jetzt sagen Sie, eine Debatte über Solidarität finde in der FDP nicht statt. Immerhin ist erreicht worden, dass wir ab Herbst über ein neues Grundsatzprogramm reden. Vor einem Jahr wollte das keiner.

sueddeutsche.de: Da haben Sie dafür Prügel vom Parteichef einstecken müssen.

Rösler: Hat gar nicht weh getan. Im Ernst: Darum ist es doch gut, wenn wir heute einen guten Schritt weiter sind. Die junge Generation in der FDP schaut jedenfalls nicht tatenlos zu.

sueddeutsche.de: Sie meinen das Buch "Freiheit: gefühlt - gedacht - gelebt", das Sie zusammen mit dem Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, jüngst herausgebracht haben.

Rösler: Das zeigt doch, dass die Debatte über das Werte-Fundament der Partei weitergeht. Das ist nun einmal leider nicht die richtige Zeit für Grundsatzfragen.

Sie sind jetzt auf Seite 4 von 4

  1. "Eine Sicherheit vorgegaukelt, die es nicht gibt"
  2. "Es geht nicht ohne große Steuerreform"
  3. "Ein Stück weit brauchen wir die staatliche Solidarität"
  4. Sie lesen jetzt "Den Kündigungsschutz zu lockern, passt immer in die Zeit"
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/gba)