Nie wieder will FDP-Chef Westerwelle seine Partei als Anhängsel der Union betrachtet sehen. Deshalb lässt er die Koalitionsfrage offen - und riskiert damit, wichtige Wähler zu verlieren.
Guido Westerwelle hat es geschafft. Er wird geliebt, von seiner Partei. Noch mehr als die 95,8 Prozent der Delegiertenstimmen bei seiner Wiederwahl zum FDP-Chef wären ein sozialistisches Ergebnis gewesen. Und mit dem Sozialismus hat Westerwelle nun wahrlich nichts im Sinn. Aber die fast 96 Prozent von Hannover sind mehr als nur Ausweis innerparteilicher Geschlossenheit, die dem Wahlkampf geschuldet sind. Sie sind der Beleg dafür, dass die Partei ihren Vorsitzenden nun wirklich verinnerlicht hat.
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Guido Westerwelle, mit 95,8 Prozent der Stimmen als FDP-Chef wiedergewählt, will seine Partei nie mehr als Anhängsel der Union betrachtet sehen. (© Foto: ddp)
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Seit acht Jahren steht Westerwelle an der Spitze der Liberalen. Den Platz hat er gewollt, er hat ihn sich erkämpft, auch um den Preis von Verletzungen bei sich selbst und bei anderen. Er wurde gewählt, weil er jung, dynamisch und ein rabiater Redner war. Und weil es keine Alternative gab.
Bei seiner ersten Wiederwahl bekam er einen Dämpfer verpasst, er erhielt fast neun Prozentpunkte weniger. Von da an ging es wieder bergauf, aber Murren und Maulen blieben. Westerwelle hat es gewusst, und es hat an ihm genagt. Denn bei aller zur Schau getragenen Distanziertheit möchte auch Westerwelle geliebt werden.
Kaum ein anderer Politiker betont mit solcher Inbrunst, dass er in Umfragen inzwischen auch auf der Skala der Sympathiewerte auf hohe Punktzahlen komme. Vollends glücklich machte ihn, dass Hans-Dietrich Genscher ihn ausdrücklich auch im Namen der anderen FDP-Ikonen Walter Scheel und Otto Graf Lambsdorff zur Wiederwahl vorschlug.
Die Frage ist, wie lange das Glücksgefühl anhält. Das wird vom Wahlergebnis am 27. September abhängen und davon, was Westerwelle daraus macht. Die angestrebte Koalition mit CDU und CSU wäre alles andere als eine Liebesheirat.
Die Beziehung zwischen Westerwelle und Angela Merkel, die vor der Wahl 2005 schon als Verlobte grüßten, hat sich in den Jahren der großen Koalition merklich abgekühlt. Der FDP-Chef ist ziemlich desillusioniert über das politische Programm seiner einstigen Co-Pilotin im Cabrio, das nach seiner Einschätzung wenig mit Grundsatztreue und viel mit Machterhalt zu tun hat. Umgekehrt dürfte auch "der Dame im Kanzleramt", wie Westerwelle neuerdings zu sagen pflegt, klar sein, dass die Liberalen kein pflegeleichter Mehrheitsbeschaffer wären.
Das will Westerwelle der CDU-Vorsitzenden mit seiner Strategie deutlich machen, die konkrete Koalitionsaussage für die Union erst eine Woche vor der Wahl zu treffen. Eine Festlegung schon jetzt ließe der FDP keinen Spielraum mehr für ihre inhaltlichen Forderungen. Und da gibt es Probleme genug. Gerade in der Frage einer Steuerreform, dem Kernpunkt des liberalen Wahlprogramms, hat sich die Union erst am Wochenende wieder von der FDP abgesetzt.
Niemals wieder will Westerwelle seine Partei als Anhängsel der Union betrachtet sehen. Dafür nimmt er in Kauf, dass ihm Wankelmut vorgeworfen wird, wenn er die Ampelkoalition mit SPD und Grünen nicht kategorisch ausschließt. Er geht das Risiko ein, abtrünnige Unionswähler zu verprellen, die mit dem Wechsel zur FDP Schwarz-Gelb sichern wollen.
Er erträgt die Avancen der SPD, die vor allem darauf abzielen, die FDP-Wähler zu verunsichern. Dass eine Ampel zustande kommt, ist wohl so wahrscheinlich, wie Peer Steinbrück Außenminister der Schweiz wird. Gemessen an Programmatik und Polemik müssten alle Beteiligten ein Maß an Flexibilität, man könnte auch sagen Prinzipienlosigkeit, aufbringen, das kaum vorstellbar ist.
Derzeit spricht mehr dafür, dass Union und SPD ihr Bündnis fortsetzen, weil es für Schwarz-Gelb nicht reicht. Die FDP würde es nicht zerreißen. Sie sieht sich gut gerüstet, um eine weitere Legislaturperiode in der Opposition durchzustehen. Und der Vorsitzende müsste sich um sein Amt auch nicht sorgen. Die Liebe der Partei hält gewiss nicht ewig, aber bestimmt über den Wahltag hinaus.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 18.05.2009)
Stockender Kita-Ausbau
Cimex:"Was mich stört und weshalb ich auf Ihren Beitrag eingegangen bin, ist die Meinung vieler, die FDP sei eine Partei für Besserverdiener und deswegen nicht sozial. Ich hoffe zumindest den sozialen Aspekt der liberalen Argumentation aufgezeigt zu haben.."
---.-
fakten wie diese sprechen doch eine deutlichere sprache:
"Das sind die Großspender der deutschen Parteien
...das Geld stammt vor allem von Banken und Wirtschaftsunternehmen. So spendete etwa die Deutsche Bank insgesamt 500.000 Euro je 200.000 an CDU und FDP, den Rest an die SPD. Alle drei Überweisungen fallen ins letzte Quartal 2008. Auch das Bankhaus Sal. Oppenheim gab Geld im sechsstelligen Bereich: Jeweils 100.000 Euro erhielten die CDU und die FDP. Von der Commerzbank bekamen CDU und SPD je 100.000 Euro...
Breiter streute der Allianz-Konzern seine Zuwendungen: Er spendete allen im Bundestag vertretenen Parteien zwischen 50.001 und 60.001 Euro außer der Linkspartei. Sie erhielt als einzige im Parlament vertretene Partei keinerlei Großspenden...."
quelle welt.de
@nicknoris
Selbstverständlich müssen Einkommensstarke größere Verantwortung schultern. Ich glaube aber, dass dies gewährleistet ist. Die Sozialversicherungsabgaben (ingesamt bis zu 22,7%; Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung, Krankenversicherung sowie Werbekosten) werden von dem Jahresabkommen abgezogen. Erst der daraus resultierende Betrag bildet das zu versteuernde Einkommen. Durch die Beitragsbemessungsgrenzen für die Sozialversicherungen ist gewährleistet, dass Einkommensstarke mehr finanzielle Verantwortung schultern.
Natürlich sind die Rechnungen provisorisch und Solms hat ja auch schon angekündigt, dass die von der FDP anvisierte "Steuerstrukturreform" in Schritten über die Legislaturperiode verteilt werden soll (falls die FDP eine solche in möglichen Koalitionsverhandlungen durchsetzen kann).
Was mich stört und weshalb ich auf Ihren Beitrag eingegangen bin, ist die Meinung vieler, die FDP sei eine Partei für Besserverdiener und deswegen nicht sozial. Ich hoffe zumindest den sozialen Aspekt der liberalen Argumentation aufgezeigt zu haben
eine Familie mit 3 Kindern mit 250000 Jahreseinkommen im Jahr dann 55829 Einkommenssteuer. Dazu kommen noch ca. 10.000 Euro Sozialversicherung bei Unselbständigen. Die gesamt Steuer - und Abgabenlast beträgt ca 26 Prozent bei Unselbständigen und 22 Prozent bei Selbständigen, aber nur, wenn bei der Abgeltungssteuer nicht hinterzogen wird.
Resumee: Ein Selbständiger mit 250.000 Euro Einkommen hat eine kaum höhere Steuer- und Abgabemlast als ein 10.000 Euro-Verdiener. Ich finde, solche Schultern können mehr tragen.
@ nicknoris:
nur einige Beispiele:
eine Familie mit 3 Kindern mit 60000 Jahreseinkommen zahlt im Jahr 801 Einkommenssteuer.
eine Familie mit 3 Kindern mit 40000 Jahreseinkommen zahlt im Jahr keinen Euro Einkommenssteuer.
eine Familie mit 3 Kindern mit 100000 Jahreseinkommen zahlt im Jahr 8099 Einkommenssteuer.
eine Familie mit 3 Kindern mit 250000 Jahreseinkommen zahlt im Jahr 55829 Einkommenssteuer.
Wie wenig doch die FDP Geringerverdiener unterstützt.
35 statt 45 Prozent für die Verdienste über 100.000 Euro. Das macht bei einer Million 90.000 Euro Steuerersparnis. Die in Liechtenstein/Schweiz angelegt macht 5000 Euro Zinsgewinn - steuerfrei. Dafür hat der Staat weniger - also umfangreiche Kürzung staatlicher Sozialausgaben.
Das Konzept ist gut für 10 Prozent und schlecht für 90 Prozent der Bevölkerung. Also bekommt die FDP 10 Prozent bei der Bundestagswahl. Alles ist so simpel, auch für Simpel.
Paging