FDP-Parteitag Feige Führung

Philipp Rösler und Rainer Brüderle: Das Wort "Entschuldigung" fiel nicht einmal.

Die FDP hat eine neue Führung. Aber die alte hätte vorher noch eine wichtige Aufgabe gehabt: die verheerende Wahlniederlage aufarbeiten. Stattdessen verweigert sie sich dem letzten Dienst, duckt sie sich weg. Und überlässt der Basis auszusprechen, was ausgesprochen werden muss.

Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Berlin

Die Wahl haben in der FDP viele vergeigt: die Vorstände, die Vizes, die verschiedenen Parteivorsitzenden und natürlich auch der Spitzendkandidat. Erstaunlich, wie wenige von denen sich an diesem ersten Tag der Aufarbeitung auf dem FDP-Sonderparteitag zu Wort melden. Es sind genau zwei: Jetzt Ex-Parteichef Philipp Rösler und der Spitzenkandidat und Chef der vorerst letzten Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle.

Und selbst die zeigen nur auf andere: Auf die Medien, die CDU, auf Angela Merkel, auf die Durchstecher in den eigenen Reihen. Wie kläglich, dass Rösler lieber darüber lamentiert, wie schlecht er von den Medien behandelt worden sei, als darüber, welche kommunikativen und strategischen Fehler er selbst gemacht hat. Erinnert sei nur an seinen Coup, Joachim Gauck gegen Merkel als Bundespräsident durchgeboxt zu haben. Um sich dann über den Klee selbst dafür zu loben.

Brüderle benennt zwar Fehler. Aber den einzigen, zu dem er sich selbst bekennt - die Zweitstimmenkampagne kurz vor der Wahl - hat er gar nicht allein auf den Weg gebracht. Und für falsch hält er sie im Grunde auch nicht. Show bis zum bitteren Ende. Sein unnötiger Machtkampf gegen Rösler, seine mangelnde Sensibilität im Umgang mit Frauenthemen, sein zuweilen peinliches Schweigen zu den Sexismus-Beschreibungen einer Stern-Journalistin. Er hätte wie Rösler genug Grund gehabt, sich ehrlich zu machen.

Warum muss es der neue Chef der Jungen Liberalen sein, der der alten Führung diesen Spiegel vorhält? Punkt für Punkt benennt Alexander Hahn was schief gegangen ist: Das Entwicklungshilfeministerium abschaffen wollen und dann selbst den Minister stellen. Eine Debatte über Westerwelles "spätrömische Dekadenz", dass "es einem die Tränen in die Augen schießen lässt". Die Hotelsteuer als das "erst große liberale Signal". Steuersenkungen die "in vier Jahren Regierungszeit unentschuldigt bis zuletzt nie Realität wurde.

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Und dann kommt noch "unser Spitzenkandidat Rainer Brüderle und sagt: 'Wer Merkel will kann auch FDP wählen'". Hahn spricht aus, was gesagt werden muss. "Wer FDP wählt, der wählt die FDP! Und nicht den nächsten CDU-Bundeskanzler."

Viele andere in der langen Aufarbeitungsdebatte kommen zu ähnlichen Schlüssen.

Nur die, die die vielen Fehler gemacht haben, schweigen. Oder zeigen mit dem Finger auf andere. Ein Armutszeugnis. Wer Ehre für sich beansprucht, der sollte auch in der Lage sein, zu seinen eigenen Fehlern zu stehen, sie zu benennen. Das Wort "Entschuldigung" fiel nicht einmal. Das wäre ein Zeichen von Größe gewesen. Und neben dem eigenen Rückzug aus der aktiven Politik der letzte gute Dienst an ihrer Partei gewesen.