FDP: Kubicki über Plagiatsaffären Koch-Mehrin und das Kavaliersdelikt

Silvana Koch-Mehrin soll EU-Abgeordnete bleiben, fordert FDP-Politiker Wolfgang Kubicki. Deren Plagiatsaffäre tut er als Schummelei ab. Ein anderer Liberaler, der wegen seiner Doktorarbeit in Bedrängnis gerät, geht auf die Plagiatsjäger im Internet los.

Am Wochenende hatte sich bereits die FDP-Spitze vor Silvana Koch-Mehrin gestellt: Sie solle trotz der Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit ihr Mandat im Europaparlament behalten. Koch-Mehrins Abgeordnetensitz stehe "für uns nicht zur Disposition", hieß es aus der FDP-Führung, ohne dass Namen genannt wurden.

Jetzt springt der angeschlagenen FDP-Politikerin auch noch namentlich ein Parteikollege bei: Es handelt sich um Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, der große Auftritte recht gerne hat und meist nicht um einen starken Spruch verlegen ist. Zwar sei die Erschleichung eines Doktortitels kein Kavaliersdelikt, betont Kubicki im Deutschlandfunk. Aber: "Der moralische Rigorismus, mit dem man über Personen herfällt, die geschummelt haben, ist das, was mir auf den Senkel geht." Schließlich handele es sich bei Koch-Mehrins Vergehen nicht um eine Straftat, sondern nur um eine Schummelei.

Koch-Mehrin habe bereits mit der Niederlegung ihrer Führungsämter Konsequenzen gezogen, zudem sei ihr der Titel aberkannt worden. Nach einer Entschuldigung stehe einer weiteren Tätigkeit als Politikerin nichts im Wege, sagte er. Kubicki kritisierte darüber hinaus die Arbeit der Gutachter von Doktorarbeiten. Diese hätten offenbar leichtfertig geprüft, sagte er.

Der FDP-Europaabgeordneten war der Doktortitel am vergangenen Mittwoch aberkannt worden, nachdem eine Kommission der Universität Heidelberg eine Vielzahl von Plagiaten nachgewiesen hatte. Koch-Mehrin hatte anschließend erklärt, der Uni seien die Schwächen ihrer Arbeit seit elf Jahren bekannt gewesen. Die kritischen Ausführungen fänden sich im Erstgutachten des Doktorvaters, der Zweitgutachter habe sich der Kritik ausdrücklich angeschlossen. Die Uni Heidelberg wies dies als haltlose Verteidigungsstrategie zurück.

Zuvor hatten die Sozialdemokraten im Europaparlament gefordert, dass Koch-Mehrin ihr EU-Mandat abgeben solle. "Es wird schwer, das Mandat nach dem Entzug des Titels weiter zu führen. Ich hoffe, dass sie die Konsequenzen zieht", hatte der Fraktionsvorsitzende Martin Schulz (SPD) in der Tageszeitung Die Welt gefordert. Koch-Mehrin werde ihren eigenen Maßstäben nicht gerecht.

Chatzimarkakis beklagt "willkürliche Jagd"

Neben Koch-Mehrin ist auch der FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis ins Visier der Plagiatsjäger geraten. Das Gebaren der anonymen Plagiatsfahnder erinnere ihn an die Tyrannis, "ganz im altgriechischen Sinn: Hier werden Politiker bestimmter Couleur willkürlich gejagt", sagte Chatzimarkakis dem Trierischen Volksfreund.

Chatzimarkakis ist für diesen Montag zu einer Anhörung vor einem Ausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn eingeladen. Am 29. Juni entscheidet der Fakultätsrat der Universität, ob Chatzimarkakis die Doktorarbeit gemäß der damals geltenden Promotionsordnung verfasst hat.

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