In der FDP macht sich die Meinung breit, die Probleme der Partei verschwänden, wenn nur der Chef endlich ginge. Das größte Problem der Liberalen ist jedoch, dass ihnen außer der Forderung nach Steuersenkungen kein Markenkern bleibt.
Matthias Jung, 54, ist Chef der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim.
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Wurzel allen liberalen Übels? In der FDP macht sich die Meinung breit, der Parteivorsitzende Guido Westerwelle sei allein an der Misere der Liberalen schuld. (© dapd)
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Seit einem halben Jahr krebst die FDP in den Umfragen an der Fünf-Prozent-Grenze. Die 14,6 Prozent vor gut einem Jahr bei der Bundestagswahl scheinen längst vergangenen, historischen Zeiten anzugehören. Nach den modernen Mediengesetzen hilft da in unserer ungeduldigen Zeit angeblich nur eins: Rücktritt sofort, besser noch rückwirkend. Dabei würden gerade der FDP etwas mehr diagnostische Bemühungen vor den therapeutischen guttun.
Natürlich ist die aktuelle Krise der FDP nicht unabhängig von der Person Guido Westerwelle zu sehen, der seit fast zehn Jahren als Vorsitzender das Erscheinungsbild der Partei prägt. Gleich zu Anfang dieser Zeit brachte er mit seinem überzogenen Anspruch als Kanzlerkandidat und dem "Projekt 18" im Bundestagswahlkampf 2002 sich und der FDP den Vorwurf fehlender Seriosität ein - Westerwelles FDP war nur noch die Spaß-Partei. Auch wenn dieses Image vordergründig attraktiv für junge, eher politikferne Bevölkerungskreise zu sein schien, verkannte man die Tatsache, dass keine Partei von ihrer Wählerstruktur her so stark dem etablierten Bürgertum verhaftet ist wie die FDP.
Westerwelle versuchte zwar in der Folgezeit dieses Image wieder loszuwerden, er blieb jedoch immer der laute, kompromisslos streitende, die Polarisierung liebende, mit einem messianischen Sendungsbewusstsein daherkommende Oppositionspolitiker. Aber auch dies löste keine große Begeisterung in einem eher konsensorientierten bürgerlichen Milieu mit einer unterentwickelten Streitkultur aus. So fielen seine Imagewerte im Politbarometer selbst zu seinen besten Zeiten eher bescheiden aus.
Schwarz -Gelb gewann 2009 trotz der FDP
Auch andere Parteiführer haben gute und schlechte Zeiten gehabt - auch jemand wie Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl oder Angela Merkel. Aber das Niveau der besten Noten für Westerwelle erreichte gerade mal Werte, die bei den anderen eher zu deren schlechteren zählten. Das wirkte sich besonders stark auf das gesamte Erscheinungsbild der FDP aus, weil spätestens seit der zusätzlichen Übernahme des Fraktionsvorsitzes 2006 die FDP personell fast ganz auf Guido Westerwelle reduziert wurde.
Diese Reduktion erfolgte aber nicht nur im Personellen. Gerade Guido Westerwelle steht auch für eine extreme Reduktion des programmatischen Profils der FDP auf Fragen der Wirtschafts- und vor allem der Steuerpolitik. Selbst als sich aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise die ökonomischen Rahmenbedingungen völlig verändert hatten, war die einzig vernehmbare Botschaft der FDP die vor allem von Westerwelle gebetsmühlenhaft wiederholte Forderung nach Steuersenkungen.
Dabei hatten schon lange vorher die Umfragen deutlich gezeigt, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung Steuersenkungen für unrealistisch hielt und deshalb solche Versprechungen als unseriös einstufte. Zudem hatte schon die Bundestagswahl 2005 gezeigt, dass eine zu starke Reduktion der programmatischen Ausrichtung einer möglichen bürgerlichen Koalition auf neoliberale Positionen nicht mehrheitsfähig war. Insofern kam der Wahlsieg von Schwarz-Gelb 2009 auch nicht dank der FDP zustande, sondern eher trotz ihrer mehrheitsbedrohenden Programmatik.
Verblendet durch das beste Ergebnis in ihrer Geschichte war die FDP noch weniger als in der Vergangenheit zu einer nüchternen und realistischen Lageanalyse fähig. Daher wählte sie schon in den Koalitionsverhandlungen eine Strategie, die die wesentliche Ursache nicht nur ihrer eigenen Misere, sondern auch des Fehlstarts der angeblichen schwarz-gelben Traumkoalition war.
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Soll die FDP wieder hoch geschrieben werden wie die gefakte Umfrage zur CSU bei 45%?
Es hat ja keiner gesagt das bei anderen Umfragen die FDP unter2% lag und die CSU unter 38%!!
"So gesehen diente ihm die FDP immer nur als Hilfsmittel, seine eigenen Komplexe zu kompensieren."
Wie wahr, wie wahr. Und deshalb wird auch das Dreikönigstreffen wieder nur seiner Grandiosität dienen. Er wird demonstrieren wollen, was für ein toller Hecht er doch ist, und wenn er dann Lindner, Rösler und Co. für ihre Treue dankt, werden ihm, wie letztes Jahr, die Tränen in den Augen stehen. Das wird ganz großes Kino.
sondern die Unfähigkeit Politik zu machen. Der Wirtschaftsminister Gähn und der Aussenminister naja. Was ist da liberale Politik? Wo ist der Staat schlanker oder bürgerfreundlicher geworden. Die Steuersenkung für Hoteliers hat keiner verstanden. Dass die "Gattin" von Herrn Westerwelle im Regierungtross mitreist um Geschäfte zu machen, stärkt auch nicht gerade das Vertrauen. Der Gesundheitsminister eignet sich im besten Falle zu einer Schiessbudenfigur. Als Minister ist er eine klassische Fehlbesetzung. Zudem ist er Bundeswehrarzt und würde dringend an der Front benötigt, zumal er ja auch auf Bundeswehrkosten studiert hat. Ich denke wir verteidigen Deutschland am Hindukusch ( richtig bei Geographie habe ich wohl gefehlt, da mir bislang nicht bekannt war, dass Deutschland am Hindukusch auch eine Grenze hat, aber man lernt ja nie aus.)
Nein sowohl die Union als auch die FDP haben eine der schlechtesten Figuren als Regierung gemacht, seit es die BRD gibt. Das kann man unverhohlen sagen. Danach streiten sich wohl die Regierung Schröder und Kohl um den 2. Platz der Regierungzitronen.
Das ist das Problem der FDP: Eine ordentliche Regierungsarbeit machen und die Wahlversprechen konsequent umzusetzen. Nicht nur Steuergesetze sondern eine grundlegende Reform. Und das sollte mit oder ohne Westerwelle möglich sein. Ihn jedoch alleinig dafür verantwortlich zu machen ist unfair.
Derzeit bedingen sich Westerwelle und die FDP gegenseitig.
Die FDP hat sich in den letzten Jahren zu selbst zu einer Westerwelle-Fangruppe reduziert. Kritische oder eigenständige Geister wurden entweder kaltgestellt, herausgeekelt oder haben sich freiwillig verabschiedet. Dafür wurde die Partei zur Sammelstelle für Leute, die mit geringem Eigenaufwand schnell politische Karriere machen wollten - und auch konnten. Echte "Leistungsträger" oder kompetente Fachleute waren da nicht dabei.
Andererseits hat auch Westerwelle die FDP für sich persönlich genutzt. Wer sein Verhalten in Gestik und Mimik beobachtet oder seine Aktivitäten im Laufe seines politischen Lebens beobachtet, stellt doch schnell fest, dass es ihm in erster Linie um sich selbst geht. Die Versuche, sich permanent in den Vordergrund zu spielen, sind ja schon aus seinen Schulzeiten bekannt. So gesehen diente ihm die FDP immer nur als Hilfsmittel, seine eigenen Komplexe zu kompensieren.
dann muß man eines würdigen. Die FDP hat lediglich ERST durch die große Koalition in den Umfragen dazugewonnen. Pünklich zur Machtübernahme Merkels. Ohne die inzwischen rechtsgerichtete SPD, die eine sich anbietende Linkskoalition gar nicht wollte, konnte kaum eine andere Oppostionspatei so sehr von den großen Koalition profitieren wie die FDP. Wenn die veröffentlichte Meinung und somit herrschende Meinung in Deutschland im Schnitt weit nach rechts rutscht, und linke politische Inhalte in die Schmuddelecke gedrängt werden, dann erscheinen pseudoliberale Spücheklopfer als die Rettung. Damit wurde die FDP zur reinen populistischen Protestpartei schlechthin. Doch für unsere medialen Auguren und Politikwissenschaftler war das ja die LINKE. Obwohl sie kaum profitierte. Irrenhaus Deutschland.
Und heute wollen uns diese Auguren weißmachen, die Grünen seien so etwas wie das neue Protestlersammelbecken sogenannter Wutbürger.
Ich lach mich schon schlapp, denn 2013 werden unsere Auguren der zu herrschenden Meinung wie 2005 wieder gegen Links trommeln, weil es weder zusammen für die Hartz und Bionade Parteien reicht und gleichzeitig die Spaßpartei mit Merkels Volksverhetzerpartei zusammen auch nichts mehr reißen kann.
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