Wie ein Tourist in kurzen Hosen: Guido Westerwelle attackiert Gegner und Koalitionspartner. Angesichts der vielen Regierungspannen seiner Partei ist das nicht politisch, sondern polemisch - und schadet der liberalen Partei.
Nein, man braucht wirklich keinen "Neuanfang des Sozialstaates", nur weil Guido Westerwelle gerade mal wieder die Felle davonschwimmen. Sein Geschwätz über Dekadenz und Sozialismus hat vor allem damit zu tun, dass Westerwelle entgegen seiner Natur und entgegen der politischen Vernunft die ersten Wochen in der neuen Regierung de facto zu innenpolitischen Dingen geschwiegen hat.
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Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ist mit rauchenden Colts in die Innenpolitik zurückgekehrt. (© Foto: Reuters)
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Er war zu sehr damit beschäftigt, sich und der Welt zu beweisen, dass er Außenminister kann.
Schrille Auseinandersetzung mit Feindbildern
Auch weil die Reputation der schwarz-gelben Koalition nahezu zerbrochen ist, bevor sie überhaupt Ansehen entwickeln konnte, ist Westerwelle nun mit rauchenden Colts als regierender Oppositionschef in die Innenpolitik zurückgekehrt. Er hat ein moderates Urteil des Verfassungsgerichts zum Anlass genommen, sich mit jenen Feindbildern, die er seit Jahrzehnten pflegt, zunehmend schriller auseinanderzusetzen.
Anders als er insinuiert, ist die Zahl derer, die keine deutlichen Unterschiede zwischen Transferzahlungen und Arbeitslohn haben wollen, sehr gering in Deutschland. Sicher, es gibt politische Konflikte, ob man diesen nötigen Unterschied durch gesetzliche Mindestlöhne fördern soll oder nicht. Auch die Höhe des Satzes der Grundsicherung ist umstritten. Wegen solcher Differenzen aber Gegner und Koalitionspartner mit feindseliger, zum Teil dumpfer Rhetorik zu überziehen, ist nicht politisch, sondern polemisch.
Symbol für vergeigte Tage
Wenn solchem Krawall gutes Regieren gegenüberstünde, wäre es nicht ganz so schlimm. Die verkorkste Steuersenkung für Hotelübernachtungen aber wird mittlerweile auch in Teilen der FDP, ganz zu schweigen von der CDU, als ein Musterbeispiel dafür gesehen, wie man es nicht machen soll.
Sie ist Symbol geworden für hundert vergeigte Tage. Wegen Westerwelles jüngster Attacken steht die FDP nun innenpolitisch wie ein Tourist in kurzen Hosen da: große Klappe, aber selbst nichts auf die Reihe bringen. Das - und nicht zu viel Kompromisslertum - ist die Ursache, warum die FDP in den Umfragen so abgestürzt ist.
Der FDP als mitregierender Partei fehlt vieles. Sie verfügt nicht einmal über den Geist, gemeinsam in einer Regierung etwas erreichen zu wollen, was sich daran zeigt, dass fast alle FDP-Menschen nicht für die Regierung denken und sprechen, sondern nur für die FDP in der Regierung. Das ist so beim Egozentriker Westerwelle, aber auch bei der nur nach innen agierenden Fraktionschefin Homburger, bis hinab zum zwar stellvertretenden Regierungs-, aber eigentlich Parteisprecher Steegmanns.
Aufruf zur Besinnung
Das Unbehagen über den Kurs, der die FDP beutelt, macht sich auch am Vorsitzenden fest. Gewiss gehört der FDP-Vize Pinkwart nicht zu jenen Politikern, die man stets ernst nehmen müsste. Trotzdem sollte Westerwelle Pinkwarts Forderung nach Macht- und Präsenzteilung als das nehmen, was es ist: ein Aufruf zur Besinnung und jedenfalls zum Wiederanlegen der langen Hosen.
Im Video: FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle hat eine Generaldebatte im Bundestag zur Hartz-IV-Gesetzgebung gefordert.
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(SZ vom 15.02.2010/holz)
Nur manche sind gleicher. Einer davon ist Westerwelle.
Muss sich der Mann Gedanken über seine Altersversorgung machen, über Gesundheitskosten?
Er nicht und das gesamte Landes und Bundeskabinett nicht.
Er hat schon recht,
90 % der Bevölkerung sind die Deppen der Nation.
Die restlichen 10 % sind nicht MdL oder MdB, aber sie sind durch diese Connection, oder durch Erbe reich geworden.
Sie haben nicht verstanden was ein "sozialer" Rechtsstaat und Soziale Markwirtschaft bedeutet, da hat die Schule wohl nicht funktioniert. Warum sind sie nicht in Bulgarien oder Bangladesh, da haben sie mit den niedrigen Löhnen auch den passenden Lebensstandard. Viel Spass...
des roten Revolverblatts SZ.
Natürlich sollten auch alle Personalausgaben und Renten - nicht nur in den Ministerien, sondern über die gesamten öffentlichen Angestellten - transparent gestellt werden, d.h. in klarer Aufstelllung der Netto-Bezüge. Nur daraus kann ein guter Vergleich darüber angestellt werden, wie sich das im Verhältnis zu den Bürgern vrhält, die nicht öffentlich angestellt sind.
Alle Ausgaben in transparenter Form auf den Prüfstand!
der Etat des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sieht im laufenden Jahr hierfür 38,71 Milliarden vor + 15,8 Milliarden für Unterkunft, die sich Bund und Länder/Kommunen teilen - Bundeszuschuss 23 % davon.
Die Grundsicherung bekommen übrigens auch Rentner und Menschen, die dauerhaft erwerbsgemindert sind.
Wo geht der Rest der 148 Milliarden des Haushaltes hin?
Zuschuss zu Kurzarbeitergeld und Arbeitslosenversicherung 24 Mrd.
Zuschuss zur Rentenkasse 81 Mrd.
Kriegsopferversorgung 2 Mrd.
Versorgung von Beamten und Richtern 32,7 Mrd.
Hm. Das sind mehr als 148 Mrd. Da wird wohl auf der Seite des Ministerium was doppelt aufgeführt. Schäuble spricht in seiner Rede von 176,7 Mrd. allerdings zählt er auch Erziehungs- und Elterngeld dazu.
Die haben vielleicht ein Berichtswesen! Undurchsichtig ist noch vorsichtig formuliert.
Übrigens zum Vergleich:
Die Personalausgaben des Bundes belaufen sich auf 28 Mrd. + 16,1 Mrd. für "flexibilisierte Verwaltungsausgaben", wenn man jetzt noch die Versorgungsansprüche dazurechnet, die im Haushalt des Arbeitsministeriums angesiedelt sind, ist das mehr als wir für die Grundsicherung ausgeben.
Tscha. Vielleicht sollten wir nicht nur eine Diskussion darüber führen, ob wir Menschen vor die Wahl stellen, arbeiten, sterben oder kriminell werden, sondern auch mal eine intensive Debatte über die Personalkosten. Ganz besonders im Bereich der Ministerien.
Paging