Familienpflegezeit Zwang zur Pflege

Auch Familienministerin Schröder kann etwas richtig machen: Als sie die Familienpflegezeit einführte, hat sie einen guten Weg eingeschlagen. Doch leider ist ihr auf halber Strecke die Puste ausgegangen. Immer flexi, immer freiwillig: Das kann nicht funktionieren.

Ein Kommentar von Ulrike Heidenreich

Die Rechnung ist einfach: Je mehr Pflegebedürftige in einer schrumpfenden Gesellschaft zu versorgen sind, desto weniger Geld ist für den einzelnen da. Die Bundesfamilienministerin hat eins und eins zusammengezählt und im Wettlauf mit dem demografischen Wandel den richtigen Weg eingeschlagen - mit dem Start der Familienpflegezeit. Das muss man Kristina Schröder anrechnen.

Auf halber Strecke aber ging ihr die Puste aus. Das Angebot ist so unattraktiv, dass es nur eine Handvoll Deutsche annehmen. Immer flexi, immer freiwillig - so funktioniert es nicht.

Das Projekt scheiterte schon zu Beginn am Widerstand aus der Industrie; sie weigerte sich, die Familienpflegezeit obligatorisch einzuführen. Wenn ein Engagement aber freiwillig ist, fehlt die positive Resonanz in den Betrieben.

Auch ist das Modell mit maximal zwei Jahren Laufzeit zu kurz gedacht. Ein Mensch muss im Durchschnitt acht Jahre lang gepflegt werden. Wer kümmert sich weiter, wenn man schon nach einem Viertel der Zeit auf die alte Stelle zurückkehren muss?

In zehn Jahren wird es in Deutschland 3,4 Millionen Pflegebedürftige geben, eine Million mehr als heute. Die Strategie, die häusliche Pflege zu unterstützen, um Pflegeheime zu entlasten, kann nur aufgehen, wenn Unternehmen strikt verpflichtet werden. Sie müssen Zeitmodelle möglich machen, damit ihre Mitarbeiter ohne Stress und mit Hingabe pflegen können.