Die Forscher widersprechen vehement. Es sei überhaupt nicht erwiesen, "welchen Stellenwert Religion im Alltag bzw. im Handeln" von Familien gespielt habe, in denen Zwangsverheiratungen vorkommen. Es sei "durchaus möglich und wahrscheinlich", dass andere Faktoren als der religiöse Hintergrund zentrale Rollen spielen.
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Religion und Zwangsehe bildeten lediglich eine "Scheinkorrelation" ab. Das wäre so, als würde jemand behaupten, der christliche Glaube legitimiere den sexuellen Missbrauch an Kindern, weil es in kirchlichen Kreisen zu einer Häufung von Fällen gekommen sei.
Das Fazit der Beiratsmitglieder: Ihr Anspruch, mit der Studie keine Basis für "antiislamische Propaganda" bieten zu wollen, sei mit Schröders "sehr eigenwilliger bzw. tendenziöser Darstellung der Religionszugehörigkeit" kaum in Einklang zu bringen. Schröder gebe ihnen "das Gefühl, hinters Licht geführt worden zu sein".
Ein Ministeriumssprecher wies sämtliche Vorwürfe zurück. "Schon der Versuch einer Zwangsverheiratung ist strafbar, deshalb müssen die angedrohten und vollzogenen Zwangsverheiratungen selbstverständlich in einem traurigen Kontext gesehen werden", heißt es in einer schriftlichen Positionierung. Die Studie spreche nicht ohne Grund in ausdrücklicher Absprache mit den Wissenschaftlern von einer "Bruttogröße" und betone, dass Gewalt "nicht erst der Vollzug", sondern "schon die Androhung von Zwangsverheiratung ist".
Das Ministerium gehe überdies davon aus, "dass die Wissenschaftler alle Daten und Zahlen selbstverständlich wissenschaftlich belastbar erhoben haben". Dass jetzt einige Beteiligte versuchten, bestimmte Forschungsergebnisse mit Hinweis auf Erhebungsmethoden zu relativieren und den Beratungsstellen "unsaubere Dokumentationen" vorzuwerfen, "wird der menschlichen Trägodie, die hinter jedem dieser Fälle steckt, leider nicht gerecht".
Monika Schröttle, eine der Beiratswissenschaftlerinnen und Expertin für Gewalt gegen Frauen, bleibt bei ihrer Kritik. Sie hält Schröder vor, ein Thema "prominent zu fahren", von dem niemand derzeit sagen könne, ob es überhaupt einen Zusammenhang gebe. Die aktuelle Studie jedenfalls halte keinen Beleg parat. "Es gibt momentan keinen Hinweis darauf, dass die Religion eine zentrale Rolle spielt", sagte sie zu sueddeutsche.de. Zwangsehen seien vielmehr als eine Facette der Gewalt gegen Frauen anzusehen. Und da seien meist die innerfamiliären Strukturen entscheidend.
Schröttle weist darauf hin, dass selbst wenn die überwiegende Zahl der Ratsuchenden in Sachen Zwangsehe Muslime seien, dies gar nichts bedeute. Denn andersherum könne festgehalten werden, dass in den allermeisten muslimischen Familien keine Zwangsverheiratungen stattfinden.
Es ist nicht das erste Mal, dass Schröder für Kopfschütteln in der wissenschaftlichen Welt sorgt. Kurz nach ihrer Vereidigung Ende 2009 kam Kritik an ihrer Doktorarbeit auf, die manche Professoren als "klassische Typ-B-Arbeit" bezeichneten. Eine Arbeit also, deren Ergebnis - der Doktorgrad - in erster Linie der eigenen Karriere dienlich sei, aber wissenschaftlich von eher überschaubarem Wert.
Im hessischen Landtagwahlkampf 2008 behauptete Schröder, es gebe eine Zunahme "deutschenfeindlicher Gewalt" von Ausländern. Auch damals fehlinterpretierte sie dafür wissenschaftliche Befunde, in diesem Fall jene des angesehenen Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer. Der bewertete Schröders Deutungen als Missbrauch seiner Arbeit. Es gebe keine Untersuchung, die belege, dass eine durch Hass auf Deutsche motivierte Gewalt zunehme.
Schröder, die damals noch Köhler hieß, klärte den Widerspruch auf ihre sehr eigenwillige Art auf. In einem Fernsehinterview sagte sie: "So ist das in der Wissenschaft. Jeder zieht seine eigenen Schlussfolgerungen."
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(sueddeutsche.de/mcs/gba)
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Endlich ein erfreulicher Bericht zu der aktuellen "Zwangsheirat-Debatte"! Ich schätze es sehr, dass Behauptungen und Zahlen richtig gestellt und das verzerrte Bild der Muslime - ausgelöst durch die Falschinterpretationen der Studienergebnisse durch Frau Schroeder - zurecht gerückt werden. Vor allem den beteiligten Wissenschaftlern gebührt Dank fur die Korrekturen. Ich als Muslima wuensche mir, dass man ihrem Beispiel folgt und den Mut hat, den Zeigefinger zu heben und zu kritisieren, selbst wenn es um Fehler geht, die sich gut „verkaufen“ lassen. Wo kämen wir denn hin, wenn Aussagen wie die von Frau Schröder in ihrem Gastbeitrag in der FAZ einfach so stehen gelassen würden? Ich stimme dem wissenschaftlichen Beirat zu, dass „eine Erhebung der Religionszugehörigkeit Anlass für Missverständnisse, Fehldeutungen oder problematische Zuschreibungen werden könnte". Ich empfehle den folgenden Beitrag einer muslimischen Journalistin, die die Debatte auf den Punkt bringt: http://www.khola.de/blog/studie-zur-zwangsverheiratung/
ist das doch alles Korinthenkackerei. Dort ist man im Oberstübchen zu schlicht, um jemals das eigene Unvermögen zu erkennen. Selbstherrlicheit und Unfehlbarkeit ersetzen Demut und Selbstkritik.
Die gefühlte Elite und ihr dumpf tümelndes Rattenvolk.
Wenn man sich dran erinnert, wie sie sich damals danach drängten gegen Ausländer auf der Strasse unterschreiben zu dürfen, als ihr Koch (Spitzname Hessenhitler) die Mehrheit verteidigen musste.
Es hat sich dort nichts verändert. Es ist immer die gleiche alptraumhafte Hirnsuppe, aus der nichts gutes kommt.
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/familienministerin-blamiert-sich-mit-eigener-studie/v_detail_tab_print,5904606.html
Hat man sich doch hier noch nett ausgedrückt.
Der Erkenntnisgewinn aus Studie und Aufsatz ist irgendwie - na, wie sagt man - dürftig?
Und der SZ-Artikel trägt nicht dazu bei, dies zu ändern.
Interessant fände ich, zu erfahren, wie Frau Schröder "manche traditionellen Wurzeln endgültig" durchtrennen möchte? Soll das Grundgesetz geändert werden? Religionsfreiheit canceln?
Hier sei eine Frage gestattet: Ist ernsthaft jemand davon überzeugt, dass die Religionszugehörigkeit die ausschlaggebende Variable ist, die es zu verändern gilt? Da liegt der Hase doch wo anders im Pfeffer und dort liegt eben auch noch die Religionszugehörigkeit? Aber die Darstellung von Frau Schröder kann man, wenn man geneigt ist, schon falsch verstehen wollen, und hastenichgesehen wird daraus "...die Moslems sind fast alle Zwangsverheiratet..." Man muß es nur auch falsch verstehen wollen...
Aber das beste ist ja, dass ich seinerzeit unter einen Artikel der hier veröffentlicht wurde geschrieben habe, ob denn der Autor überhaubt den Bericht gelesen hat.
In dem Artikel stand nämlich u.a., dass in Deutschland "jährlich über 3000 Zwangsverheiratungen vollzogen werden".
Nochmal: WER LESEN KANN IST KLAR IM VORTEIL.
Das gilt für Ministerinnen genauso wie für Jounalisten.
Schönes Wochenende.
Paging