Falscher Doktor in Nordrhein-Westfalen Rüttgers neuestes Problem

Dieter Jasper, der falsche Doktor von der CDU, wird zunehmend zum Problem für NRW-Landesvater Jürgen Rüttgers. Die SPD schießt sich nach neuen Details jetzt auf Arbeitsminister Laumann ein.

Von Thorsten Denkler

Den falschen Doktor hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Dieter Jasper längst aus seinem Lebenslauf gestrichen. Möglicherweise aber muss der umstrittene Titelfälscher daran bald weitere Korrekturen vornehmen.

Dieter Jasper warb im Bundestagswahlkampf in seinem Heimatwahlkreis Steinfurt III mit seiner angeblich umfassenden Wirtschaftskompetenz. Dazu gehörte etwa sein Doktor der Wirtschaftswissenschaften - den er sich allerdings 2004 an einer berüchtigten Titelmühle in der Schweiz gekauft hatte. Dazu gehört seine Arbeit als kaufmännischer Angestellter im väterlichen Betrieb, einem Metallbauunternehmen, das vor allem Güllebehälter zusammenschweißt.

Und dazu gehört, in jedem Lebenslauf Jaspers nachzulesen, eine offenbar zweijährige Zeit bei der Unternehmens- und Personalberatung Kienbaum in Düsseldorf.

Der Herr Praktikant

Ausweislich seiner persönlichen Homepage und der biographischen Angaben auf den Seiten des Deutschen Bundestages war Jasper von 1989 bis 1990, also bis kurz vor Abschluss seines Wirtschaftsstudium an der Uni Münster, für Kienbaum tätig. Kienbaum ist eine der Topadressen, wenn es in Deutschland um Unternehmensberatung geht.

Zwei Jahre Kienbaum - das müsste doch Spuren hinterlassen haben. Doch bei Kienbaum in Düsseldorf erinnert man sich nur vage an einen gewissen Dieter Jasper. Und der war nicht von 1989 bis 1990 sondern lediglich vom 13. März 1989 bis 16. Juni 1989 im Unternehmen - als Praktikant, wie ein Sprecher des Unternehmens sueddeutsche.de bestätigt.

Der Sprecher wollte zwar nicht ausschließen, dass Jasper danach noch als freier Mitarbeiter tätig gewesen sei. Doch ungewöhnlich findet auch er, dass Jasper in seinem Lebenslauf nicht auf seinen damaligen formalen Status hinweist. Schließlich sei Kienbaum eben auch ein Personalberatungsunternehmen. Korrekte Angaben im Lebenslauf seien hier oberstes Gebot. Jasper selbst will sich überhaupt nicht mehr zu seiner Person äußern.

Aufatmen im Münsterland

Seinen Fall konnten seine Parteifreunde im CDU-Kreisverband Steinfurt bisher noch mit Mühe lokal begrenzen. Am Donnerstag erklärte Bundestagspräsident Norbert Lammert, dass er eine Wahlprüfung in Jaspers Wahlkreis nicht zulassen werde. Es sei nicht nachweisbar, dass der falsche Doktortitel ausschlaggebend für die Wahlentscheidung der Bürger im von Jasper mit 2000 Stimmen denkbar knapp gewonnen Wahlkreis war. Da atmeten viele in der Kreis-CDU auf.

Nach dieser neuerlichen Volte aber gerät auch das wichtigste Zugpferd im Wahlkampfstall von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) langsam unter Beschuss. NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann ist Chef des CDU-Kreisverbandes Steinfurt und somit parteipolitisch gesehen Jaspers direkter Vorgesetzter. Ohne sein Plazet wäre Jasper sicher nicht Bundestagskandidat geworden.

Der Generalsekretär der SPD in Nordrhein-Westfalen Michael Groschek bläst schon mal zum Angriff: "Nachdem der Bundestagpräsident Neuwahlen ablehnt, ist das jetzt ein Fall für uns", sagte Groschek entschlossen zu sueddeutsche.de. Die CDU spiele hier wie auch schon in der Sponsoring-Affäre mit "gezinkten Karten". Jasper müsse umgehend zurücktreten. Das sei ein "Gebot der Fairness und des Anstandes". Was ihn aber befremde sei das Verhalten von Karl-Josef Laumann. Der spiele in Rüttgers Mannschaft sonst die ehrliche Haut. Jetzt aber habe er offenbar "nicht die Kraft, Herrn Jasper zum Rücktritt zu drängen".

Herausragende Wirtschaftskompetenz?

Laumann selbst will sich auf Anfrage von sueddeutsche.de dazu nicht äußern und verweist auf seinen Kreisgeschäftsführer Johannes Machill. Auch für ihn kam die neueste Unstimmigkeit in Jaspers Lebenslauf überraschend. Jedenfalls sei auch im Kreisvorstand nicht bekannt gewesen, dass er lediglich als Praktikant bei Kienbaum gewesen sei. Eine herausragende Wirtschaftskompetenz, wie im Wahlkampf nach außen getragen, lässt sich daraus jedenfalls nicht ableiten.

Es kann jetzt also durchaus als Absetzbewegung gewertet werden, wenn Machill gegenüber sueddeutsche.de erklärt, es sei jetzt an Jasper, die Sache aufzuklären. Jasper in Schutz zu nehmen, dafür fehlt dem Kreisvorstand inzwischen wohl die Kraft.

Und es wird wohl noch schlimmer kommen. Nämlich dann, wenn in der nächsten Zeit die Staatsanwaltschaft Münster ihre Prüfungen abgeschlossen hat und eine Ermittlungsverfahren gegen Jasper wegen Titelmissbrauchs einleitet. Dann könnte der Fall Jasper zu einem echten Wahlkampfthema in Nordrhein-Westfalen werden.