Nach dem Fund von Spuren des radioaktiven Stoffes Polonium 210 in Norddeutschland hat die Sonderkommission "Dritter Mann" nun Unterstützung aus London erhalten.

Am Vormittag traf ein Beamter von Scotland Yard in Hamburg ein, der an den Ermittlungen rund um den Giftmord am russischen Ex-Agenten und Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko beteiligt ist.

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"Er soll auch künftig unser Kontaktmann in dem Fall sein", sagte ein Polizeisprecher. Litwinenko war am 1. November im Londoner "Millennium"-Hotel mit Polonium vergiftet worden. Er starb drei Wochen später an den Folgen im Krankenhaus.

Die deutschen Behörden wollen in erster Linie die Rolle des russischen Ex-Agenten und Geschäftsmannes Dmitri Kowtun aufklären, der die radioaktiven Spuren in Hamburg und im Kreis Pinneberg hinterlassen haben soll. Nach den bisherigen Ermittlungen war Kowtun am 28. Oktober von Moskau nach Hamburg geflogen.

Am 1. November flog er zu dem Treffen mit Litwinenko nach London, an dem auch der Ex-Geheimdienstler und Geschäftsmann Andrej Lugowoi teilnahm. Kowtun und Lugowoi leiden nach russischen Medienberichten inzwischen an Strahlenerkrankung und werden in Moskauer Kliniken behandelt.

Die Polizei setzte am Montag die Untersuchung mehrerer Wohnungen in Hamburg-Ottensen und eines Anwesens im Kreis Pinneberg fort. Dort hatte sich Kowtun vor dem Treffen mit Litwinenko aufgehalten. Unter anderem hatte er in der Wohnung seiner Ex-Frau in einem Wohnhaus in Hamburg-Ottensen übernachtet, wo die Polizei radioaktive Spuren auf einem Sofa entdeckte. Die Feinuntersuchung des schon am Wochenende evakuierten Gebäudes wurde am Montag fortgesetzt.

Noch keine Resonanz aus Russland

Die Feinuntersuchung der Sonderkommission nach begann am Montag auch auf einem Anwesen in Haselau im Kreis Pinneberg. Auch dort waren bei ersten Messungen Alpha-Strahlen entdeckt worden, die bei radioaktivem Zerfall entstehen. Schon am Vortag hatten Beamte der Sonderkommission ein von Kowtun benutztes Auto untersucht.

Die Sonderkommission wartete unterdessen auf Kontakte zu den russischen Behörden. Diese hatten sich bisher nicht zu Fragen nach dem Aufenthaltsort Kowtuns geäußert. "Da gibt es noch keine Resonanz", sagte ein Sprecher der Polizei am Montag.

Die Bundesregierung hat in dem Fall "keine eigenen Erkenntnisse". Die zuständigen Ermittlungsbehörden gingen bestehenden Verdachtsmomenten "mit großem Nachdruck" und akribisch nach, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Die Bundesregierung habe zudem "großes Vertrauen" in die Aufklärungsarbeit der britischen Ermittler und in die Kooperationsbereitschaft der russischen Behörden, betonte er.

Die russischen Ermittler im Litwinenko-Fall wollen unterdessen zum Ende der Woche zu eigenen Untersuchungen nach London reisen, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Die russischen Fahnder wollten in London vor allem den exilierten Oligarchen Boris Beresowski und den tschetschenischen Politiker Achmed Sakajew vernehmen, berichteten britische Zeitungen.

Beresowski und Litwinenkos Witwe Marina wollten sich nur von den Russen befragen lassen, wenn die britische Seite für ihre Sicherheit sorge.

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(dpa)