Deutschen Ermittlern ist im Entführungsfall Khaled el-Masri offenbar ein wichtiger Zeuge entgangen: Der Mann, der offenbar in demselben Gefängnis wie Masri in Afghanistan untergebracht gewesen war, hatte sich als Zeuge angeboten.
Deutschen Ermittlern ist im Entführungsfall Khaled el-Masri offenbar ein wichtiger Zeuge entgangen. Nach Angaben von Masris Rechtsanwalt Manfred Gnjidic hatte sich im Sommer 2004 ein gebürtiger Jemenit namens "Ali" angeboten, in dem Strafverfahren auszusagen.
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Der Mann sei in demselben Gefängnis wie Masri bei Kabul in Afghanistan untergebracht gewesen, dort habe er mit dem deutschen Entführungsopfer Telefonnummern getauscht. Nachdem Masri Ende Mai 2004 nach Deutschland zurückgekehrt war, habe sich der Mann telefonisch gemeldet und angeboten, über das Gefängnis und über die Täter auszusagen, die Masri und ihn in Afghanistan gefangen gehalten und verhört hätten.
Masri ist vom US-Geheimdienst CIA Anfang 2004 nach Afghanistan entführt worden. Die US-Regierung soll dies als Fehler eingestanden haben.
Gnjidic riet der Polizei im Juni 2004 nach eigenen Angaben, den Zeugen zu vernehmen. Die Polizei hatte Ermittlungen aufgenommen, nachdem sie vom Auswärtigen Amt gebeten worden war, den Fall zu klären.
Die Staatsanwaltschaft München, die seit Juli 2004 die Ermittlungen führt, will zu dem Umgang mit Ali keinen Kommentar abgeben. Es handle sich um Details aus einem laufenden Verfahren, hieß es. Anfang September 2004 erfuhr der Anwalt auf Nachfrage bei der Polizei, die Sache mit dem Zeugen sei "liegen geblieben".
Zwischenzeitlich hatte die Polizei bereits Masris Geschichte für glaubwürdig befunden und ein Isotopengutachten veranlasst, das später mittels Haaranalyse belegte, dass Masri tatächlich verschleppt wurde. Ende Oktober sprach Gnjidic das Thema erneut an.
Er riet der Polizei, den Zeugen unter einem Vorwand einzufliegen, um ihn in Deutschland befragen zu können. "Ali", der damals in Somalia lebte, sollte damit geschützt werden. Der Anwalt riet dazu, ein Geschäft vorzutäuschen, das Ali mit Masri in Deutschland abwickeln wolle.
Laut einer Gesprächsnotiz von Gnjidic soll ein Polizist im Oktober gesagt haben: "Das Landeskriminalamt und das Bundeskriminalamt sind nicht unbedingt begeistert, dass er herkommt." Ali wurde aber offenbar auch nicht in Somalia vernommen.
Im November 2004 soll Masri versucht haben, Ali telefonisch zu erreichen, doch gelang dies unter keiner seiner beiden Nummern. Masri hat seitdem nichts mehr von seinem früheren Mithäftling gehört.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 13.12.2005)
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