Wenn das kein Grund ist, stolz zu sein: Deutschland hat 2011 so viele Waren exportiert wie noch nie. Doch der Erfolg schafft weltweit Misstrauen - als habe sich die Bundesrepublik den Wohlstand erschummelt.
Schneller, höher, weiter, danach fiebert das Publikum nur im Sport. In der Wirtschaft sind Rekorde eher verpönt, werden Jubelzahlen der Unternehmen, die Kraft der Volkswirtschaft insgesamt von immer mehr Menschen kritisch hinterfragt. Im Jahr 2011 haben deutsche Unternehmen so viel exportiert wie nie zuvor, Waren und Dienstleistungen im Wert von mehr als einer Billion Euro.
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Was die Mitarbeiter dieser Firmen und Branchen freut, erregt anderswo Misstrauen und Missgunst. Manche Reaktion klingt so, als sei die neue Bestmarke eine Schande, ein Zufallsprodukt, schlimmer noch: widerrechtlich angeeignet und vergleichbar einer sportlichen Höchstleistung, bei der Doping im Spiel war.
Aufputschmittel niedrige Lohnkosten?
Das unerlaubte Aufputschmittel wären dabei die vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten. Dank jahrelanger Lohnzurückhaltung könne Deutschland billiger produzieren als seine Nachbarn und drücke damit seine Waren auf deren Märkte, heißt es dann. Kein Wunder, wenn diese Länder sich dann bis über die Ohren verschuldeten und heute am Rande der Insolvenz stünden.
Als ganz übel gilt, dass die Deutschen ihren Erfolg auch noch idealisieren. Dass sie sich den darbenden Staaten Südeuropas als Vorbild hinstellen und Nachahmung einfordern. Das kommt nicht nur in diesen Ländern schlecht an, sondern findet auch nicht den Gefallen der Vordenker im angelsächsischen Raum.
Deutschland produziert "all dies Zeug"
Deutschland sei, höhnte kürzlich ein wichtiger US-Wissenschaftler, das Musterbeispiel eines Denkfehlers: Man verwechsle einzelwirtschaftlichen Erfolg mit einer Strategie für die Weltwirtschaft. Es gäbe doch bald niemanden mehr, der "all dieses Zeug" kaufen könne, was da produziert werden solle.
In Wirklichkeit liegt der Denkfehler bei denen, die so argumentieren. Denn die Lohnzurückhaltung, die Flexibilisierung der Arbeit, der Ausbau von Zeit- und Leiharbeit - das alles war ja kein Spiel, sondern eine notwendige Reaktion auf die große deutsche Krise in den ersten Jahren des Euro, als das Geld der Investoren in andere Staaten floss, die sich kurzsichtig über alle Maßen verschuldeten.
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" Wahrscheinlich liefern wir immer noch nach Griechenland,"
Klar doch, warum sollte denn sonst der Wehretat Griechenlands um lediglich 900 Mio. Euro gesenkt werden durch die Troika? Damit die Waffenverkäufe nicht ins Stocken geraten! Selbstverständlich wird man uns weiß machen, dass Griechenland in der Nato ist, und man deshalb nicht mehr sparen könne!
Marc Beise versteht offenbar nicht, dass Wettbewerbsfähigkeit eine relative Größe ist. Ob Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit durch höhere Löhne etwas senkt, oder ob Krisenländer durch Lohnsenkungen wettbewerbsfähiger werden, ist im Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit egal. Nur ersteres würde Deutschen Arbeitnehmern und Unternehmen, die dem Binnenmarkt bedienen, mehr Wohlstand bescheren, letzteres macht die Menschen in den Krisenländern ärmer. Und dennoch bevorzugen die Deutschen letzteres. Das soll mir einer erklären.
Beise versteht offenbar nicht, dass der deutsche Exporterfolg nicht nur voraussetzt, dass andere Länder deutsche Produkte kaufen wollen, sondern auch, dass sie es auch können. Irgendwann wird letztere Bedingung nicht mehr erfüllbar sein, wenn Deutschland weiterhin auf Überschüsse pocht. Der Denkfehler liegt bei Beise.
Exportiert ist noch lange nicht verkauft. Verkauf gilt erst nach Rechnungszahlung. Ich wundere mich wer in diesem derzeitigen
Schuldenumfeld noch die deutschen Rechnungen bezahlen kann.
Frankreich, italien, Spanien, USA, etc
Evtl. China, Indien und einige kleinere andere Länder.
Wir exportieren, wie mir scheint, ohne Rücksicht auf Verluste.
Wahrscheinlich liefern wir immer noch nach Griechenland, Italien, Spanien, USA - Wer zahlt - wir die Steuerzahler, wahrscheinlich.
Frage mich, warum sich die qualifizierten WirtschaftsjournalistInne
das nicht öffentlich fragen?
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Um einiges an der Legendenbildung von Herrn Beise und Kollegen richtig zu stellen: Deutschland hat seit den 90er Jahren kontinuierlich seine Exportanteil erhöht. Jahr für Jahr wurden neue Exportrekorde verzeichnet. Sollte das nicht so sein, dann hat das Statistische Bundesamt uns quartalsweise Unsinn erzählt. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Immerhin hat Lohnzurückhaltung einiges bewirkt. In dem Zusammenhang fällt mir der stereotype Spruch von Professor Frantz ( Vorsitzer der fünf Weisen ) ein, der, wenn die Konjunktur schwach war, gesagt hat, man dürfe keine "signifikant" höheren Löhne zahlen, weil sonst Arbeitsplätze verloren gingen. Als die Konjunktur gut lief, hat er den gleichen Satz gebraucht. Nur mit dem Beisatz, man würde sonst die Konjunktur schädigen. Im Klartext: höhere Löhne nur in Höhe des Wirtschaftswachstums. Um es zynisch zu sagen: Je mehr Leih - ,Zeit - , und Niedriglöhne um so besser der Export. Genau in diese Richtung scheint die Entwicklung zu gehen. Das ist so recht im Sinne von Herrn Beise!
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