Ex-Verfassungsschutz-Chef Roewer und die Neonazi-Morde Eine furchtbar teure Fahndung

Der Verfassungsschutz habe unter einer Legende Firmen gegründet, die dann Aufträge an TV-Journalisten vergeben hätten. Auftrag sei es gewesen, möglichst viele Bilder und Töne von Rechtsradikalen zu erhalten, um das Material mit den Erkenntnissen des Amtes abgleichen zu können. Die Fernsehleute hätten Bilder geliefert, die Beamte normalerweise nie bekommen hätten.

"Wir waren primär nicht zuständig für die Fahndung, aber wir haben sie mit größter Intensität vorangetrieben." Die Aktion sei "furchtbar teuer gewesen". Aber es habe doch kein Zweifel bestanden, dass "Leute, die Bomben bauen, höchst gefährlich" seien, sagt der frühere Behördenpräsident. Auch deshalb empöre ihn der in diesen Tagen geraunte Vorwurf, er habe in seiner Dienstzeit "etwas unternommen, was die mutmaßlichen Schwerkriminellen gestützt haben könnte. Das Gegenteil war zutreffend".

Dienste sind keine Orte der Idylle. Oft beschäftigen sie sich vor allem mit sich selbst; sie sind ein ideales Mistbeet für Gerüchte und Denunziationen aller Art. Wenn von "Filzläusen und Natterngezücht" die Rede ist, reden Kollegen über Kollegen. Insbesondere nach Pannen weist jeder auf den anderen. Einer muss schließlich schuld sein. "Was ich sage", erklärt Roewer, "stützt sich auf meine Tagesnotizen." Auch räume er gerne ein, "dass ein Tagebuchschreiber alles andere als unfehlbar ist".

Das klingt etwas verdruckst und auch nicht sehr hoffnungsfroh. Schon vor der Entdeckung der braunen Killertruppe gab es Querelen im Amt, die über das normale Behördenmaß hinausgingen. Roewer musste im Jahr 2000 gehen. Seitdem erlebte er die Welt der Apparate als Feindesland. Wegen Untreue wurde ihm der Prozess gemacht. Dabei ging es auch um die Legendenfirmen, die das Filmmaterial teuer angekauft hatten. Der Prozess wurde nach rund fünfzig Verhandlungstagen gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 3000 Euro eingestellt.

Helmut Roewer, der, wie alle Welt derzeit sagt, am Chaos von Erfurt und den Thüringer Verhältnissen schuld gewesen sein soll, ist verbittert. Er schreibt Bücher über historische Stoffe und findet "keinen Zusammenhang zwischen dem untypischen Verhalten der Täter und dem normalen politischen Terrorismus". Immerhin. Mit dieser Ansicht ist er nicht allein.