Ex-Minister Cahuzac beklagt Verfolgung "Ich ziehe alle zwei Tage um"

Steht Jérôme Cahuzac vor einer Rückkehr in die Nationalversammlung?

(Foto: AFP)

Gestern Bretagne, heute Normandie: Der ehemalige französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac muss derzeit viel reisen. In einem Interview beklagt er den Druck, den Medien nach seinem Rücktritt auf ihn ausübten. Zumindest, so sagt er, blieben ihm noch "einige treue Freunde".

Heute hier, morgen dort: Jérôme Cahuzac, der ehemalige französische Haushaltsminister, beklagt in einem Interview eine mediale "Treibjagd" auf ihn. Der wegen eines Schwarzgeldkontos in der Schweiz zurückgetretene Cahuzac sieht sich mittlerweile regelrecht verfolgt. "Ich ziehe alle zwei Tage um, um dem Druck zu entgehen", sagte Cahuzac der französischen Zeitung La Dépêche du Midi.

In den vergangenen Tagen sei er bei Verwandten in der Normandie, in der Bretagne oder an der südwestfranzösischen Atlantikküste untergekommen. Sein Wohnsitz in Pujols sei von Fotografen belagert. Er sei überrascht über die "Fähigkeiten zur Geolokalisierung" einiger Medienvertreter, sagte Cahuzac in einer ersten Stellungnahme seit seiner Abberufung.

Nach seinen nächsten Schritten befragt, sagte der Ex-Minister von Präsident François Hollande: "Ich habe noch keine Vorstellung. Es ist zu früh, ich habe noch keine Entscheidung gefällt." Ihm blieben aber noch "einige treue Freunde".

Cahuzac hatte vor knapp eineinhalb Wochen den Besitz eines Auslandskontos eingeräumt und damit in Frankreich ein politisches Beben ausgelöst. Er hatte die französische Öffentlichkeit monatelang belogen und auch vor den Abgeordneten der Nationalversammlung die Existenz eines Auslandskontos energisch bestritten.

Nun könnte Cahuzac sein Abgeordnetenmandat wieder einfordern, das er während seiner Ministerzeit hatte ruhen lassen müssen. Die Regierung hält das für inakzeptabel. Am Mittwoch sagte Staatschef François Hollande in Paris: "Wie kann man ins Parlament zurückkommen, dorthin, wo eine Lüge ausgesprochen wurde?"