Der SPD-Politiker Peer Steinbrück, bekannt für seine Begabung für kräftiges Wüten, hat ein Buch geschrieben, in dem er der Politik ins Gewissen redet. Seine Partei stellt sich auf deutliche Worte ein - die Kanzlerin sieht der Veröffentlichung gelassen entgegen.
Für Sozialdemokraten ist das Wort - gesprochen, besser noch gedruckt - von historischer Bedeutung. Nach ihrer Gründung 1863 mangelte es ihnen jahrzehntelang an Geld und Einfluss; ihnen blieb nur die Macht der Sprache, um für sich zu werben. Inzwischen sind die Genossen wohlhabender, ihr publizistischer Hang aber ist ungebrochen. Das beschert der SPD Aufmerksamkeit, wenn auch nicht immer von der angenehmen Art. Bestes Beispiel ist das Spektakel um die eigentümlichen Thesen ihres Noch-Mitglieds Thilo Sarrazin.
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Der frühere Finanzminister Peer Steinbrück hat ein Buch geschrieben - seine Parteikollegen von der SPD stellen sich schon mal auf die eine oder andere Standpauke ein. (© dpa)
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Am Freitag stellte der ehemalige Fraktionsvorsitzende Peter Struck sein Buch vor, das zwar Seitenhiebe auf ein paar der eigenen Leute und auch die Bundeskanzlerin enthält, aber keinen solchen öffentlichen Furor auslösen wird.
Das Wochenende hingegen dürfte den Sozialdemokraten neue Schlagzeilen bescheren. Der Spiegel veröffentlicht vorab Passagen aus dem Buch des ehemaligen Finanzministers Peer Steinbrück, das kommende Woche in die Geschäfte kommt. Es ist 480 Seiten stark und trägt den hübschen Titel "Unterm Strich". Hübsch deshalb, weil der Begriff nicht nur in der Wirtschaftssprache zu Hause ist, sondern auch in der schöngeistigen Welt, für die Steinbrück bekanntermaßen ein Faible hat. In früheren Jahrhunderten wurden Theaterkritiken und Buchbesprechungen, all das, was man heute Feuilleton nennt, unter einem dicken Strich auf den unteren Zeitungsseiten abgedruckt.
Steinbrück, das hat der Verlag schon angekündigt, werde "Klartext" reden, "schonungslos" die Lage in Deutschland analysieren, Politik, Wirtschaft und Parteien, besonders der eigenen, empfehlen, unangenehme Wahrheiten auszusprechen, statt Tabus zu pflegen.
In der SPD und weit darüber hinaus ist Steinbrück dafür bekannt, dass er bei Auseinandersetzungen jedweder Art kräftig wüten kann, was für die Objekte seines Zorns ziemlich unangenehm ist. In Erinnerung ist noch seine Abrechnung mit Teilen seiner Partei, besonders dem linken Flügel, nach der Niederlage bei der Bundestagswahl: Es gebe zu viele Verbohrte, die sich als Mitglieder einer Glaubenskongregation verstünden und quasi von der Kanzel herab diktieren wollten, was man in der SPD sagen dürfe und was nicht.
Objekt des Steinbrückschen Zorns
Noch wissen wenige genau, was Steinbrück aufgeschrieben hat. Doch in der Partei richtet man sich abermals auf deutliche Worte ein. "Das wird der Steinbrück sein, den wir kennen und lieben", sagt einer der ihm Wohlwollenden.
Zu diesem Kreis wird der schleswig-holsteinische SPD-Landeschef Ralf Stegner nicht gezählt. Er war in der Vergangenheit oft Objekt des Steinbrückschen Zorns und meint nun: "Es wird darauf ankommen, ob er über die Finanzkrise schreibt, in der er gute Arbeit leistete, oder ob er alte Schlachten noch einmal schlägt." In der Hessen-SPD macht sich niemand Illusionen, dass der Autor die einstige Vorsitzende Andrea Ypsilanti und deren Rot-Rot-Kapriolen oder gar die Linkspartei nun in milderem Licht sieht.
Kanzlerin Angela Merkel hat sich dem Vernehmen nach noch keine Gedanken über das Buch gemacht, erwartet aber auch keine bösen Überraschungen. Sie war schon in der gemeinsamen Regierungszeit auffällig verschont geblieben von Steinbrücks Breitseiten. Wer von dem Buch politische oder gar private Indiskretionen erhofft, dürfte enttäuscht werden. Das widerspräche seinem Stil. Und dem von ihm gern zitierten Rat seiner dänischen Großmutter, der lautet: "So etwas tut man nicht."
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(SZ vom 11.09.2010/aho)
Soso!
Frau Höll weiß es zwar auch nicht, schreibt aber schon mal drüber!
Ein peinlicher Patzer eben wieder.
:-))))
dürfte in Havanna, Rangun oder Pjönjang zu finden sein.
Der totalitaristische Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaftsansatz, wie er von Peer Steinbrück, Olaf Henkel, Franz-Walter Steinmeier, von Angela Merkel, Guido Westerwelle und dem heutigen Finanzminister Schäuble vertreten wird, ist der Kern der inzwischen fast vollendeten Zerschlagung der einstigen mehrwertschöpfenden Sozialen Marktwirtschaft, die bei Ludwig Erhard noch unter dem Buchtitel "Wohlstand für alle" unserem ganzen Volk eine menschenwürdige, zivilisierte und kultivierte Zukunft in Aussicht gestellt hat.
Heute stehen wir vor einem Deutschland, dass fast identisch das Modell der nazistischen oder stalinistischen Herrenmenschengesellschaft widerspiegelt.
Der heutige ständisch-korporative Besitzbürgerfeudalstaat, der unsere Menschen geteilt hat in die die "haves" und die "have nots", also der moderene Feudalstaat nach der Definition des Peer Steinbrück, ist in seinen ganzen Grundlagen derart verkommen und bezüglich seiner geistig-moralischen Grundsätze so verrottet, dass er nur noch mit den Geisteshaltungen der Eliten im dunklen Mittelalter zu vergleichen ist.
Sparen wir uns also das Geld und überweisen wir den Betrag an die Kindernothilfe, damit wir wenigstens einen Rest von Verstand für uns in Anspruch nehmen können.