Ex-FBI-Chef Comey hat Trump widerstanden - ein Held ist er nicht

Er will der Gute sein, doch so einfach ist es nicht: der ehemalige FBI-Chef James Comey.

(Foto: AFP)
  • Der ehemalige FBI-Chef James Comey rechnet in einem Buch mit Donald Trump ab.
  • Er macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber dem US-Präsidenten und stellt sich selbst als Verfechter vernüftiger Führungsethik dar.
  • Aber auch Comey hat in seiner langen politischen Karriere einige umstrittene Entscheidungen getroffen.
Von Thorsten Denkler, New York

James Comey macht schon mit dem Titel seines Buches klar, wer hier der Gute ist. Und wer das Böse vertritt. "A Higher Loyalty" lautet der Originaltitel. Der deutsche Verlag hat daraus recht treffend "Größer als das Amt" gemacht. Comey, im Mai 2017 von US-Präsident Donald Trump gefeuert, scheint seine Rolle so zu gesehen haben: Die Aufgabe, als Chef die mächtige Bundespolizei FBI zu leiten, sei immer Dienst am amerikanischen Volk gewesen. Nie ein Dienst am Präsidenten, dem er formal unterstellt ist. Diese Haltung gehört zu dem, was er in der Einleitung seines Buches als sein Verständnis von Führungsethik beschreibt - und sie wird höchstwahrscheinlich auch das mit Spannung erwartete erste ausführliche Interview seit seinem Rücktritt dominieren, das an diesem Sonntagabend im US-Sender ABC ausgestrahlt wird.

Ganz anders natürlich Trump. Der soll Comey bei mehreren Gelegenheiten persönliche Loyalität abverlangt haben. Was Comey mehr oder minder deutlich ablehnte. Politische Neutralität sei ein hohes, geradezu heiliges Gut für Strafverfolger. Comey gesteht jedoch, dass alle Mitarbeiter des FBI Menschen seien, die Fehler hätten - er nehme sich da nicht aus. Das dürfe allerdings die Arbeit in keiner Weise beeinflussen.

Comey ist nicht der Held, als der er sich zu verkaufen versucht

Allerdings hatte Comey von Beginn an keine hohe Meinung von Trump. Im Gegenteil: Seine Geringschätzung für den Präsidenten durchzieht das ganze Buch. Mal ganz explizit, wenn er Trumps Hautfarbe als "orange" beschreibt und ihm unterstellt, die weißen Ringe um die Augen stammten von der Schutzbrille aus dem Solarium. Wenn er über die Zeit spekuliert, die Trump wohl braucht, sein blondes Haupthaar in Schuss zu bringen. Oder wenn er bemerkt, wie klein ihm Trumps Hände vorgekommen seien, als er ihm Ende 2016 erstmals die Hand schütteln musste. Wer das liest, kann kaum glauben, dass Comey seinen Job frei von jeder Parteilichkeit gemacht hat.

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Es fällt überhaupt schwer, Comey als den Helden zu sehen, als der er sich gerade zu verkaufen versucht. Im Vergleich zu Trump mag dieser wie das Paradebeispiel persönlicher und professioneller Integrität erscheinen. Aber Comey wurde 2013 FBI-Chef, zu einem Zeitpunkt, als Trump vermutlich noch gar nicht daran dachte, Präsident werden zu wollen.

Comey ist sicher einer, der, wie er in seinem Buch schreibt, "das Richtige" tun will. Aber er gilt eben auch als selbstherrlich, arrogant und sturköpfig. Und spätestens in den Ermittlungen zur E-Mail-Affäre von Hillary Clinton mag er es gut gemeint haben - machte es aber schlecht.

Dazu ist wichtig zu wissen, was das FBI eigentlich ist. Das Federal Bureau of Investigation ist weit mehr als nur eine Art Bundespolizei. Sie ist ein Geheimdienst mit weitreichenden Ermittlungsbefugnissen. Sobald der Staat oder die Bürger der USA bedroht sein könnten, kann das FBI eingreifen. Eine Kontrollinstanz gibt es praktisch nicht.