Ex-Bildungsministerin Kabinett bestätigt Schavans Entsendung in den Vatikan

Keinen Doktortitel mehr, dafür einen prominenten Arbeitsplatz: Die Bundesregierung schickt Ex-Bildungsministerin Annette Schavan nach ihrem Plagiatsskandal als Botschafterin zum Heiligen Stuhl. Offenbar gibt es aber weiter Widerstände gegen die Berufung.

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird Botschafterin beim Vatikan. Das Bundeskabinett bestätigte am Mittwoch die Entsendung der 58-Jährigen.

Die SZ hatte bereits im Februar über den bevorstehenden Wechsel berichtet. Der derzeitige Vertreter Deutschlands im Vatikan, Reinhard Schweppe, wurde im April 65 und soll im Sommer in den Ruhestand versetzt werden. Damals hatten weder Regierung noch Schavan selbst den Wechsel bestätigen oder kommentieren wollen.

Ein Jahr nach ihrem Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre hat Schavan damit eine neue Aufgabe. Die Politikerin war im Februar 2013 wenige Tage nach dem Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf als Ministerin zurückgetreten. Im März dieses Jahres scheiterte sie vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht mit einer Klage gegen den Entzug des Titels. Schavan hat nach Auffassung der Universität Passagen aus Sekundärquellen in ihrer Doktorarbeit nicht hinreichend gekennzeichnet. Nach Auffassung des Gerichts handelte die Politikerin dabei "zumindest bedingt vorsätzlich".

Schavan scheidet der Nachrichtenagentur AFP zufolge zum 1. Juli aus dem Bundestag aus, dem sie seit 2005 angehört. Der Bild-Zeitung zufolge gibt es gegen Schavans Berufung als Botschafterin jedoch Widerstände im Personalrat des Auswärtigen Amtes. Da ihre Promotion aus dem Jahr 1980 gleichzeitig als Abschlussarbeit des Studiums gilt, verfügt die Ministerin a. D. formal nicht über einen Hochschulabschluss. Das wäre normalerweise jedoch die Zugangsvoraussetzung zum höheren Auswärtigen Dienst, kritisiert die Personalvertretung dem Bericht zufolge.