Sanftmut statt Streitkultur: Der Evangelischen Kirchentag in Bremen war fromm und kulturell interessiert - aber etwas mehr Zorn hätte ihm gutgetan.
Der Bibeltext, aus dem das Leitwort des Bremer Kirchentages stammt, ist eine peinliche Geschichte. Die Schlange, die, wie es in der Kirchentags-Übersetzung heißt, "weniger an", aber "mehr drauf" hatte als alle Tiere, hat Eva dazu gebracht, vom Baum der Erkenntnis zu pflücken. Adam hat mitgegessen, ohne groß nachzudenken. Nun ist ihre Unschuld dahin; Gott fragt Adam: "Wo bist du, Mensch?" Und der tritt zögernd hervor. Er schämt sich, weil er nackt ist. Er kann jetzt Gut und Böse unterscheiden, zumindest glaubt er das, doch ein besserer Mensch ist er nicht geworden. Er hat das Paradies verloren, die Mühsal des selbstbestimmten Lebens wartet auf ihn. Adam und Eva, zwei Gefallene, gehen hinaus in die Welt.
"Na gut, hier bin ich": Menschenmassen auf dem Kirchentag in Bremen. (© Foto:)
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Das Leitwort passte besser zum Christentreffen in der Wirtschafts- und Gesellschaftskrise, als es die Veranstalter bei der Auswahl ahnen konnten. Es ist die Zeit, in der Paradiesträume platzen, die Menschen verunsichert, sich Kräften ausgeliefert sehen, die sie weder verstehen noch beeinflussen können. Sie möchten sich verstecken wie Adam und Eva, oder sich verdrücken, wie Jona, der Ninive die Umkehr predigen soll und vor dem Auftrag Gottes aufs Schiff nach irgendwohin flieht. Und dann kratzen einige doch ihr bisschen Mut zusammen und sagen: Na gut, hier bin ich.
Der Kirchentag war das Treffen dieser Menschen, die zögernd sagen: Na gut, hier bin ich. Er übte sich nicht so sehr in Kapitalismus- und Globalisierungskritik. Er behandelte die Politiker aller Parteien freundlich, zu unkritisch. Er war fromm und kulturell interessiert, die größte Veranstaltung war das Konzert der A-capella-Gruppe "Wise Guys". Er vermied den Streit, egal, ob es um Politik ging, um Ökumene oder den interreligiösen Dialog. Manche Veranstaltung hat nachdenklich gemacht. Aber etwas mehr Streit wäre notwendig gewesen, weil produktiver Streit die Dinge weiterbringt. Daniele Garrone aus Rom, der Abschlussprediger der kleinen waldensischen Kirche, hat dem Kirchentag am Ende Sanftmut und Selbstbescheidung empfohlen. Es gab Zeiten, da lebte der Kirchentag vom heiligen, gerne auch überschießenden Zorn auf das, was er als ungerecht empfand.
Aber warum soll das Treffen mehr sein als der Spiegel einer Gesellschaft, der die Utopien abhanden gekommen sind? In dieser Gesellschaft sind aber jene gefragt, die, unvollkommen, nackt und sündig hinterm Busch hervorkommen und sagen: Na gut, hier bin ich. Und dann im Schweiße des Angesichts ihr Gärtlein beackern, damit die Welt ein bisschen besser wird. Sie hat der Kirchentag versammelt, ihnen hat er Mut gemacht, den Glauben gestärkt, dass sie, die Gefallenen, Gottes einzigartige Geschöpfe sind. Das ist nicht die große Zeitansage, aber auch nicht wenig. Dass die versammelten Christen die Dauerbeschallung durch Posaunenchöre und Sacropop-Gruppen für eine Ahnung vom Paradies halten, möge man ihnen da verzeihen.
(SZ vom 25.05.2009/woja)
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" Diese Kirche steht für alles und steht für nichts. Sie stand auch für Hitler und das Gegenteil. Nur die Ethik des Religionsstifters Jesus, die ist in Vergessenheit geraten. "
Zu Ihrer Information: Es gab immerhin die Barmer Bekenntniskirche, es gab Dietrich Bönhöffer, der im KZ ermordet worden ist. Es gab Niemöller, der im KZ saß und sehr viel mehr in der evangelischen Kirche, die unter den Nazis gelitten haben. Also: Bitte bei der Wahrheit bleiben. Immerhin haben sich die christlichen Kirchen bei der Ausuferung des Neo-Liberalismus beide sehr vornehm zurück gehalten. Erst als es richtig geknallt hat, kamen beide langsam aus der Deckung heraus!!!
Wann haben sich denn die cristlichen Religionen jemals für eine Änderung gesellschaft-
licher Missstände eingesetzt?
Vielleicht war die Reformation in dieser Hinsicht das einschneidendste Ereignis in der
Kirchengeschichte.
Von einem evangelischen Kirchentag solches zu erwarten, geht eindeutig fehl.
Auch in der Revolution 1989 in der DDR war sie doch nur die äussere Hülle des Wider-
stands, weil sie ihre Räume zur Verfügung stellte.
Nach 1990 sind ihr doch auch ihre Pfarrer reihenweise in die Politik abgewandert.
Die Kirche hatte sich in der Gesellschaft der DDR auch ganz gut eingeordnet, ohne aber
unterwürfig zu sein, wie z.B. die Ost-CDU.
Letzlich sind auch die Teilnehmer eines Kirchentages Wähler, die doch festgestellt haben
dürften, dass sie nichts verändern können, egal wie laut sie sich äusserten.
..... für Ihre Behauptungen. Nennen Sie mir Historiker oder entsprechende Stellen in FACH-Büchern oder Veröffentlichungen, die belegen, was Sie über die evang. Kirche und Hitler schrieben, auch in Ihrem Post um 18.36 h - ansonsten verzichten Sie bitte auf derartige Schreibereien!
" Er kann jetzt Gut und Böse unterscheiden, zumindest glaubt er das, doch ein besserer Mensch ist er nicht geworden." Ob gewisse Kreise Gut und Böse unterscheiden können, ist, mit Verlaub nicht sicher, wenn wir uns die aktuellen Szenarien ansehen! Überhaupt spielt meiner Meinung nach die Amtskirche in diesem Zusammenhang eine bemerkenswert geringe Rolle. In Talk-Shows hatte man bisher mehr zum Thema zu sagen. Daher bin ich leider der Auffassung, dass der evangelische Kirchentag im Bezug auf die aktuelle Krise eher seicht war. Ein Grußwort der Katholen hätte ich mir ebenfalls gewünscht!
Die evangelische Kirche stand also auch für Hitler, das ist mir allerdings neu, das würde ja bedeuten, dass sie sich mit ihm identifizierte und ihn unterstützte. Spielen Sie auf Bischof Meiser an, dann wurde inzwischen doch einiges ihn betreffend wieder korrigiert, und dann sollten Sie z.B. an Herrn Bonhoeffer denken!
Bringen Sie mir doch bitte sachliche und fachliche Beweise für Ihre Aussage!
Paging