Euroskeptiker in Großbritannien Der Stolz einer Inselnation

Dabei ist das vermeintliche Alleinstellungsmerkmal von UKIP bei näherem Hinsehen überhaupt keines. Europaskepsis ist ein fester Bestandteil der britischen Politik, sie findet sich in vielen Abstufungen in beinahe allen Parteien. Hoheitsrechte abgeben zu müssen, noch zudem an Institutionen jenseits des Ärmelkanals, ist vielen Briten ein Graus. "Wir haben den Charakter einer Inselnation", sagte Cameron in seiner Rede: "unabhängig, aufrecht, leidenschaftlich bei der Verteidigung unserer Souveränität."

EU-Kritiker Nigel Farage: "Unser Job hat erst begonnen"

(Foto: AFP)

Als das Vereinigte Königreich 1973 der Europäischen Gemeinschaft beitrat - übrigens unter konservativer Führung -, geschah das nicht "aus großem Enthusiasmus", wie etwa der Economist betont. "Sondern weil die Alternativen - eine Freihandelszone, der Commonwealth, die Verbindung zu Amerika oder ein Alleingang - noch weniger schmackhaft waren."

Es sei auch nicht die Aussicht auf wirtschaftliche Vorteile gewesen, die das Vereinigte Königreich zum Eintritt bewogen habe, sondern die Aussicht, durch Europa größeren außenpolitischen Einfluss zu bekommen. Hinzu kam eine gute Portion Trotz: Frankreich, einst Erzfeind der Briten, hatte sich lange gegen deren Beitritt gesträubt.

Bei einer Volksabstimmung 1975 sprachen sich 67 Prozent der Briten dafür aus, in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu bleiben, aus der später die Europäische Gemeinschaft und schließlich die Europäische Union hervorging. Ein ähnlich deutliches Ergebnis erscheint heute unwahrscheinlich.

"Unser Job hat erst begonnen"

Das liegt auch an Populisten wie Nigel Farage und der UKIP, die es gemäßigten Euroskeptikern schwer machen, differenziert mit dem Thema umzugehen. Dass Cameron in seiner Rede die EU zunächst als bürokratisches Monster darstellte (zu groß, zu schwerfällig, nicht demokratisch legitimiert), um dann anzukündigen, er werde mit "Herz und Seele" für den Verbleib Großbritanniens in der EU kämpfen, zeigt dies.

Die Konservativen feierten ihren Chef jedoch dafür. Sie hoffen, den Erfolg der UKIP mit der Aussicht auf ein Referendum eindämmen zu können. Journalisten wie Toby Young vom Telegraph geben ihnen recht: Cameron werde damit viele Protestwähler zurück ins Lager der Tories holen: "Euroskeptiker haben jetzt wieder gute Gründe, die Konservativen zu wählen."

Farage könnte seinen Zenith damit überschritten haben. Er selbst sieht das natürlich ganz anders: "Unser Job hat gerade erst begonnen", erklärte er nach der Cameron-Rede in vielen Interviews. Dann verschwand er in Richtung Mittagessen - auf der Suche nach einem Brötchen mit Speck.