Von Peter Fahrenholz und Marc Hoch

Union vorne, Sozialdemokraten abgeschlagen: Die SPD-Spitze hat enttäuscht auf das schlechte Abschneiden bei der Europawahl reagiert - während die CSU jubiliert.

Die SPD hat bei der Europawahl eine katastrophale Niederlage erlitten. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis des Bundeswahlleiters erreichte sie nur 20,8 Prozent der Stimmen und schnitt damit noch schlechter ab als vor fünf Jahren.

Die Grafik zur Europawahl

Europawahl

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Die Union blieb trotz Verlusten mit 37,8 Prozent klar stärkste Kraft. Die Grünen behaupteten mit 12,1 Prozent ihr Ergebnis, die FDP legte deutlich zu und erreichte 11,0 Prozent. Die Linke verbesserte ihr Ergebnis auf 7,5 Prozent. Die CSU schaffte mit bundesweit 7,2 Prozent sicher den Einzug ins Europa-Parlament.

Wie befürchtet, stieß die Wahl bei den Bürgern nur auf geringes Interesse. Laut Bundeswahlleiter lag die Beteiligung bei 43,3 Prozent und damit auf dem bereits extrem niedrigen Niveau der vergangenen Europawahl; damals hatten 43,0 Prozent ihre Stimme abgegeben. Vor fünf Jahren war die CDU/CSU mit 44,5 Prozent klarer Sieger der Wahl. Die SPD stürzte auf dem Höhepunkt der innerparteilichen Debatte um die Agenda 2010 damals auf 21,5 Prozent ab. Die Grünen kamen 2004 auf 11,9 Prozent, die FDP auf 6,1 Prozent und die PDS auf 5,8 Prozent.

Für die SPD, die die Europa-Abstimmung zu einem wichtigen Schritt auf dem Weg zur Bundestagswahl erklärt hatte, ist das Ergebnis ein schwerer Rückschlag.Die SPD hatte wegen der besonderen Umstände der letzten Europawahl auf einen Zugewinn gehofft. Dies hätte als Rückenwind für die Bundestagswahl interpretiert werden können. "Das ist für uns ein schwieriger Abend", gab Parteichef Franz Müntefering zu. Das Ergebnis sei "enttäuschend", sagte er. Mit dem Ergebnis vom Sonntag hätte nicht einmal die von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier angestrebte Ampel-Koalition eine Mehrheit.

Stattdessen ist das Szenario von Union und FDP aufgegangen. Beide Parteien hatten auf eine schwarz-gelbe Mehrheit gehofft.

Die stellvertretende CDU-Chefin Annette Schavan sagte, die Union habe jetzt "eine sehr gute Ausgangsposition für die nächsten Wochen". Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle erklärte, die Bürger hätten die "Mitte gestärkt". Dies sei ein "hervorragendes Zeichen für die Bundestagswahl".

Grünen-Chef Cem Özdemir betonte, seine Partei habe ein Ergebnis auf ,,einem sehr hohen Niveau'' erzielt. Die Linke hat sich nach den Worten ihrer Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau "mehr ausgerechnet". CSU-Chef Horst Seehofer stellte fest, seine Partei habe Vertrauen zurückgewonnen.

Mit der Wahl erhöht sich die Chance für die Union, den nächsten deutschen EU-Kommissar zu stellen. Bisher wird Deutschland von Industrie-Kommissar Günter Verheugen (SPD) vertreten. Die Sozialdemokraten favorisieren Martin Schulz. Dieser war Spitzenkandidat seiner Partei bei der Europawahl und ist nun mitverantwortlich für das schlechte Abschneiden.

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(SZ vom 8.6.2009)