Europawahl in den Niederlanden Rechtspopulist Wilders verliert deutlich

Rechtspopulist Geert Wilders hat bei der Europawahl lange nicht so viele Stimmen gewinnen können, wie Demoskopen prophezeit hatten.

(Foto: AP)

Viele rechneten damit, dass die Anti-Europäer auf dem ersten Platz landen würden: Jetzt wird die Partei von Rechtspopulist Geert Wilders bei der Europawahl in den Niederlanden wohl nur viertstärkste Kraft - das geht aus ersten Prognosen hervor.

Große Überraschung in den Niederlanden: Die anti-europäische Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders hat bei der Europawahl im Vergleich zur vorangegangenen Wahl Stimmen verloren und wird wohl nur viertstärkste Kraft. Monatelang hatten Demoskopen damit gerechnet, dass die "Partei für die Freiheit" zur stärksten Partei werden würde.

An erster und zweiter Stelle liegen nun aber klar die pro-europäischen Parteien. Das geht aus den Prognosen hervor, die das niederländische Fernsehen am Donnerstagabend nach Schließung der Wahllokale veröffentlichte. Die linksliberale Partei D66 kommt demnach auf 15,6 Prozent und liegt damit fast gleichauf mit den Christdemokraten (15,2). Die rechtsliberale Regierungspartei VVD verbuchte den Angaben zufolge leichte Gewinne und landete mit 12,3 Prozent auf Platz drei. Die Wilders-Partei für die Freiheit (PVV) kommt auf 12,2 Prozent, knapp fünf Prozentpunkte weniger als 2009.

Der blondgefärbte Geert Wilders hatte im Herbst 2013 ein Bündnis mit Marine Le Pen und ihrem rechtsextremen Front National geschlossen. Gemeinsam mit weiteren Europaskeptikern wie der österreichischen FPÖ wollen sie "das Monster Brüssel" besiegen und die EU quasi von innen aushöhlen.

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Zuletzt hatte der 50-jährige Wilders seine islamfeindlichen Parolen, die ihn bekannt gemacht hatten, etwas zurückgestellt (mehr in diesem SZ-Porträt) und vor allem die EU kritisiert. Der Chef der PVV will nicht nur den Euro abschaffen, sondern sogar die ganze Union auflösen. Er ist überzeugt, dass dies der Exportnation der Niederlande nicht schaden würde.

Einen Tag vor der Abstimmung in Holland hatte ein Buchmanuskript des Wilders-Vertrauen Martin Bosma für Wirbel gesorgt - darin wurde etwa Nelson Mandela als "kommunistischer Anführer" einer "Terrororganisation" bezeichnet (Details hier). Diese Enthüllung hat Wilders vielleicht ebenso geschadet wie seine umstrittenen Parolen nach der Kommunalwahl im März. Damals hat er dem Publikum zugerufen "Wollt ihr mehr oder weniger Marokkaner?" und bei allen anderen Parteien für Empörung gesorgt. Auch bei einigen PVV-Wählern kam dies offenbar nicht gut an.

Die offiziellen Ergebnisse sollen am Sonntag bekanntgegeben werden, wenn die letzten Wahllokale in Europa schließen. Neben den Niederländern konnten heute auch bereits die Briten wählen, dort werden allerdings keine Wahlprognosen veröffentlicht. In Deutschland wird am Sonntag abstimmt.

Linktipps: Alle Artikel von Süddeutscher Zeitung und SZ.de zur Europawahl finden Sie auf dieser Übersichtsseite. Was Europaskeptiker wie Geert Wilders antreibt, analysiert Kathrin Haimerl in diesem Text.