Stell dir vor, es ist Europawahl - und keiner klickt hin: Mit überladenen und amateurhaften Internetangeboten vergraulen die Parteien potentielle Wähler.
Ein Fußgänger ist auf dem Weg ins Wahlbüro, er passiert eine Straße, bleibt auf einem Gullydeckel stehen - und schwups, weg ist er. Schnitt! Markus Ferber, der CSU-Spitzenkandidat für Europa, lächelt in die Kamera. Und spricht: "Gehen Sie keine Gefahren ein. Nutzen Sie die Briefwahl."
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Der bayerische Asterix: Der CSU-Spitzenkandidat geht mit humorigen Videos in den Europawahlkampf. Damit liegt er voll im Trend. (© Screenshot: sueddeutsche.de)
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Das Video ist nicht etwa der neue Streich eines Satiremagazins, sondern ein Werbespot der CSU. Er heißt "7. Wahlsinn" - und wirft die Frage auf, ob die PR-Strategen der Parteien im Superwahljahr 2009 eigentlich wahlsinnig geworden sind.
Die Ferber-Spots, die es auf Youtube zu sehen gibt, sind nur ein Beispiel dafür, wie stiefmütterlich viele Parteien ihre Webauftritte noch immer gestalten. Dabei kratzt das Internet in der Gunst der Nutzer längst am Thron des Fernsehens, wenn es um Politik geht: Zwei Drittel der Teilnehmer der aktuellen W3B-Umfrage unter Internet-Nutzern gaben an, das Netz einzusetzen, um sich politisch zu informieren. Nur jeder Zehnte sucht dabei aber die Websites der Parteien auf.
Gerade bei der anstehenden Europawahl am 7. Juni ist Information vonnöten: Die EU ist in den Augen vieler Europäer noch immer ein Moloch der Bürokratie - entsprechend gering fiel die Wahlbeteiligung aus. Bei der Europawahl 2004 lag sie in Deutschland bei 43 Prozent.
Diesmal könnte es schlimmer kommen, weil der Wahltermin in drei Bundesländern mit den Pfingstferien kollidiert. Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte vorsichtshalber schon einmal an, er könne diesmal auch mit einer Wahlbeteiligung unter 50 Prozent leben - die Legitimation der EU sei trotzdem nicht gefährdet.
"Das große Problem der europäischen Politik ist ihre Darstellung", sagt Lutz Meyer, dessen Kommunikationsagentur Scholz & Friends eine EU-weite Kampagne entworfen hat, um Wähler an die Urne zu locken. Die deutschen Parteien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht unbedingt zu einer guten Darstellung beizutragen.
Statt gezielt zu informieren und zu werben, schießen sie ihre Botschaften mit dem Schrotgewehr in die Welt. Das Internet als Medium kennt keine Platzbeschränkung, das machen sich die Wahlkämpfer zu nutze. Statt Klasse wird Masse produziert, Inhalte werden beliebig oft wiederholt - in einigen Fällen sogar auf mehreren Websites. Das einstige Ideal des Internets, der schnelle Zugang zu Informationen, geht in dem Wust unter.
So frustriert beinahe jede Partei den potentiellen Wähler auf eigene Weise, statt das Potential zu nutzen, das im Internetwahlkampf liegt: Jeder dritte deutsche Nutzer gibt laut der W3B-Studie an, dass er das Netz nutzen will, um sich hinsichtlich der kommenden Bundestagswahl über Parteien und Parteiprogramme zu informieren. Beinahe jeder Vierte will versuchen, dort "detaillierte, persönliche Informationen" über Politiker zu erhalten. Und jeder Zehnte geht davon aus, dass das Internet "einen wesentlichen Einfluss auf seine Wahlentscheidung" haben wird.
Auf der nächsten Seite: Die Wahlkämpfer veröffentlichen Videos um jeden Preis - Qualität und Aussage sind zweitrangig.
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... den hier finde ich ganz gut: http://www.youtube.com/watch?v=b9muWWRo-Hw, und die Österreicher machen's wie Obama, personalisiert: http://www.waehledeineuropa.at/servlet/ContentServer?pagename=S05/Page/Index&n=S05_30.a&cid=1241796252160, bei den Grünen kippen die Dominosteine: http://kleinski.de/2009/05/09/der-europa-wahlclip-2009-der-gruenen/, irgendwo gibt's da auch noch einen personalisierten, aber den finde ich grad nicht...