Europawahl in den Niederlanden Rechtspopulist Wilders verliert viele Stimmen

Die Europawahl beginnt mit einer Überraschung: In den Niederlanden hat die Partei von Rechtspopulist Geert Wilders einer ersten Prognose zufolge eine Niederlage erlitten. Vorne liegen dagegen die pro-europäischen Parteien.

Von Thomas Kirchner

Die Europawahl in den Niederlanden ist wider Erwarten nicht zu einem Triumph für den Rechtspopulisten Geert Wilders geworden, der den Euro und die EU ablehnt. Zugelegt haben dagegen liberale, europafreundliche Mitte-Parteien. Laut einer Prognose, die das niederländische Fernsehen am Donnerstagabend nach Schließung der Wahllokale veröffentlichte, kam Wilders' Partei für die Freiheit (PVV) mit 12,2 Prozent der Stimmen nur auf den vierten Platz. Damit könnte sie statt bisher vier nur noch drei Abgeordnete ins Europäische Parlament schicken. 2009 hatte die PVV mit 17 Prozent auf Rang zwei gelegen.

Wilders sprach von einem "enttäuschenden Ergebnis" und machte die niedrige Wahlbeteiligung von nur 37 Prozent für das schlechte Ergebnis verantwortlich. Seine Partei werde jedoch "den Kampf in Brüssel fortsetzen" und nach weiteren Partnern für eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene suchen.

Die Zahlen beruhen auf einer Nachwahlbefragung des Instituts ipsos bei 40 000 Wählern in lediglich 44 quer durchs Land verteilten Wahlbüros. Eine Vertreterin des Instituts beteuerte aber, die Prognose werde vom Endresultat höchstens zwei Prozent abweichen. Etwa 12,5 Millionen Bürger waren aufgerufen, die 26 niederländischen Abgeordneten für Straßburg und Brüssel neu zu bestimmen.

An der Spitze lieferten sich ipsos zufolge der christdemokratische CDA (15,2 Prozent) und die linksliberale D66 (15,6) ein knappes Rennen. D66-Parteiführer Alexander Pechtold sprach von einer "überzeugenden Wahl für Europa". Die regierenden Sozialdemokraten verloren erwartungsgemäß kräftig Stimmen und ein Mandat. Die rechtsliberale Regierungspartei VVD verbuchte den Angaben zufolge leichte Gewinne und landete mit 12,3 Prozent auf Platz drei. Überraschend gut schnitt die andere europakritische Partei ab, die Sozialisten, die sich von sieben auf zehn Prozent verbesserten. Als enttäuschend werteten Beobachter die Wahlbeteiligung, die mit etwa 37 Prozent genauso niedrig blieb wie vor fünf Jahren.

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Die offiziellen Ergebnisse in den Niederlanden sollen erst am Sonntag bekanntgegeben werden, wenn Deutschland und alle anderen EU-Länder gewählt haben. Auch die Briten wählten schon am Donnerstag. Dort hielten sich die Medien an die Bitte der EU-Kommission, keine exit polls zu veröffentlichen, um die Wahl in anderen Ländern nicht zu beeinflussen.

Bis zum endgültigen Endergebnis dauert es noch

Insgesamt bewerben sich 16 351 Kandidaten aus 28 Ländern, aufgeführt auf 948 Wahllisten, bei 380 Millionen Wählern um die 751 Plätze im nächsten Europäischen Parlament. Am späten Sonntagabend, wenn um 23 Uhr das letzte Wahllokal in Italien geschlossen wird, soll es die ersten europaweiten Ergebnisse geben. Weil allerdings das Auszählen auf den fernen karibischen Inseln (darunter den französischen) oder auch in Irland und Italien etwas länger dauert, erwarten Experten im Europäischen Parlament das endgültige Ergebnis nicht vor Ende kommender Woche.

Erstmals sind die großen europäischen Parteienfamilien mit Spitzenkandidaten in den Wahlkampf gegangen. Der Kandidat des siegreichen Lagers kann bei entsprechenden Mehrheiten unter den 28 Staats- und Regierungschefs und im neuen Europäischen Parlament damit rechnen, Präsident der nächsten EU-Kommission zu werden, die in diesem Herbst gebildet werden soll.

Umfragen zufolge werden Rechtspopulisten und Rechtsextreme in der Wählergunst zulegen. Die nationalistische Unabhängigkeitspartei Ukip könnte in Großbritannien knapp 30 Prozent und damit die meisten Stimmen bekommen.