Wir haben uns angewöhnt, über Europa zu mäkeln. Doch Europa ist ein Wunder - und wir haben verlernt, dieses Wunder zu sehen.
Der Europawahlkampf läuft ziemlich matt dahin. Wir haben es uns angewöhnt, über Europa zu mäkeln, wie es die Schüler über die Schule tun.
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Traum Europa: Nie konnten sich die Bewohner dieses Kontinents so frei bewegen, nie gab es so wenig Schranken, Grenzen, Hemmnisse. (© Foto: dpa)
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Wir haben es uns angewöhnt, über die Bürokratie von Brüssel zu klagen, über die Demokratiedefizite, über die Kosten, über den Wirrwarr von Richtlinien.
Und die meisten Politiker mäkeln kräftig mit. Früher haben sie ihre Reden mit dem Satz begonnen: "Ich bin für Europa, und deshalb ..." Heute reden selbst die Europa-Befürworter wie folgt: "Ich bin für Europa, aber ..." Wir haben verlernt, das Wunder zu sehen.
Europa ist ein Wunder. Dieses Europa der Europäischen Union ist das Beste, was Europa je passiert ist.
Es sind Pfingstferien - und wir fahren nach Florenz und nach Nizza, nach Prag, Athen und Kopenhagen, wir laufen durch die Museen, durch die Klöster, Schlösser und Gärten, Kirchen und Tempel, wir sind vergnügt, schauen mit großen Augen - und sehen trotzdem nicht, wie diese Europäische Union all dies bewahrt, in sich birgt und darauf aufbaut.
Wie würde Joseph Roth, der große Schriftsteller, der Herzens-Europäer, heute durch dieses neue Europa gehen?
1932 hat er in der Frankfurter Zeitung, im Vorwort zu seinem "Radetzkymarsch", bittere Klage geführt über den Untergang des alten Europa: "Ein grausamer Wille der Geschichte hat mein altes Vaterland, die österreichisch-ungarische Monarchie, zertrümmert. Ich habe es geliebt, dieses Vaterland, das mir erlaubte, ein Patriot und ein Weltbürger zugleich zu sein, ein Österreicher und ein Deutscher unter allen österreichischen Völkern. Ich habe die Tugenden und die Vorzüge dieses Vaterlands geliebt, und ich liebe heute, da es verstorben und verloren ist, auch noch seine Fehler und Schwächen."
Aus Trauer über den Untergang des alten Europa und des Vielvölkersstaates der Habsburger hat er sich damals erst in die Kapuzinergruft und dann in den Alkohol geflüchtet. Herrgott, wie würde dieser Joseph Roth heute schreiben!
Er würde jubilieren, er würde tanzen in seinem Café Tournon, er würde schreiben und schreiben. Er würde die europäische Geschichte tanzen lassen. Und es wäre ihm schwindlig vor Glück: Sein altes Europa ist ganz neu auferstanden, größer, friedlicher, einiger denn je.
Nie konnten sich die Menschen dieses Kontinents in diesem Kontinent so frei bewegen, nie gab es so wenig Schranken, Grenzen, Hemmnisse.
Millionen Urlauber erfahren und erleben es wieder in diesen Pfingsttagen. Mehr denn je können die Menschen in diesem Europa das sein, was Joseph Roth sein wollte: Patriot und Weltbürger.
Pfingsten ist ja das Fest des Geistes: Wenn dieser Geist endlich wieder in die Europäer fährt, dann müsste die Wahlbeteiligung am 7. Juni bei 90 Prozent liegen. Jeder Wahlschein ist eine europäische Eintrittskarte.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/gba/odg)
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Politiker und ihre Pannen
Europa besteht aus den europäischen Ländern. Die EU ist eine Spielwiese der neoliberalen Ausbeuter und Börsenhasardeure, denen es noch nie so gut gegangen ist, wie die letzten Jahrzehnte. Jetzt hätten sie sich allerdings fast selbst und die ganze Welt umgebracht. Zusammen mit ihrem Vorbild USA. Und die EU-Politik wird vor allem von Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien usw. bestimmt, von denen sich Großbritannien "solidarisch" einfach einen 50% Rabatt nimmt, Frankreich Agrarförderungen bis zum Abwinken einsackt, Spanien und Italien auch machen und fordern, was sie wollen und dabei nicht die geringste Rücksicht auf andere EU-Länder nehmen. Und militärisch machen GBR, F, D und auch, was sie wollen. Und da die Macher der EU den Zusammenbruch der Weltwirtschaft und Kaufkraft der Arbeit- und Dienstnehmer noch nicht ganz geschafft haben, starten sie jetzt einen neuen Versuch, das zu schaffen, indem sie sich Milliarden aus dem Staatssäckel holen und kräftig die Einkommen der Konsumenten zurückschneiden. Komisch übrigens, müßte nicht eigentlich umgekehrt der Staat, der lt. diesen unfähigen Angebern kein Geld hat und nicht wirtschaften kann, diesen Machern Milliarden und Haftungen für den Staat abnehmen?
ist das Beste, was Europa je passiert ist." Ja Herr Prantl, ich will Ihnen voll zustimmen. Wer an die blutige, kriegerische Vergangenheit, an all die entsetzlichen Vorurteile in allen Kreisen der Bevölkerungen, über das jeweilige "Ausland" denkt und diese Katastrophen mit den heutigen, wunderbar freien und friedlichen Zuständen vergleicht, muss in seinem Denken sehr beschränkt oder verblendet sein, wenn er unser jetziges Europa gering schätzt. Der Gedanke an ein vereintes Europa war der Anfang eines neuen, besseren Kontinents Europa.
Viele Bezirksfürsten werden ihre eigene Herrlichkeit einzuschränken haben, aber das sollte die Bürger, die Wähler unseres Erdteils nicht daran hindern, durch ihre Stimmabgabe,
freiem und friedlichen Zusammenleben eine gute und menschliche Zukunft zu ermöglichen.
Herr Prantl, so richtig es ist, daß ein friedliches Europa schön und erstrebenswert ist so einseitig ist es die schlechten Punkte in dieser Union auszublenden. Agrarsubventionen, Bürokratie und Politik an den Menschen vorbei. Ob das im Sinne Roths wäre?
"Derjenige ist vom Ernst des Lebens halb verschont, der in München wohnt." E.Roth