Grüne und FDP sind sich spinnefeind. Wenn Bewegung in die Politik kommen soll, müssen die kleinen Parteien ihre Abneigung überwinden.
Man kann unterschiedliche Wahlen nur schlecht miteinander vergleichen. Dennoch liefern die Europawahl und die Kommunalwahlen, die in sieben Bundesländern stattgefunden haben, einen wichtigen gemeinsamen Befund: Vor allem in den großen Städten sind die Wähler in Bewegung geraten, und es ist eine Bewegung weg von den großen Parteien.
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Partei-Fähnchen vor dem Reichstag: Die Wählerschichten, die Grüne und FDP in den Städten ansprechen, trennen keine Welten. Im Gegenteil, sie pflegen oft den gleichen Lebensstil. (© Foto: dpa)
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Eine Bewegung, die auf der großen politischen Bühne keine Konsequenzen hat, weil sie quer zu den beiden Lagern verläuft. Denn die beiden Profiteure, die Grünen und die FDP, wollen noch immer nichts miteinander zu tun haben und verkennen dabei, wie groß die Schnittmenge ihrer Wähler inzwischen ist.
Die Grünen, deren Domäne die Städte schon immer waren, sind dort längst dem links-alternativen Milieu entwachsen, dem sie die Erfolge der ersten Jahre verdanken. Wer in einer konservativen Stadt wie Stuttgart bei einer Kommunalwahl mit der CDU fast gleichauf liegt, schafft das nicht mit einer Mischung aus umweltbewegten Studenten und Alt-68ern. Sondern der ist weit in die traditionellen bürgerlichen Wählerschichten eingedrungen.
Zurück ins städtische Milieu
In München beispielsweise sind die Grünen bei der Europawahl in sechs Stadtbezirken stärkste Partei geworden, mit Prozentsätzen zwischen 25 und 35 Prozent. Es sind innerstädtische Bezirke, in denen vor allem die gutverdienende, gebildete, politisch interessierte Mittelschicht lebt. Dort sind die Grünen zu einer Volkspartei geworden.
In dieses städtisch-aufgeklärte Milieu ist aber auch die FDP zurückgekehrt. Lange Jahre haben die Liberalen sich nie gefragt, warum sie in den Städten so viel schlechter abgeschnitten haben als die Grünen, vor allem in Städten mit Universitäten, obwohl dort doch die klassische liberale Klientel zu Hause ist. Mittlerweile findet die FDP in diesen Kreisen wieder mehr Anklang.
Die Wählerschichten, die Grüne und FDP in den Städten ansprechen, trennen keine Welten. Im Gegenteil, sie pflegen oft den gleichen Lebensstil: Man verreist gerne, schickt seine Kinder in gute Schulen, ernährt sich gut und teuer, lebt in Maßen umweltbewusst, ist kulturell und gesellschaftlich interessiert.
Stupides Lagerdenken
Vor allem aber sind es Wähler, die den Glauben an den Staat als ordnende und beschützende Instanz verloren haben - so, wie er von den beiden (Noch-)Volksparteien verkörpert wird, die sich in ihren Lösungsansätzen in den Jahren der großen Koalition immer ähnlicher geworden sind. Es sind Wähler, die sich von der Politik nicht eine Lösung für alle und für alles wünschen, sondern einen Rahmen, der Spielraum lässt für flexible Lösungen.
Doch warum erwächst daraus kein gemeinsames Projekt, mit dem Wählermilieus zusammengebracht werden, die ziemlich ähnlich ticken? Die beiden kleinen Parteien verharren in ihrem stupiden Lagerdenken und betonen stets nur die Unterschiede (die es natürlich gibt). Grüne und FDP sind sich weiterhin spinnefeind.
Eine Jamaika-Koalition zusammen mit Union und FDP hat der Parteitag der Grünen vor wenigen Wochen kategorisch ausgeschlossen, eine Ampel-Koalition würde nur unter großen Bauchschmerzen zustande kommen. Und für die FDP hat ihr Generalsekretär Dirk Niebel eben erst wieder phantasielos getönt, für seine Partei komme nur Schwarz-Gelb in Frage.
Hamburg als Wegweiser
Wie schwer der Ausbruch aus dem traditionellen Lagerdenken ist, zeigt das Europa-Wahlergebnis in Hamburg. Dort wurden die Grünen für den schwarz-grünen Tabubruch entgegen dem Bundestrend abgestraft und auch die CDU verlor überdurchschnittlich.
Wenn wirklich Bewegung in die deutsche Politik geraten soll, müssen FDP und Grüne ihre gegenseitige Abneigung überwinden. Weder eine erneute große Koalition noch die Neuauflage der Ära Kohl in einem schwarz-gelben Bündnis versprechen die notwendige Dynamik. Eine Regierung, deren Nukleus grün-gelb wäre, könnte es vielleicht.
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(SZ vom 9.06.2009/mikö)
"The Substance" im Kino
nicht nur phantasie- sondern auch verantwortungslos sind die sogenannten Liberlalen. Dass sich die Sozialdemokraten immer wieder bis zur Selbstaufgabe verbiegen und die Ampel rot/grün/gelb ins Gespräch bringen ist zwar kaum zu ertragen aber immerhin ist dies wesentlich konstruktiver als die Betonköpfigkeit der FDP. Diese Partei wird mit ihrer Unbeweglichkeit dazu beitragen, dass es womöglich wieder zu einer Großen Koalaition nach der Bundestagswahl im Herbst komen wird. Eigentlich hätte ich den Herren und Damen der FDP soviel Intelligenz zugetraut, diese mögliche Folge abzusehen. Wobei ich klar sagen will, einer Neuauflage von Schwarz/Rot den eindeutigen Vorzug vor Schwarz/Gelb zu geben. Gott möge uns vor FDP-Ministern verschonen.
Der Sonntagabend war entsetzlich, ich gebe es zu, aber die großen Erfolge der Grünen bei
den Kommunal- und Europawahlen haben ein bisschen versöhnt. Dass Bündnis 90/Die Grünen drittstärkste Partei geworden sind, war eine absolute Genugtuung.
"The-eggs: Steuerschlupflöcher beseitigen. Leicht gesagt - fast unmöglich 100 prozentig umzusetzen. Denn wenn Sie von den 10 Schlupflöchern 8 oder 9 zustopen, dann wird die Maus nicht Selbstmord begehen, sondern die Restlichen nutzen und eifrig neue Löcher bohren. Das ist der Preis der Demokratie."
Das ist reine Schwarzmalerei. Warum soll das nicht gehen? Klar werden einige versuchen, auf die Barrikaden zu gehen. Besitzstandswahrer gibt es in allen Bereichen.
Der Professor aus Heidelberg hat es mal in einem Radiobeitrag ganz klar auf den Punkt gebracht, es ist mehr ein Mentalitätsproblem als ein finanzielles. Unser Steuersystem schreit danach, ausgenutzt zu werden. Wer Steuern zahlt, macht was falsch. So ungefähr. Unter Kohl hatten wir einen höheren Höchstsatz, richtig erkannt. Die Schlupflöcher damals waren aber bei weitem ausgeprägter als unter Schröder. Da muss angesetzt werden. Das gleiche gilt für das viel zu teure Sozialversicherungssystem, da plädiere ich auch für weitreichende Änderungen.
Einfach die hohen Einkommen pauschal über Gebühr zu versteuern halte ich für absolut kontraproduktiv, wo soll da die Grenze gezogen werden? Hier wurde ja jetzt sehr mit Zahlen jongliert, die belegen, dass reich sein noch lange nicht reich sein bedeutet. Insofern bleibt es dabei, in bester Oscarmanier gebetsmühlenartig zu wiederholen, es den Reichen zu nehmen, hat einzig den Effekt, die Neiddebatte zu füttern und sich Wählerstimmen zu ergaunern.
Das brave Rentnerpaar und sein klein Häuschen, Ankur, das ist billig, dafür gibts natürlich a) den günstigeren Einheitswert und b) den Vermögenssteuerfreibetrag, das wissen Sie.
Vermögende verlassen das Land. In ast allen zivilisierten Industriestaaten gibt es die Vermögenssteuer - alle haben sich mit dieser kleinen Abgabe arrangiert. Natürlich wäre eine Steuerharmonisierung zumindest in der EG sinnvoll.
The-eggs: Steuerschlupflöcher beseitigen. Leicht gesagt - fast unmöglich 100 prozentig umzusetzen. Denn wenn Sie von den 10 Schlupflöchern 8 oder 9 zustopen, dann wird die Maus nicht Selbstmord begehen, sondern die Restlichen nutzen und eifrig neue Löcher bohren. Das ist der Preis der Demokratie.
5 Millionen Menschen a 250.000 pro Nase, woher stammt diese Zahl schon wieder? Oder bedeutet Vermögen auch Immobilienbesitz? ich schätze, das Rentnerpaar mit dem bezahlten Haus für 300.000 wird sich bedanken, wenn es 1% Steuer = 3000 Euro im Jahr abdrücken darf damit der Saarkaiser was zum Umverteilen hat. Oder der Selbstständige, der mit Eintritt des Ruhestandes und einer angepeilten Rente von 2700-3000 (entspricht Pension eines A13 Beamten wie eines Lehrers, minus ca 700 eigene Krankenversicherung) für statistische 19 Jahre etwa 500.000 Vermögen braucht. 5000 Sonderabgabe im Jahr ist dem sicher leicht zu vermitteln. Und in diesem Fall steht der Mann 3 Minuten nach Verabschiedung eines solchen gesetzes vorm Verfassungsgericht. Denn Rentenansprüche sind bekanntlich kein Vermögen und wären nicht besteuert.
Wenn Sie aber Altersrückstellungen / Versicherungen sowie selbst genutzte Immobilien von der Vermögenssteuer befreien, dann werden Ihnen geschätzt 2/3 der von Ihnen angepeilten Einnahmen aus der Vermögenssteuer fehlen. Der Kreis wird klein, ist reich und der ist vermutlich schnell weg. Viel Spass beim Mauerbau. Es sei denn, Sie schaffen eine europaweit einheitliche Vermögenssteuer und einen einheitlichen Spitzensteuersatz. Aber dann wird die Schweiz wegen Überfüllung geschlossen ;-)
Sehr guter Beitrag, dem kann ich zustimmen.
Steueraufkommen/hinterziehung/verteilung. Jeder Bundesbürger versucht soweit es ihm möglich ist, Steuern zu vermeiden. Wir bekommen sehr früh implementiert, Steuern seien schlecht und viel zu hoch. das liegt nicht zuletzt an diesem Steuersystem an sich. Etliche Schlupflöcher, je besser man verdient, desto besser lassen sich Steuerlöcher finden, entsprechend des Könnens des Steuerberaters. Der Gerechtigkeit halber werden auch den geringen Einkommen Rabatte und Freibeträge gewährt.
Ich sehe nur eine Lösung, es muss ein Steuersystem her, klar und verständlich, gerecht verteilt, so dass es wieder den Eindruck vermittelt, dass Steuern sehr wichtig sind und man damit erheblich zum Gemeinwohl beiträgt. Auch wenn eine Entlastung der oberen Einkommen stattgefunden hat, sind höhere Einkommen dennoch die, die am meisten zahlen. So muss es auch sein, es muss aber vermieden werden, dass Besser- und Gutverdiener nicht das Gefühl bekommen, man versteuere sein Geld doppelt und dreifach. Da gehts dann schon los mit dem Ungerechtigkeitsempfinden.
Also, weg mit Schlupflöchern, klares Steuersystem her, so entfallen dem Staat auch keine Einnahmen durch getrickste Steuerbescheide, gleichzeitig hilft es, Bürokratie abzubauen.
Ich muss da leider nochmal auf die fdp verweisen, denen ich sowas derzeit am ehesten zutrauen. Die Grünen ließen sich sicher ebenfalls für sowas begeistern. Wenn man denn mal einen wirklich großen Wurf möchte
Paging