Der Bericht des Europarat-Sonderermittlers Dick Marty erhebt schwere Vorwürfe gegen CIA, die USA und viele europäische Länder, darunter auch Deutschland. Sueddeutsche.de fasst die zehn wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
1. Entführungen und Folter weltweit "Was bisher nur Vorwürfe waren, ist jetzt bewiesen": Weltweit wurde eine große Anzahl Menschen entführt und andere Länder verschleppt, wo sie verfolgt und gefoltert wurden. Dies geschah ohne konkrete Vorwürfe gegen die Verdächtigen und ohne jegliche Kontrolle durch die Justiz.
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Sonderermittler Dick Marty erhebt schwere Vorwürfe, auch gegen Deutschland. (© Foto: ap)
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2. Keine Entschuldigung bei Fehlern Einige der Betroffenen wurden tausende Kilometer durch die Welt transportiert und physisch und psychisch mißhandelt, um dann kommentarlos freigelassen zu werden, weil die CIA die Falschen erwischt hatte. Die Betroffenen haben bis heute weder Kompensationen noch eine Entschuldigung erhalten.
3. Kollaboration und Verschleierung Die Amerikaner arbeiteten in ihrem Terrorkampf auf unterschiedlichen institutionellen Ebenen mit ihren Partnerländern zusammen, auch mit vielen Mitglieder des Europarats. Kaum eines davon steht bisher zu seiner Verantwortung. Statt dessen haben die kollaborierenden Staaten ihr möglichstes getan, um ihre Aktivitäten zu verbergen und weigerten sich teilweise sogar, den Fragebogen für den Bericht des Sonderermittlers zu beantworten.
4. "Legale Apartheid" Die Entführungen und Verschleppungen sowie die Gefängnisaufenthalte und die Folter fanden ausschließlich außerhalb des amerikanischen Territoriums statt. Ebenso war kein einziger amerikanischer Staatsbürger von den Maßnahmen betroffen, die nach amerikanischen Recht zweifellos unrechtmäßig und verfassungswidrig sind. Doch auch in Europa sind die Aktionen absolut unzulässig.
Der Marty-Bericht bewertet dieses Messen nach zweierlei Maß als "legale Apartheid" und wirft den USA Überheblichkeit vor.
5. Staatsgeheimnisse Einige europäische Regierungen, darunter Deutschland und Italien, benutzten - und benutzen immer noch -das Konzept von "Staatsgeheimnissen", um Geheimhaltung sogar vor Parlament und Justiz zu gewährleisten. Der Marty-Bericht fordert, dass Staatsgeheimnisse nicht zur Verschleierung von Menschenrechtsverletzungen verwendet werden dürfen und in Zukunft strengerer Kontrolle unterliegen sollen.
6. Beweise vorhanden Für die geheimem Gefängnisse, die in Polen und Rumänien von 2003 bis 2005 existiert haben, liegen nun genügend Beweise vor. Das Ziel des HVD-Programms der CIA (HVD=high valuable detainee, zu deutsch: äußerst wichtiger Gefangener) war: "Terrorverdächtige zu töten, zu fangen und unter Verschluss zu halten".
7. CIA direkt verantwortlich Die geheimen Straflager in Europa wurden ausschließlich und direkt von der CIA betrieben, weswegen der Bericht dem Geheimdienst die volle Verantwortung zuweist. Lokale Angestellte hatten keinen Kontakt zu den Gefangenen und lokale Verantwortungsträger waren nicht informiert. Daraus schließt Sonderermitter Marty, dass in den betroffenen Ländern nur jeweils die höchsten Amtsträger von den Aktivitäten der CIA wussten.
8. Unter dem Dach der Nato Die für die Errichtung der Gefangenenlager notwendigen Absprachen wurden vermutlich am Rande eines Nato-Treffens zum Terror-Kamof am 4. Oktober 2001 getroffen. Viele der Vereinbarungen werden immer noch geheim gehalten.
9. Europa zu passiv Die internationale Staatengemeinschaft hat keine einheitliche Strategie, wie der Terror zu bekämpfen sei. Europa verhält sich diesbezüglich "tragischerweise passiv".
10. Kontrolle der Geheimdienste Die Geheimdienste kämpfen, so der Marty-Bericht, einen wichtigen und legitimen Kampf gegen den Terror. Dennoch argumentiert Marty stark für eine stärkere und gründlichere Kontrolle der Geheimdienste. Das Fazit: Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel.
(sueddeutsche.de)
Das, was wir mal als westliche Werte hochgehalten haben, ist dahin. Reden wir einfach nicht mehr darüber.
Dick Marty darf noch sprechen. Das gibt uns das beruhigende Gefühl von Meinungsfreiheit.
Gute Nacht, liberales Europa. Schlaf gut an der Seite deiner schlimmen Geliebten CIA. Deine Hörigkeit wird dir noch mal verdammt leid tun.
Erwartet vielleicht jemand das es besser wird???
Ich weis nicht so recht was ich davon halten soll!
Ich bin der Meinung solche Methoden gibt es schon seit Jahren und nicht nur von den Amis! Ich denke das ist nur die Spitze des Eisberges und eines ist ganz gewiss - wir werden nie die komplette Wahrheit (wer wie was wann wusste und ignorierte...) erfahren - dafür werden die Zuständigen schon sorgen! Ist aber schon sehr beunruhigend...
Es ist doch hinlänglich bekannt, d.h. nachweisbar, dass etliche der Nattern, die uns jetzt zusetzen, am Busen der CIA erst großgezogen und genährt wurden (Stichwort: "Konflikte niederer Intensität").
Da erscheint es mir doch ziemlich verwegen, dieser Närhmutter jetzt zu erlauben, im Kampf gegen die eigene Brut wiederum eine Rechtsverletzung nach der anderen durchgehen zu lassen. Wo bitte wird denn der Endpunkt sein?
Nein, m.E. sind diese Vorkommnisse permanente Anschläge auf unsere freiheitlichen Gesellschaften.
Lieber Herr Jurist
Es ist nicht von ungefähr, dass sich Ländern, die sich als Rechtsstaaten bezeichnen, von Folter verabschiedet haben. Das Gleiche gilt für Entführungen von Personen durch Geheimdienste. Das Problem bei derartigen Praktiken ist ihre Präzedenzwirkung. Wenn man einmal damit anfängt, dann stellt sich die Frage für welche Bereiche gilt es dann und wo hört es auf.
Wer definiert und welchen Kriterien, wann und bei wem entführt und gefoltert werden darf oder nicht? Bei solchen Praktiken sind die Institutionen des Rechtsstaats ja nicht beteiligt. Wer entscheidet also, der Kommendant vor Ort oder der Geheimdienstchef, oder jeder für sich nach eigenen Gutdünken?
Wer garantiert dann, dass Unschuldige nicht betroffen werden? Darf man auch Frauen oder gar Kinder foltern?
Sie sehen Herr Jurist, dass die Materie äusserst schwierig ist.
Und wohin es führt konnten wir in Abu Ghraib sehen, von anderen Folteranstalten gibt es leider keine Bilder.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich habe absolut nichts übrig für die islamistischen Massenmörder. Nur ändert es nichts an der oben geschilderten Problematik.
Paging