Russlands Präsident Medwedjew will Europas Sicherheitssystem reformieren. Unterstützung bekommt er von seinem französischen Amtskollegen Sarkozy.

Russland und Frankreich wollen die kollektive Sicherheit in Europa vertraglich auf eine neue Grundlage stellen. Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew schlug dazu ein "Sonderforum" der "Führer aller europäischen Staaten" vor.

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Der französische Präsident Nicolas Sarkozy (l.) und sein russischer Amtskollege Dmitrij Medwedjew (r.) am Rande der Konferenz von Evian. (© Foto: AFP)

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Sein französischer Amtskollege Nicolas Sarkozy forderte eine Gipfelkonferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), um über den Medwedjew-Plan und die Vorstellungen der EU zu diskutieren. Europas Sicherheitssystem müsse von Grund auf neu aufgebaut werden, meinte Sarkozy.

Zu den Grundprinzipien des Sicherheitspaktes müsse die "gleiche Sicherheit für alle" gehören, sagte Medwedjew auf der International Policy Conference in Evian in den französischen Alpen. Dabei wandte er sich gegen den Ausbau der Nato. "Kein Land sollte seine eigene Sicherheit zu Lasten eines anderen gewährleisten", sagte er. "Wir sollten nicht zulassen, dass die Entwicklung von Militärbündnissen die Sicherheit anderer Mitglieder des Vertrages beeinträchtigt."

"Nicht etwas Bestehendes zerstören"

Russland ist strikt gegen die weitere Osterweiterung der Nato auf die Ukraine oder Georgien. Bei der Erarbeitung des Vertrages müsse man die Bedeutung der bestehenden Strukturen prüfen, sagte Medwedjew. "Wir schlagen nicht vor, etwas Bestehendes (die Nato) zu zerstören oder auch nur zu schwächen. Wir reden über harmonischeres Handeln auf der Basis gemeinsamer Regeln."

Medwedjew hatte die Idee eines Sicherheitsvertrages bereits im Juni in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgetragen, war aber auf keine große Gegenliebe gestoßen. "Die Reparatur der europäischen Sicherheitsarchitektur muss beschleunigt werden", sagte der russische Präsident in Evian. "Sonst wird sie weiter verfallen und zu mehr akuten Krisen der Sicherheit und Rüstungskontrolle führen."

Der Sicherheitsvertrag solle die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit aller Staaten garantieren. Gewalt und ihre Androhung müssten untersagt werden.

Sarkozy griff den Medwedjew-Plan auf. "Wir sind bereit, darüber zu diskutieren", sagte er in seinem Schlusswort auf der Konferenz in Evian. Sarkozy zitierte ausdrücklich Medwedjews Formulierung einer Sicherheit "von Vancouver bis Wladiwostok", was auch Nordamerika umfasst.

Als "extrem wichtig" bezeichnete Medwedjew die Unterzeichnung eines "neuen, rechtlich verbindlichen russisch-amerikanischen Vertrages über die atomare Abrüstung". Er solle den Vertrag über strategische Offensivwaffen ablösen, der 2009 ausläuft. "Es muss ein Vertrag sein, keine Erklärung", sagte Medwedjew. Er warte auf die "positive Reaktion" der USA.

Der russische Präsident warf Washington dabei vor, aus Drang zur weltweiten Vorherrschaft die "historische Chance" verpasst zu haben, "die Ideologie aus der Weltpolitik herauszunehmen und eine wahrhaft demokratische Weltordnung zu schaffen".

Als Beispiele nannte er den Ausstieg aus dem Vertrag über Interkontinentalraketen, die Invasion des Iraks und den Aufbau von Militärstützpunkten um Russland herum sowie das in Polen und Tschechien geplante Raketensystem. "Den Warschauer Pakt gibt es seit fast 20 Jahren nicht mehr", sagte Medwedjew. Die alte Angst vor der Sowjetunion sei "wie Paranoia eine sehr gefährliche Krankheit und es ist schade, dass ein Teil der US-Regierung immer noch darunter leidet".

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(dpa/ssc/buma)