Das Nein der Iren war ein weiterer Rückschlag für den europäischen Reformprozess. Wie Europa trotz des Neins der Iren den Vertrag von Lissabon noch retten könnte.
Nach dem irischen Nein zum europäischen Reformvertrag stellt sich für Europa die Frage, ob Deutschland wirklich in dieser Europäischen Union bleiben will. Ja, Deutschland.
Wenn die EU eine direkte Demokratie wäre, müsste man das Nein der Iren tatsächlich anders bewerten. (© Foto: dpa)
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Ich schreibe als jemand, der meint, dass die EU die institutionellen Reformen des Vertrags von Lissabon braucht, und als jemand, der es bedauert, dass die Mehrheit der Iren diesen abgelehnt hat - aus einem Wirrwarr von Motiven, von denen einige offenbar wenig mit dem tatsächlichen Inhalt des Vertrags zu tun hatten.
Aber schockiert war ich von den ersten Reaktionen des deutschen Außen- und des Innenministers. Der Ton und die Implikation ihrer Äußerungen war: Ihr dummen, kleinen irischen Wähler, überlegt es euch noch einmal und kommt mit der richtigen Antwort zurück - andernfalls müssen wir euch vor die Tür setzen. (Außenminister Frank-Walter Steinmeier dachte laut über die Möglichkeit nach, dass Irland "den Weg frei machen könnte für einen weiteren Integrationsprozess der 26 übrigen Staaten".) Oder wir Deutschen, Franzosen und anderen guten Europäer machen alleine weiter - als Kern-Europa. Die eiserne Faust war kaum mit einem Samthandschuh geschmückt.
EU heißt indirekte Demokratie
"Es kann ja nicht sein", sagte Innenminister Wolfgang Schäuble, ein alter Fürsprecher eines Kern-Europas, "dass ein paar Millionen Iren für 495 Millionen Europäer die Entscheidung treffen." Damit hätte er auch recht, wenn die EU eine direkte Demokratie wäre, aber das ist sie nicht - oder zumindest nur in dem geringeren Teil, zu dem ihre Legitimation aus der Direktwahl der Abgeordneten für das Europäische Parlament stammt.
Die EU ist immer noch hauptsächlich eine indirekte Demokratie. Das heißt, jeder Mitgliedstaat muss eigene Entscheidungen auf seine eigene Art fällen. Wie in einem Konvoi oder einer Großfamilie dauert alles länger. Langsamere Schiffe und griesgrämige Vettern müssen umsorgt werden. Aber genau das ist es, was es ausmacht, eine Europäische Gemeinschaft zu sein, und keine Vereinigten Staaten von Europa oder ein Bündnis, das von einem einzigen Land dominiert wird.
Taktisch gesehen, war die deutsche Reaktion auf jeden Fall die schlechtestmögliche. Nichts konnte besser dafür sorgen, dass die Iren ein zweites Mal nein sagen würden - vorausgesetzt, ihre Regierung wagt es überhaupt, sie noch einmal zu fragen. Der Unterschied zur deutschen Reaktion auf das französische "Nein" im Jahr 2005 ist auffallend. Wenn Frankreich nein sagt, hat Europa ein Problem. Wenn Irland nein sagt, hat Irland ein Problem. Große und kleine Staaten werden mit zweierlei Maß gemessen.
Zum Glück sahen nur die ersten Reaktionen so aus. Während es Frust und Ungeduld gibt, planen die EU-Regierungschefs nun - inklusive der klugen und konsensbildenden deutschen Kanzlerin Angela Merkel -, der irischen Regierung das zu geben, um was sie gebeten hat: Zeit und Handlungsspielraum. Das war der Geist des Europäischen Rates, der sich in Brüssel über diese Frage den Kopf zerbrach.
Zwangsläufig ist von einem Plan B die Rede. In Wirklichkeit arbeitet Europa jetzt an Plan D - und sollte auch über einen Plan E nachdenken. Plan A war eine Europäische Verfassung. Was am Ende herauskam, war viel weniger: keine Verfassung, sondern ein "Vertrag über eine Verfassung für Europa" - Plan B . Als in Frankreich und den Niederlanden zwei Kernländer des mutmaßlichen Kern-Europas dem nicht zustimmten, gruppierten sich die Regierungschefs neu und gingen zu Plan C über - dem noch bescheideneren Vertrag von Lissabon.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, aus welchen drei Teilen der richtige Plan für Europa besteht ...
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Kanzlerin Merkel und die Macht
unsere repräsentative Demokratie ist leider Vergangenheit, die Abgeordneten vertreten nicht mehr die Meinung des Volkes, sondern sind interessen-gesteuert. Nur wenige Abgeordnete haben den Vertrag gelesen, er wurde erst kurz vor der Abstimmung zugänglich. Einer meiner Bekannten hat in einem bayerischen Wahlkreis eine Probeabstimmung zum Thema EU-Vertrag durchgeführt. Das Ergebnis war eindeutig. Als er den Bundestagsabgeordneten damit konfrontierte, sagte dieser, da gab es Fraktionszwang, es war nichts zu machen. So funktioniert die representative Demokratie: Man gewinnt (kauft) die Spitzenleute (Elite), diese zwingt ihren Willen dann dem Rest des Abgeordneten auf. Bei einem Vertrag, der vor kurzem noch Verfassung hieß, der über dem Grundgesetz also unserer Verfassung steht, muss das Volk gefragt werden, wir können nicht zentrale Rechte nach Brüssel abgeben durch Bundestagsentscheidungen. Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt die Wahl, sich selbst überflüssig zu machen, wenn es den EU Vertrag billigt oder nicht. Statt zum BVG dürfen wir dann zum EuGH gehen. Wie dort entschieden wird haben wir mehrfach gesehen.
die Bevölkerung Europas, nicht direkt an der Gestaltung Europas teilhaben darf, ist und wird es kein Europa. So wird es ein Europa der Lobbyisten, Politiker, der (Unkontrollierten) Energie Wirtschaft, der Missmanager, Ausbeuter sprich Heuschrecken. Und in Zeiten der Globalisierung sollte man sich schon einig sein. Ein Starkes einiges Europa oder wieder Mal die Zeit verpennen und wach werden wenn die Globalisierungspolitik uns kalt erwischt oder uns gar überrollt.
Werden wir wach. USA, Russland, China, Indien, Süd-Ost-Asien wo steht das (uneinige) Europa?
Ansonsten halten wir die Fahne Europas in die Richtung woher der Wind bläst. Ein peinliches Europa in dem wir leben. Sorry!
Wie hätten denn Sie abgestimmt, wenn Sie wie die Iren danach gefragt worden wären?
Haben Sie denn die mundgerechter gemachte "Verfassung" gelesen? Und in allen Teilen verstanden?
Wie hoch veranschlagen Sie den Prozentsatz der Iren, die das Werk gelesen und verstanden haben?
Und wie hoch den Prozentsatz derer, die auf die Gegenpropaganda hereingefallen sind?
Meine Schlussfrage - nicht nur an Sie:
WOZU, wenn nicht beispielsweise DAZU, leisten sich sowohl die Iren als auch alle anderen EU-Mitgliedsländer -ziemlich ordentlich- bezahlte
- Abgeordnete und
- von denen gewählte Regierungen?
Wer, wie anscheinend auch Sie, in derart wichtigen, internationalen Fragen auf die Vox populi vertraut, statt die gewählten Volksvertreter und die Regierung entscheiden zu lassen, misstraut denen nicht nur, sondern
- überschätzt die Urteilsfähigkeit der Völker und
- unterschätzt die menschliche Dumm-und Trägheit!
Gegen Volksabstimmungen zu lokalen oder im engeren Sinne lediglich innenpolitisch bedeutsamen Fragen, die zumindest für die Mehrheit der Wähler verständlich und begreifbar sind bis hin zu Fragen der Besteuerung habe ich dagegen nichts einzuwenden; besonders die Schweiz -bei Wahlbeteiligungen um die 40%(!)- hat damit seit Jahrzehnten überwiegend gute Erfahrungen gemacht.
Von dieserAussen-Ansicht des Herrn Ash kann man allenfalls das kleine abc lernen. Die Völker Europas wollen diese EU nicht. Die EU ist nach wie vor nicht mehr und nicht weniger als eine Wirtschaftsgemeinschaft. Was sie im Agrarsektor angerichtet hat, soll jetzt auf alle anderen Bereiche übertragen werden. Erhebliche Defizite gibt es bei Demokratieverständnis (siehe jüngste Abstimmung der Iren) und Sozialcharta. Warum sollen wir unsere erfolgreichen hart erkämpften Rechte diesem Konstrukt opfern? Herr Ash übersieht, dass fast alle kontinentalen Demokratien der Alt-EU-Länder durch Zeiten schmerzvoller Revolutionen gegangen sind und auf der Vorstellung eines "Contrat Social" oder Sozialvertrags aufbauen. Danach übertragen die Menschen einige Rechte auf eine Regierung, damit diese eine soziale Ordnung bewahrt. Dieses Prinzip ist in die Verfassungen eingegangen (in Deutschland z.B. Artikel 14, Absatz 2 Grundgesetz: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."). Dagegen haben die angelsächsischen Länder entweder keine geschriebene Verfassung, wie Großbritannien, oder eine Verfassung, die die Sozialbindung des Eigentums nicht kennt, wie die USA. Was wir heute in der EU erleben, ist eine immer stärkere Hinwendung zu angelsächsischen und neoliberalen Vorstellungen. Damit werden die sozialen Rechte und Verpflichtungen immer mehr einem brutalen Wettbewerbsgedanken untergeordnet. Im Ergebnis gilt das Recht des Wettbewerbsfähigeren, nicht der soziale Ausgleich.
......als einziges EU-Land ECHT demokratisch (jeder Büger durfte wählen) entschieden, schon tauchen die Euro (oder Pseudo-) Demokraten auf den Plan und verteufeln Irland. Ich wäre auch gerne gefragt worden......
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