Euro in der Krise Wie sich Europas Zukunft entscheidet

Griechenland muss raus aus dem Euro - diese Forderung hört man immer öfter. Doch auch Spanien hängt am Tropf, Italien zittert sich durch den Sommer und Frankreich scheint das nächste Krisenland zu werden. Für die Euro-Gruppe geht es ums Überleben. Würde nun Griechenland aus der Gemeinschaft geworfen, wäre das politische Signal eindeutig.

Ein Kommentar von Cerstin Gammelin

Ein Schlachtruf hallt durch Europa. Er begleitet die Troika, die sich erneut auf den Weg macht, um in Athen nach dem Rechten zu sehen: Werft sie raus, wenn sie nicht liefern. Troika! Griechenland! Binnen Sekunden greift Panik um sich. Das Land braucht noch mehr Milliarden. Völlig unmöglich! Reflexartig kommt die angeblich einzig verbleibende Lösung auf den Tisch: Griechenland muss raus aus dem Euro. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Aufatmen.

Wie hier in Madrid demonstrieren Menschen in allen von der Krise betroffenen Ländern, um gegen Sparmaßnahmen und jahrelange Misswirtschaft zu protestieren. 

(Foto: AFP)

So wird es nicht kommen. Denn die Zukunft Griechenlands wird nicht an der Höhe von Privatisierungserlösen oder Steuerbescheiden entschieden. Griechenlands Schicksal entscheidet sich im Kontext der gesamten europäischen Schuldenkrise. Es wird eine Rechnung geben, in der die ökonomischen Kosten eines Verbleibs Griechenlands im Euro gegen den politischen Preis abgewogen werden, den die Euro-Gruppe - und vor allem Deutschland - bei einem Austritt Athens zu zahlen hätte.

Und so ist trotz aller Schlachtrufe nur eines sicher: Die Troika, also die Kontrolleure der Kreditgeber Griechenlands von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds, werden feststellen, dass in zehn Wochen griechischem Wahlkampfs zu viel liegen geblieben ist. Athen hat seine Auflagen nicht fristgemäß und umfänglich erfüllt. Es ist ein Loch entstanden, eine Finanzierungslücke, und dieser Fehlbetrag fließt nun in die Rechnung ein, die der Euro-Klub bis Ende des Jahres aufmachen muss. Es ist diese Gesamtrechnung, die über die Zukunft der Gemeinschaft entscheidet.

Auch Spanien hängt am Tropf

Auch in diesem Sommer kommt Europa nicht zur Ruhe, nach drei Jahren Krise herrscht hohe Nervosität. Anders als geplant ist es den Euro-Ländern in den vergangenen Wochen nicht gelungen, die Gemeinschaft zu stabilisieren - und sich wenigstens für kurze Zeit Luft zu verschaffen. Sie haben 100 Milliarden Euro für die Banken Spaniens bewilligt, sie haben Volksvertreter und Finanzminister eigens zu Sondersitzungen einbestellt - und dennoch kehrt keine Ruhe ein.

Die spanischen Finanzierungskosten steigen weiter, und niemand mag mehr ausschließen, dass Madrid in den nächsten Wochen nochmals an die Tür des Euro-Rettungsfonds EFSF klopfen muss, um neue Hilfen für den Haushalt zu beantragen. Damit stünde die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone unter Kuratel.