Euro Hawk Drohnen-Probleme sollen vor Vertrags-Abschluss bekannt gewesen sein

Schon seit 2004 soll die Bundeswehr einem Medienbericht zufolge von der gefährdeten Zulassung der "Euro Hawk" gewusst haben. Trotzdem wurde 2007 der Liefervertrag für die Aufklärungsdrohne unterschrieben - und noch mehr Probleme soll die Armee vertuscht haben.

Der Bundeswehr waren die drohenden Zulassungsprobleme bei der Aufklärungsdrohne Euro Hawk einem Zeitungsbericht zufolge seit mindestens neun Jahren bekannt. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet unter Berufung auf eigene Recherchen, dass seit 2004 seitens der Flugsicherung, der Industrie und der Bundeswehr-Zulassungsstelle mehrfach auf den fehlenden Kollisionsschutz bei der Drohne Euro Hawk hingewiesen worden sei. Ohne den Kollisionsschutz war keine Zulassung im zivilen Luftraum möglich.

Dem Verteidigungsausschuss hatte das Ministerium diese Woche dagegen nach Angaben von Mitgliedern mitgeteilt, die massiven Probleme seien erst Ende 2011 offenbar geworden. Der Vertrag über die Entwicklung der Drohne wurde 2007 von der großen Koalition unter dem damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) abgeschlossen.

Der jetzige Ressortchef Thomas de Maizière hatte das Entwicklungsprojekt vor einigen Tagen gestoppt, da eine Zulassung der Drohne nicht zu erreichen war. Bis zu 680 Millionen Euro Steuergelder wurden dadurch nach Schätzungen der Opposition verschwendet. Die von der Firma Cassidian, einer Tochter des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, hergestellte Sensorik in der Drohne soll nun in einem anderen Träger, möglicherweise einem Flugzeug, verwendet werden. Der Euro Hawk basiert auf der von Northrop Grumman gebauten Drohne Global Hawk, die das US-Militär seit langem einsetzt.

Weitere Recherchen hätten der Zeitung zufolge ergeben, dass das Verteidigungsministerium gravierende Zwischenfälle bei der Überführung des Euro Hawk im Juli 2011 von Kalifornien nach Bayern verschwiegen habe. Bei diesem Flug, den die Luftwaffe als "Meilenstein der Luftaufklärung" gefeiert habe, habe der Pilot zweimal für etwa zehn Minuten den Satellitenkontakt zur Drohne verloren. Sie sei dabei von ihrem programmierten Kurs abgekommen. Die Zwischenfälle wurden dem Bericht zufolge inzwischen am Rande von drei Fachtagungen erörtert.

Das Bundesverteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, dass Minister Thomas de Maiziere dem Wehrausschuss am 5. Juni Auskunft über die genauen Abläufe bei der Beschaffung der Drohne geben werde.