Der Bundestag stimmt nun doch am Mittwoch über die Ausgestaltung des Rettungsschirms EFSF ab. Treibende Kraft hinter dem Kursschwenk ist Unionsfraktionschef Volker Kauder. Er überraschte damit selbst Kollegen aus den eigenen Reihen.
Volker Kauder ist ziemlich schlecht gelaunt, als er am Montag vor die Presse tritt. Er hat gerade die österreichischen Kollegen von der ÖVP zu Gast, doch für die interessiert sich niemand im Reichstag. Stattdessen wollen alle von ihm wissen, warum nun über den sogenannten Hebel doch im Bundestag abgestimmt werden soll. "Wenn Sie das Parlamentsbeteiligungsgesetz genauer anschauen würden, wüssten Sie, dass es eine ganz normale Konsequenz ist", erklärt Kauder. Der Fraktionschef will den Kursschwenk der Regierung nicht wie einen Kursschwenk erscheinen lassen. Also sagt er, dass alles doch ganz normal und "nichts Außergewöhnliches" sei.
Bild vergrößern
Volker Kauder bemühte sich, den Kursschwenk der Regierung nicht wie einen Kursschwenk erscheinen zu lassen. (© dpa)
Anzeige
Außergewöhnlich freilich ist, dass Kauder mit seinem Drängen, nun doch das Plenum abstimmen zu lassen, ziemlich viele Freunde und Feinde überrascht hat. Das ging seiner Fraktionsführung so, das ging Bundestagspräsident Norbert Lammert nicht anders. Und am Montag widerspricht in Berlin auch niemand der Einschätzung, dass selbst die Kanzlerin bis dahin einen anderen Plan hatte. Bei allen nämlich hatte sich die am Freitag noch mit Verve vorgetragene Auffassung festgesetzt, dass diesmal eine Abstimmung im Haushaltsausschuss reichen würde.
Hart war das vorgetragen worden, gerade auch in einer kurzen Debatte am Freitagmorgen. Umso deutlicher erkennt man die Kurve, die da jetzt gedreht wurde. Dabei bleibt letztlich unbeantwortet, was stärker zu Kauders Kurswechsel beigetragen hat: die Kritik der Opposition, die schon am Freitag beklagte, man dürfe selbst wenn nur der Verdacht auf ein erhöhtes Risiko bestehe, nicht hinter den verschlossenen Türen des Haushaltsausschusses entscheiden. Oder ob es am Ende der öffentliche Druck war, weil auch zahlreiche Kommentatoren vor einer intransparenten Beschlussfassung in einem nicht-öffentlich tagenden Ausschuss warnten. Entscheidend ist: Kauder will es nun anders.
Er will nur nicht wie ein Getriebener wirken. Also erklärt er noch, "dass es bei so wichtigen Fragen gut ist, wenn das Parlament in seiner großen Breite die Kanzlerin bei ihren Verhandlungen" unterstützen würde. Das klingt besser.
Ob so etwas wirklich klappt, wird sich erst am Mittwoch zeigen. Am Montag zeigt sich, dass die FDP auf Überraschungen auch ruhig reagieren kann. Als Fraktionschef Rainer Brüderle von Kauders Idee erfährt, erklärt er, die FDP werde dem nicht im Weg stehen.
- Thema
- Euro-Finanzkrise RSS
- Abstimmung im Bundestag über Rettungsschirm Abweichler bleiben beim Nein zum EFSF 25.10.2011
- Wege aus der Schuldenkrise Europas Betriebssystem ist die Demokratie, nicht der Euro 25.10.2011
- Kanzlerin Merkel lenkt überraschend ein Bundestag setzt Mitsprache beim Rettungsschirm durch 24.10.2011
- Mitgliederentscheid zum Rettungsschirm FDP will Euro-Rebellen ausbremsen 24.10.2011
- Fieberhafte Suche nach Lösung für Schuldenkrise Warum nach dem Gipfel vor dem Gipfel ist 24.10.2011
- Euro-Bonds und Schuldenkrise Merkels klare Antworten bergen Probleme 18.11.2011
- Debatte über Spaltung der EU Wie aus Europa viele Europas werden 11.11.2011
(SZ vom 25.10.2011/beu)
ist schon eine große Überraschung.
Ist der Lafontaine gemeint, der von 1995 - 1998 alles als Oppositionsführer blockiert hat, unabhängig davon, ob es notwendig war oder nicht.
Der Lafontaine der als langjähriger Ministerpräsident vom Saarland, die meisten Schulden hinterlassen hat, sich in Saarbrücken seinen Palast der sozialen Gerechtigkeit hinterlassen hat und vor seiner Flucht aus dem Finanzminister nichts hinbekommen hat.
Der die Sozialdemokratie trotz einer der beeindruckensten Reformen der deutschen Nachkriegsgeschichte (das ich das mal sage) massiv geschadet habe.
Ein überschätzter Populist, nichts weiteres ist Herr Lafontaine...
Kauder ist mit allen Wassern gewaschen und hat natürlich begriffen, dass die massive Forderung der Opposition nach einer öffentlichen Debatte im Falle einer Nichterfüllung am Ende zu einem totalen Vertrauensverlust in die schwarz-gelbe Regierung führen würde.
Da läßt er sich doch lieber in das Vabanque-Spiel der Mittwoch-Abstimmung ein; selbst bei Verfehlung der Kanzlermehrheit stünde man dann noch besser da als nach einem antiparlamentarischen Kraftakt, der ebenfalls auch am Ende ein Minusspiel werden könnte.
... bei der Entscheidungen die die Geldfälscher brauchen und Michels nicht verstehen ....
( Man kann dann am Sontag beichten, und das wars )
"Volker Kauder bemühte sich, den Kursschwenk der Regierung nicht wie einen Kursschwenk erscheinen zu lassen."
______________________
Ja, er bemühte sich.
(Das sieht schwer nach Entlassung aus.)
Harte Fakten werden auch morgen wieder nicht vor dem Hohen Haus präsentiert werden. Eine Entscheidungsgrundlage ist mitnichten gegeben, das Ungefähre steht zur Ratifizierung an. Das Ganze ist ein scheindemokratischer Prozess, zur Scheinlegitimierung von Vorgängen, die weiterhin im Dunkeln bleiben.
Paging