Ein Kommentar von Martin Winter

Frau Merkel hat Großes mit Europa vor: Die Verantwortung für die mit Spannung erwartete Berliner Erklärung, die an diesem Wochenende beim EU-Sondergipfel unterzeichnet werden soll, nimmt sie ganz alleine auf sich - und geht damit ein hohes Risiko ein.

Frau Merkel sitzt in ihrem Stübchen und bastelt an der Berliner Erklärung - allein. Darf sie das? Sie darf das. Man muss ihr sogar dankbar dafür sein.

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Der Qualität dieses politischen Textes über Gegenwart und Zukunft der Europäischen Union kann es nur gut tun, wenn nicht Tausende Interessenvertreter und andere Wichtigtuer in seine Entstehung hineinpfuschen. Schließlich soll die Erklärung zum 50. Geburtstag der EU kurz, knapp und vor allem für den Bürger gut lesbar sein.

Die Erklärung soll aber auch neue Bewegung in die Reform der Gemeinschaft bringen. Darum haben Kanzlerin Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier ausführlich und diskret mit den anderen Regierungen die Grenzen zwischen dem Tragbaren und dem Unerträglichen vermessen.

Denn eine Berliner Erklärung, hinter der nicht alle Mitgliedsländer stehen, ist politisch nur von geringem Wert. Heutzutage aber eine Formel zu finden, die alle mittragen und die doch mehr ist als ein mieser Kompromiss, ist eine delikate Sache. Auf dem offenen Markt lässt sich so etwas kaum aushandeln.

Und selbst hinter verschlossenen Türen scheint es schwierig zu sein. Dies zeigt die Klage der Regierung in Prag, die angeblich nicht ausreichend konsultiert wurde, aber doch wohl eher einen Grund sucht, sich von dem Reformvorhaben zu distanzieren.

Indem sie die Verantwortung für die Berliner Erklärung ganz allein auf sich nimmt, geht Merkel ein hohes Risiko ein. Wird die Erklärung zu schwach, wird auch sie geschwächt. Dann könnte der Verfassungsprozess insgesamt scheitern. Dennoch tut Merkel das Richtige. Nur eine Kanzlerin, die Risiken auf sich nimmt, wird etwas erreichen.

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(SZ vom 23.03.2007)