Russlands Premier Putin erklärte im August, den georgischen Staatschef Saakaschwili "an den Eiern aufhängen" zu wollen, berichtet die Times.

Wladimir Putin hat sich erneut als Freund der überdeutlichen Sprache gezeigt. Pünktlich zum EU-Russland-Gipfel in Nizza berichtet die Times von einem Wortgefecht zwischen Russlands starkem Mann und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, das sich bereits im August zugetragen haben soll.

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Russlands Ministerpräsident und Frankreichs Staatspräsident Sarkozy: Kleine Unstimmigkeiten vor dem Versöhnungsgipfel in Nizza. (© Foto: AFP)

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Damals kam es im Kaukasus zur Eskalation zwischen Georgien auf der einen Seite sowie Separatisten in Abchasien und Südossetien und deren Schutzmacht Russland auf der anderen.

Als die russischen Streitkräfte nur noch 50 Kilometer vor der georgischen Hauptstand Tiflis standen, kam es zu einem bemerkenswert undiplomatischen Ausfall Putins.

Frankreich hatte kurz zuvor die EU-Ratspräsidentschaft übernommen, und so startete Nicolas Sarkozy seine Vermittlungsbemühungen - und glaubte seinen Ohren nicht zu trauen.

Wie die Times berichtet, drohte Russlands Premier nicht nur unverhohlen, dem georgischen Staatschef Saakaschwili nach dem Leben zu trachten. Er tat dies in einer Sprache, die selbst den agilen Sarkozy aus der Fassung brachte.

Er werde "Michail Saakaschwili an den Eiern aufhängen", verkündete Putin laut Times. Das altehrwürdige Londoner Blatt beruft sich auf Äußerungen von Jean-David Levitte, einem engen Berater Sarkozys.

Der redegewandte Franzose soll damals verblüfft nachgefragt haben. Putins lapidare Antwort: "Die Amerikaner haben Saddam Hussein doch auch aufgehängt." Aber ob er denn enden wolle wie US-Präsident Bush, habe Sarkozy gekontert. Putin sei kurz sprachlos gewesen - und habe dann geantwortet: "Treffer für Sie."

Dass Wladimir Putin gerne den starken Mann mimt, ist seit langem bekannt. Der russische Premier ließ sich schon im Karate-Dress ablichten, er posierte mit Waffen für die Fotografen. Oder beim Angeln - oben ohne, auf dass der durchtrainierte Brustkorb auch recht zur Geltung kommt.

Auch für seine deftigen Sprüche ist der langjährige Kremlchef bekannt: Die Missbrauchsvorwürfe gegen den damaligen israelischen Präsidenten Katzav kommentierte Putin vor ein paar Jahren dementsprechend vulgär. "Zehn Frauen hat er vergewaltigt", soll Putin damals gesagt haben:"Was für ein starker Kerl!"

Putins Sprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass Putin sich bezüglich Saakaschwili einer ähnlichen Wortwahl wie in dem Artikel beschrieben bedient habe. Er verwahrte sich aber dagegen, dass der Eindruck erweckt werde, in der Georgien-Frage habe Putin und nicht Medwedew das Heft des Handelns in der Hand gehabt.

Die Darstellungen, Sarkozy habe Putin davon abgehalten, Tiflis einzunehmen und Saakaschwili zu stürzen, seien "nichts als Andeutungen von ziemlich provokativen Charakter". Das Tandem Medwedew-Putin arbeite effektiv zusammen. "Die endgültigen Entscheidungen in Fragen der Außenpolitik werden vom Präsident getroffen", betonte Peskow.

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(sueddeutsche.de/odg/jkr)