Die verbalen Ausfälle von Hugo Chavez lenken von einem wichtigeren Problem ab: Die EU und Lateinamerika finden nicht zusammen - auch weil Europa den politischen Wandel dort nicht wahrhaben will.
Man braucht nicht alles ernst zu nehmen, was Hugo Chávez von sich gibt. Venezuelas Präsident hört sich gerne reden und attackiert bevorzugt jene, die an seinem Sozialismus des 21. Jahrhunderts zweifeln. Er spricht fast so viel wie einst sein kubanisches Vorbild Fidel Castro, bloß hatte der Comandante meist originellere Ideen.
Hemmungsloser Provokateuer: Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez schreckt vor keinem Vergleich zurück. (© Foto: dpa)
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Dass Chávez nun Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Nähe Adolf Hitlers rückt, braucht nicht näher erörtert zu werden. Hitler-Vergleiche fallen gerade in Lateinamerika schnell. Doch auch dieses Wortgeplänkel zeigt, wie weit sich manche Teile des Subkontinents von der EU entfernt haben.
Europa wäre ein natürlicher Partner für die Region. Vielen Menschen in Caracas, Lima oder La Paz sind Madrid, Paris und auch Berlin lieber als Washington. Für beide Seiten ist eine Zusammenarbeit jenseits nordamerikanischer Einflüsse interessant.
Doch die linke Fraktion um Chávez und die Europäische Union haben sich voneinander abgewandt. Das zeigt die Unfähigkeit, bessere Kontakte zu Kuba zu suchen. Das zeigen die Probleme, vernünftig mit Bolivien und Venezuela umzugehen. Wieso, zum Beispiel, lässt Merkel bei ihrer Reise mit Ausnahme des unverzichtbaren Schwergewichts Brasilien alle neuen Regierungen aus und besucht stattdessen das einsam rechtskonservative Kolumbien?
Der politische Wandel in Lateinamerika ist eine Tatsache, die meisten Wähler fühlen sich als Verlierer der Globalisierung. Will die EU besseren Kontakt, dann muss sie sich mit dem Phänomen auseinandersetzen. Selbst mit dem ungehobelten Chávez. Ansonsten pflegt der karibische Heißsporn Castros Strategie in Zeiten innenpolitischer Bedrängnis: Er erklärt alle Kritiker zu Feinden.
(SZ vom 13.05.2008)
Kanzlerin Merkel und die Macht
AN Morcar, Ihr Beitrag um 11:55
Oluja hat von einer Annäherung Deutschlands und Frankreichs an die USA dank Sarkozy und Merkel geschrieben.
Meine Frage an Oluja war wie folgt:
haben Sie sich mit der Frage beschäftigt, warum sich jetzt Deutschland und Frankreich, nach dem diese Länder in den letzten Jahren den Friedensstifter spielten, den USA angenähert haben?
Oluja hat bisher keine Antwort auf diese Frage geschrieben, obwohl Sie in der Zwischenzeit aktiv war.
Bzgl.des Einsatzes im Irak wollte ich gegen die allg. herrschende Meinung Europa war dagegen sprechen, da die meisten europ.Staaten Soldaten in den Irak geschickt hatten. Somit war die damals die friedensstiftende Haltung Frankreichs und Deutschland, keine europäische Meinung, da diese 2 Staaten eine europ.Minderheit darstellen, egal wie sich diese gegenseitig absprechen und unterstützen.
Diese ablehnende Haltung hatte auch nichts mit der Friedensstiftung zu tun (Deutschland hatte gleichzeitig Munition an die Amerikaner geliefert), sondern mit dem Versuch sich auf der intern.Bühne Geltung zu verschaffen, statt Lösungen für den Irak anzubieten. Da dies ein Irrweg war, zeigt die aktuelle Annäherung an die USA.
Das wäre die Antwort auf meine Frage, die Oluja mir immer noch schuldig ist.
Wenn Sie irgendwas in meinen Beiträgen nicht verstehen, dann bitte um Rückfrage, statt um einen irreführenden Kommentar.
Wer offen zum Boykott gegen Hugo Chavez aufruft, ruft auch zum Boykott gegen Venezuela auf. Somit soll sich keiner wundern ; wenn es eine Hugoische Gegenreaktion gibt und die ist meistens hart und unsachlich. Den Südamerikanern ist das darauffolgende Palaver aus Europa so was von egal. Frau Merkel hätte erst überlegen sollen und dann losplappern. Aber so ist das, wenn einem Georgi-Boy im Nacken sitzt und ihr ins Ohr flüstert, wie Südamerika funktioniert. Aber man kann ja noch lernen.
MfG Georges13437
Merkel hat schlechte Tipgeber. Natürlich spricht Chaves für eine zunehmende Zahl von linken Regierungen in Lateinamerika. Wenn man durch die Brille von Bush sieht, hat man verzerrte Konturen. Die EUler werden das auf der Konferenz spüren aber washington-hörig ignorieren. Auch hat der Mann Merkel nicht mit Hitler verglichen. Er verwies nur darauf, dass sie im Namen der Kräfte spricht, die schon Hitler stützten. Nicht gelogen: Krupp, Thyssen, Siemens, IG Farben (heute Bayer und andere Nachfolger), Quandt und die ganze Familienkonzernbagagen, waren Geldgeber und Nutzniesser des faschistischen Verbrechens. Man ist in Caracas schon ordentlich informiert.
@ sunyatzen
Kann ihre Merkel-Kritik mittragen. Chavez als Verbalerotiker kann sich in Verantwortung für sein Volk nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten, nicht wahr?
Im Übrigen wird es nicht umsonst so schnell keinen Latino-Papst geben. Auch wenn sich PJP II dies vielleicht wohl gewünscht haben sollte...
Man solle sich mal vorstellen - Chavez hätte zu Merkel gesagt, sie vertrete nicht Europa und wäre auch nicht demokratisch legitimiert, weil z.B. das Grundgesetz nie vom Volk bestätigt wurde usw. Auch ist Deutschland der beste Verbündete der USA, die gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Chavez sogar einen ganz üblen Putsch inzenierte (welcher jedoch am Volk Venezuelas scheiterte, +Chavez war früher auch mal Putschist). Und auch dabei waren nicht nur die katholischen Bischhöfe Venezuelas die ersten Gratulanten der Putschisten, sondern auch in Deutschland haben die katholischen Medien eine verleumnerische Kampagne gegen Chavez geführt.
Merkel ist Protestantin und nicht mit den erzkonservativen Kräften direkt verbandelt. Trotzdem, wenn auch mit den falschen Worten von Chavez geäußert, ist seine Wut bzw. Kritik an der deutschen Südamerikapolitik durchaus berechtigt.
Paging