Ein Kommentar von Peter Burghardt

Die verbalen Ausfälle von Hugo Chavez lenken von einem wichtigeren Problem ab: Die EU und Lateinamerika finden nicht zusammen - auch weil Europa den politischen Wandel dort nicht wahrhaben will.

Man braucht nicht alles ernst zu nehmen, was Hugo Chávez von sich gibt. Venezuelas Präsident hört sich gerne reden und attackiert bevorzugt jene, die an seinem Sozialismus des 21. Jahrhunderts zweifeln. Er spricht fast so viel wie einst sein kubanisches Vorbild Fidel Castro, bloß hatte der Comandante meist originellere Ideen.

Hemmungsloser Provokateuer: Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez schreckt vor keinem Vergleich zurück. (© Foto: dpa)

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Dass Chávez nun Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Nähe Adolf Hitlers rückt, braucht nicht näher erörtert zu werden. Hitler-Vergleiche fallen gerade in Lateinamerika schnell. Doch auch dieses Wortgeplänkel zeigt, wie weit sich manche Teile des Subkontinents von der EU entfernt haben.

Europa wäre ein natürlicher Partner für die Region. Vielen Menschen in Caracas, Lima oder La Paz sind Madrid, Paris und auch Berlin lieber als Washington. Für beide Seiten ist eine Zusammenarbeit jenseits nordamerikanischer Einflüsse interessant.

Doch die linke Fraktion um Chávez und die Europäische Union haben sich voneinander abgewandt. Das zeigt die Unfähigkeit, bessere Kontakte zu Kuba zu suchen. Das zeigen die Probleme, vernünftig mit Bolivien und Venezuela umzugehen. Wieso, zum Beispiel, lässt Merkel bei ihrer Reise mit Ausnahme des unverzichtbaren Schwergewichts Brasilien alle neuen Regierungen aus und besucht stattdessen das einsam rechtskonservative Kolumbien?

Der politische Wandel in Lateinamerika ist eine Tatsache, die meisten Wähler fühlen sich als Verlierer der Globalisierung. Will die EU besseren Kontakt, dann muss sie sich mit dem Phänomen auseinandersetzen. Selbst mit dem ungehobelten Chávez. Ansonsten pflegt der karibische Heißsporn Castros Strategie in Zeiten innenpolitischer Bedrängnis: Er erklärt alle Kritiker zu Feinden.

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(SZ vom 13.05.2008)