Die Iren haben den Vertrag von Lissabon zu Recht gekippt: Er hätte die Völker entmündigt, wenn auch in bester Absicht.
Burkhard Hirsch war jahrzehntelang einer der führenden Innenpolitiker der FDP. Von 1994 bis 1998 war er Vizepräsident des Bundestags.
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"Den Vertrag zu Recht gekippt": FDP-Politiker Burkhard Hirsch (© Foto: AP)
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Man sollte aufhören, die Iren als regendurchnässte Schafhirten zu betrachten, die als einzige Europäer nicht in der Lage waren, die Segnungen des Vertrags von Lissabon zu begreifen.
Die Referenden wären auch andernorts negativ ausgefallen:Weil man die Zustimmung der Wähler zu einem Vertrag weder bekommen kann noch bekommen sollte, den auch ein gutwilliger Leser nicht mehr verstehen kann. Und weil die handelnden Politiker nicht den mindesten Versuch unternommen haben, den Inhalt des Vertrags nüchtern darzustellen. Und weil der Vertrag versucht, den Völkern Europas eine bürokratische Obrigkeit überzustülpen, in wohlmeinender Entmündigung.
Sollten die Iren nun mit dem Rauswurf bedroht werden, dann wäre diese Erpressung ein Akt der organisierten Kriminalität "im Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts", als den der Vertrag die EU bezeichnet. Man darf nicht bedroht werden, weil man auf einem rechtmäßigen Vertrag beharrt.
Mit dem Tabubruch beginnt das Denken
Wo ein Tabu gebrochen wird, beginnt das Denken. Wer den Vertrag von Lissabon kritisiert, verstößt in Deutschland gegen jede Political Correctness. Man tut gut daran, zunächst das Bekenntnis abzulegen, bis zu den Knien auf dem Boden der europäischen Integration zu stehen, sie für notwendig zu halten, freiwillig und demokratisch. Ja, sie ist es.
Nach der Zürcher Rede Churchills vom 19. September 1946 hofften wir auf Vereinigte Staaten von Europa. Die ernüchternde Formel de Gaulles vom "Europa der Vaterländer" setzte ein anderes Ziel: möglichst enge Zusammenarbeit ja, Aufgabe der nationalen Identitäten nein.
Damit begann eine europäische Lebenslüge. Man administrierte ein Europa der Subventionen. Man bildete Organisationen, die staatsähnliche Funktionen erfüllen, aber weder Bundesstaat noch Staatenbund sein durften und darum "supranational" genannt wurden.
Die nationalen Regierungen übten in "gouvernementaler Kooperation" direkt und indirekt dominierenden Einfluss auf die personellen Entscheidungen und die Rechtsetzung dieser Gebilde aus, zu Lasten der eigenen Parlamente, denen sie immer wieder vorschrieben, was sie nun gefälligst als europäisches Gemeinschaftsrecht zu vollziehen hätten.
Es entstand ein Europa der Minister- und Ministerialräte, der "Staats- und Regierungschefs" - was für eine vorkonstitutionelle Bezeichnung! -, der Beamten mit diplomatischer Immunität, mit eigenen Finanzen, mit drei Hauptstädten Brüssel, Luxemburg und Straßburg, mit einem für den Normalbürger nur schwer zugänglichen Gerichtshof, der auf das möglichst ungestörte Funktionieren der Verwaltungen bedacht ist und darum die nach unserer Verfassung unveräußerliche Menschenwürde dem Maßstab der Verhältnismäßigkeit unterwirft, und mit einem Parlament, in das sich die entscheidenden nationalen Politiker nicht wählen ließen.
Es blieb ein Parlament mit nationalen Kontingenten, ohne Wahlkreise, ohne europäische Öffentlichkeit und darum mit besorgniserregend geringer Wahlbeteiligung. Das Parlament ist eine Hoffnung, zweifellos. Es bemüht sich.
Aber es ändert nichts daran, dass Entscheidungsmechanismen entstanden sind, die man als Demokrat vielleicht gerade noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts übergangshalber akzeptiert hätte. Das Gebilde gebärdet sich als Staat, der nicht bemerkt hat, dass ihm etwas verlorengegangen ist: das Volk, von dem in einer Demokratie alle Staatsgewalt ausgehen muss und das in seiner Entscheidung frei ist, auch wenn sie der Regierung nicht gefällt.
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Danke für die Rückmeldung.
Vielleicht ist der URL beim Hochladen hier zerhackt worden. Ich habe noch heute die pdf-Datei laden können. Vielleicht klappt es so:
http://www.andrewduffmep.org.uk/index.html
Hier befindet sich weiter unten der Link hinter dem Stiuchwort:
"Leitfaden zum vertrag
Deutsch."
Bei der Seite auf dem EU Server ist dies nur der erste Teil des Informationspakets; von dort kann man eine Menge Seiten zu den einzelnen Themen und Texten anklicken.
Zu Ihrem Einwad bezüglich des Militärs, steht hierzu auf der FAQ-Seite:
Die Zuständigkeit für militärische Angelegenheiten bleibt in Händen der Mitgliedstaaten. Im Vertrag ist vorgesehen, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union zivile und militärische Ressourcen für die Durchführung ihrer Maßnahmen im Bereich der gemeinsamen Sicherheit und Verteidigung zur Verfügung stellen können. Jeder Mitgliedstaat hat das Recht, die Teilnahme an solchen Maßnahmen zu verweigern; Beiträge dazu werden immer freiwillig sein.
Eine Reihe von Mitgliedstaaten, die sich dazu bereit erklären und über die erforderlichen Kapazitäten verfügen, werden Abrüstungsmaßnahmen, humanitäre Aufgaben und Rettungseinsätze, Aufgaben der militärischen Beratung und Unterstützung sowie Aufgaben zur Erhaltung des Friedens durchführen. Kein Mitgliedstaat kann dazu gezwungen werden, an solchen militärischen Operationen teilzunehmen.
Wo ist die Verwendung des Militärs im Inneren vorgesehen ?
Im EU Vertrag geht es entweder um Geldsparen bei Rüstungsaufgaben oder um Einsätze in Drittstaaten - siehe die neue Version des Artikel 43 EG Vertrag:
"Die in Artikel 42 Absatz 1 vorgesehenen Missionen, bei deren Durchführung die Union auf zivile und militärische Mittel zurückgreifen kann, umfassen gemeinsame Abrüstungsmaßnahmen, humanitäre Aufgaben und Rettungseinsätze, Aufgaben der militärischen Beratung und Unterstützung, Aufgaben der Konfliktverhütung und der Erhaltung des Friedens sowie Kampfeinsätze im Rahmen der Krisenbewältigung einschließlich Frieden schaffender Maßnahmen und Operationen zur Stabilisierung der Lage nach Konflikten. Mit allen diesen Missionen kann zur Bekämpfung des Terrorismus beigetragen werden, unter anderem auch durch die Unterstützung für Drittländer bei
der Bekämpfung des Terrorismus in ihrem Hoheitsgebiet."
Falls Sie einen Verweis auf die MÖGLICHKEIT der Verwendung des Militärs im Inneren verweisen, dann beachten Sie bitte, dass dies in einigen Staaten normal ist: z.B. die Carbinieri
Zitat:
"Und, liebe Freunde, der Wahlkampf in Irland drehte sich mitnichten um solche Themen (ich war dort im Urlaub), sondern die Frage war, ob Irland wirtschaftlich profitieren oder verlieren würde."
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Das stimmt so nicht! Sie vergessen die Sozialisten, die zwar nicht im nationalen Parlament sitzen, aber viel Einfluss an der Basis und in den Gemeinden haben. Denen ging es wohl eher um die geplanten, weltweiten Militäreinsätze zur Rohstoffsicherung á la Irak und Afghanistan (wie die USA bereits heute nach Raubritter-Art tun). Auch das Aufrüstungsgebot der EU passte den Iren nicht.
Hinzu kommt, dass es keine 90 Jahre her ist, dass die Iren in Irland sich von dem Joch der Briten befreit haben. Das Volk ist extrem sensibel wenn es darum geht, dass ihm von draussen hereingeredet wird -- Sinn Feins Jerry Adams warnte sogar Le Pen, sich gegen den EU-Vertrag in Irland einzumischen. Offenbar ist den Iren, die darüber abgestimmt hatten, das Machwerk nicht geheuer. Selbst die Green Party liess es offen, obwohl deren Führung eigentlich eine "Pro"-Empfehlung angestrebt hatte.
Die Iren haben unbestritten durch die EU-Mitgliedschaft gewonnen, in letzter Zeit durch die Zockerei der Amerikaner aber auch wieder viel verloren -- nicht alles ist immer auf das rein wirtschaftliche zu reduzieren, hier war sehr viel Emotion und Misstrauen im Spiel -- zu Recht, meine ich, denn mir war dieser Vertrag seit 12/2007 nicht geheuer.
Zitat: "2. Ich habe 2 Links mit 'leichtverdaulichem Material' zum Thema angegeben, in dem meiner Meinung nach Alles erklärt wird. Welche Fragen bleiben denn nach einer Lektüre diese Materials offen ?"
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Das Andrew Duff Link funktioniert nicht (content unknown) und der Kram der "erklärend" von der EU selbst herausgegeben wurde hat nur Artikelk 1-7 aufgelistet. Danach wird es aber erst interessant für den Bürger, wenn es um Aufrüstungsgebot geht, um Militäreinsätze ohne Beteiligung auch nur eines demokratisch gewählten Parlamentariers, wenn es um den eklatanten Mangel an Rechtfertigungsdruck (ein Grundprinzip der Demokratie, schlechthin!) auf der Seite der "Regierenden" (Bürokraten) geht -- dieser Vertrag, selbst wenn man Gute Absicht unterstellen will, ist ein gefährliches Machwerk -- Orwells 1984 lässt dann irgendwann einmal grüssen.
Note: die Regierenden müssen immer Angst (Rechtfertigungsdruck) vor den Regierten haben, damit eine Demokratie am Leben bleiben kann. Dieser EU-Vertrag lässt all dies aussen vor -- die Weichen würden gestellt, damit irgendwann einmal die Regierten Angst haben müssen vor den Regierenden.
Zitat: "Wo führt EU Recht durch seine 'Vorfahrt' vor deutschen Recht de facto zu einer Änderung des Grundgesetzes, selbst bei der Frage der Todesstrafe, die diesen Punkt der Diskussion angeregt hat ?"
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Kleine Liste NUR im Zusammenhang mit Artikel 28 - Vertrag von Lissabon:
- Militäreinsatz im Innern ist lt. EU-Vertrag geplant (GG ... nur gegen äussere Feinde).
- "Gemeinsame Abrüstungsmassnahmen" (Klartext: Entwaffnung anderer Staaten) widersprechen dem GG, Bundeswehr nur zur Landesverteidigung.
- BVG kürzlich: "Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee." EU-Vertrag sieht vor: Battle-Groups, in Marsch gesetzt auf Befehl des Hohen Vertreters nach Genehmigung des Ministerrats, finanziert durch einen vorher bereits bereitgestellten "Anschubfond".
Dass die Bürger nichts zu sagen haben, die Grossindustrie aber umso mehr und das unsoziale Ganze dann als ein "Mehr an Demokratie" dem Bürger verkaufen zu wollen, grenzt schon an eine Unverschämtheit der einzelnen Parlamente gegenüber ihren Bürgern.
Nee, ich bin für ein tragfähiges, gesundes, moralisches Europa, das die Unterstützung seiner Bürger verdient, nicht dieses Machwerk, das die Entmündigung der Bürger voran treibt und der Grossindustrie Macht in die Hand gibt, um die Bürger dann gegeneinander auszuspielen und auszubeuten.
Dieser Vertrag muss neu verhandelt werden (klare Trennung zwischen nationalen und übernationalen Verantwortlichkeiten) und dann müssen die knapp 500 Millionen die Chance bekommen, darüber abzustimmen, basta. So oder so, aber uns die Wolle über die Augen zu ziehen, das geht nicht!
DANKE, Irland!
Danke für den Verweis. Hier also der Text von Art.1GG:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
Wieso ist also das EU Recht und seine Grundrechte ein Problem für das GG ?
Wo führt EU Recht durch seine 'Vorfahrt' vor deutschen Recht de facto zu einer Änderung des Grundgesetzes, selbst bei der Frage der Todesstrafe, die diesen Punkt der Diskussion angeregt hat ?
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