Ein Scheitern Lissabons wäre das Ende europäischer Ambitionen gewesen. Die USA, China, Russland oder Brasilien hätten die EU nicht mehr ernst genommen. Zum Schaden aller Europäer, die sich ja als Franzosen, Deutsche, Polen, Italiener, Litauer, Schweden oder sogar als Briten nicht mehr jeweils alleine in einer Welt behaupten können, die wirtschaftlich globalisiert und von regionalen Kriegen wie internationalem Terrorismus gleichermaßen bedroht ist.
Anzeige
Die lange und mit dem europäischen Verfassungsvertrag im Jahre 2005 beinahe gescheiterte Reformdebatte in der EU war nie nur ein Versuch europäischer Selbstfindung nach dem Ende des Kalten Krieges. Sondern in allen Auseinandersetzungen um die Modernisierung der EU spielte immer die Frage eine zentrale Rolle, wie einig und wie stark die EU in der Welt auftreten soll.
Es gab viele, wie die Länder Osteuropas, die ihre gerade gewonnene nationale Eigenständigkeit nicht wieder und auch nicht teilweise abgeben wollten. Oder die Briten, die der EU immer misstraut haben. Aber am Ende hat die Einsicht die Oberhand behalten, dass der Gewinn für jedes einzelne Land in einer modernisierten EU mögliche Verluste weit überwiegt.
Nun freilich müssen die Mitgliedsländer die Möglichkeiten auch nutzen, die ihnen der Vertrag mit seinen Änderungen am europäischen Gebäude gibt. Vor allem im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik hängt die EU noch stark zurück. Das gleiche gilt für eine gemeinsame Energiepolitik. Das Dümmste und zugleich Gefährlichste, was die europäischen Länder jetzt machen könnten, wäre es, sich nach der erschöpfenden Reformdebatte erst einmal ausruhen zu wollen.
Die Reform wird nur dann erfolgreich, wenn sie von Anbeginn an energisch mit Leben gefüllt wird. Es sind zwar siebenundzwanzig Partner. Aber die Aufgabe, die Lissabon-EU voranzutreiben, liegt bei den drei großen, europäischen Kernländern Deutschland, Frankreich und Italien, gemeinsam mit jenen kleinen und mittleren Ländern wie Belgien oder Luxemburg, die von Anfang an dabei waren.
Wenn sich vor allem die Deutschen etwas nicht leisten können, dann ist es die sich in den vergangenen Jahren bis sogar ins Bundesverfassungsgericht hineine ausbreitende Meinung, dass die europäische Einigung zwar irgendwie schon in Ordnung ist, man ihr aber vor allem Grenzen setzen muss. Wer so denkt, der will nicht gestalten, sondern verhindern.
Dann hilft auch der neue Vertrag nichts. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich vor drei Jahren europäische Verdienste und den Aachener Karlspreis dadurch erworben, dass sie den Lissabon-Vertrag mit Geschick auf die Beine gestellt hat. Danach aber war sie als treibende Kraft in Brüssel nicht mehr zu sehen. Es wird Zeit, dass aus Berlin wieder europäische Impulse kommen. Sonst war die ganze Mühe mit Lissabon vergeblich.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Referendum zu EU-Vertrag Iren stimmen Vertrag von Lissabon zu 03.10.2009
- EU-Referendum in Irland Auszählung hat begonnen 03.10.2009
- Referendum in Irland Bangen in Brüssel 02.10.2009
- Polen Kaczynski will EU-Vertrag unterzeichnen 02.10.2009
- Sparkurs für Europa Eine Woche der Bewährung 17.05.2010
- Währungsunion: Estland Mitten in der Krise: ein neues Euro-Mitglied 12.05.2010
- Europa: Kampf gegen Spekulanten Was wird aus meinem Ersparten? 11.05.2010
(sueddeutsche.de/woja)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
und dann wird Tony Blair endlich EU-Ratspräsident und kann zweieinhalb Jahre den nächsten illegalen Angriffskrieg planen und führen. Selbstverständlich gegen den bösen Iran. Und dann gibt es keine Dummheiten mehr, dann werden endlich teutsche Bomben und Granaten wieder für "Recht und Demokratie" "Terroristen und Demokratiefeinde" zerfetzen und verstümmeln.
HURRA!!! ICH LIEBE DIE EU!!!!!
Es hat Jahrzehnte gedauert, aber endlich sind wir moralisch und politisch wieder bei "ab 5:45 wird jetzt zurückgeschossen" angekommen und zwar Europaweit!
ach frustrierend, diese europäische pseudodemokratie...da sagen die iren nein und weil es keinem in der eu so recht passt lässt man sie noch mal abstimmen...hätten sie wieder nein gesagt, hätten se nächstes jahr noch mal ran gemusst, solange bis ein ergebnis rausgekommen wäre, welches den eu-diktatoren gefallen hätte...im grossen und ganzen kann man hier nicht von freiheit und demokratie reden...kaum ein normal bürger weiss um was es da geht geschweige den was in diesem "reform"-vertrag eigentlich geschrieben steht...aber das werden alle ja noch zu sehen bekommen...gell ^-^
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Dass die "Gegner einer immer engeren europäischen Zusammenarbeit" in ALLEN (!) 27 Mitgliedsländern eine demokratische Auseinandersetzung verloren haben, ist doch schlichtweg falsch, oder irre ich mich? In wie vielen Ländern gab es denn Plebiszite zu dieser Frage? Und wie sehr hat die EU und das Thema "LIssabon" den Wahlkampf beeinflusst?
Meiner Meinung nach kann man dann auch nicht von einer demokratischen Durchsetzung reden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Mehrheit der EU-Bevölkerung diesem Vertrag nicht zustimmen würde.
Den Iren ist nun lange genug eingebläut worden, dass die EU sie gerettet hat und sie daher Lissabon brauchen.
Komischerweise fand diese Rettung (wenn überhaupt) auch ohne den Lissabon-Vertrag statt.
Also geht's doch auch ohne.
Den Elefantenfriedhof EU mit Verheugen etc. werden die USA, China, Russland oder Brasilien noch weniger ernst nehmen als die nationalen Regierungen, die wenigstens ein bisschen Kompetenz haben und viel schneller entscheiden können als der Moloch EU.
Paging